Visionen des Fairen Handels für die Bundestagswahl 2017

2017 wird der Bundestag neu gewählt. Wir haben uns im Hinblick auf die Bundestagswahl überlegt, was uns aus Sicht des Fairen Handels aktuell am meisten am Herzen liegt. Gemeinsam mit dem Weltladen-Dachverband haben wir drei Visionen des Fairen Handels für die Bundestagswahl formuliert:

Faire Visionen Bundestagswahl 2017

Vision 1: Faire Arbeitsbedingungen weltweit!

Alle Menschen können weltweit in Würde arbeiten und sich dadurch einen guten Lebensstandard leisten.

Konkret fordern wir von der Bundesregierung:

Arbeits- und Menschenrechte weltweit schützen

  • Eine verbindliche menschenrechtliche Sorgfaltspflicht für deutsche Unternehmen entlang ihrer gesamten Lieferkette muss per Gesetz festgeschrieben werden.
  • Bei Verletzung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht muss Betroffenen aus dem Ausland ermöglicht werden, deutsche Unternehmen vor deutschen Gerichten zu verklagen.

Fairer Handel statt Freihandel

  • Die Europäische Union soll die bilateralen Handelsabkommen mit den afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten so schnell wie möglich rückgängig machen.
  • Wir fordern ein demokratisches und transparentes Welthandelssystem, das internationale Menschen und Umweltrechtsabkommen über Handelsverträge stellt und sozial-ökologische Standards festschreibt.

Faire Beschaffung zum Standard machen

  • Soziale und ökologische Kriterien müssen im Vergabegesetz als verbindliche Standards für die Einkaufspraxis von Bund, Ländern und Kommunen festgeschrieben werden.
  • Bei der öffentlichen Beschaffung müssen ausschließlich konkrete, unabhängige Nachweise als Belege zur Einhaltung sozialer und ökologischer Kriterien gelten.

Vision 2: Eine bäuerliche Landwirtschaft, die alle Menschen ernährt!

Die Landwirtschaft kann uns alle nachhaltig und ökologisch ernähren und ermöglicht den Bäuerinnen und Bauern weltweit ein gutes Auskommen.

Konkret fordern wir von der Bundesregierung:

Entwicklungspolitik muss Kleinbäuer/innen fördern

    • Die Entwicklungszusammenarbeit muss Bauernorganisationen, Genossenschaften und Landarbeitergewerkschaften stärken und die lokale Weiterverarbeitung sowie den Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten fördern.
    • Kleinbäuer/innen und ihre Organisationen müssen bei der Entwicklung von Landwirtschaftspolitik und -projekten der Entwicklungszusammenarbeit stärker beteiligt werden.
    • Im Dialog und bei der Zusammenarbeit mit privatwirtschaftlichen Akteuren sollte die deutsche Entwicklungszusammenarbeit insbesondere den Fairen Handel als Best Practice-Ansatz des nachhaltigen Wirtschaftens unterstützen.

    Eine Agrarpolitik, die eine bäuerliche, ökologische Landwirtschaft fördert

        • Die EU-Agrarpolitik muss neu ausgerichtet werden. Die pauschalen Flächenzahlungen müssen abgeschafft werden. Es braucht ein neues Berechnungs- und Anreizsystem, das landwirtschaftlich Leistungen für die Umwelt und die Gesellschaft honoriert.
        • Die europäische Agrarpolitik muss kohärent mit den nachhaltigen Entwicklungszielen sein. Es sollte ein regelmäßiges Monitoring ihrer Auswirkungen auf die Märkte des Südens geben sowie Beschwerdemechanismen für Produzent/innen in Entwicklungsländern.

        Konzernmacht eindämmen und unfaire Handelspraktiken verbieten

              • Die Wettbewerbspolitik muss reformiert werden. Sie muss auch das Wohl von Produzent/innen und zukünftigen Konsument/innen im Blick haben. Die Fusionskontrolle muss verschärft werden, um der übermäßigen Nachfragemacht und der erhöhten Marktkonzentration im Einzelhandel zu begegnen.
              • Darüber hinaus muss eine starke deutsche und/oder europäische Regulierung durchgesetzt werden, die unlautere Handelspraktiken effektiv unterbindet. 

              Vision 3: Menschenwürdiger Umgang mit allen!

              Wir sind eine weltoffene, solidarische Gesellschaft, die lebenswerte Perspektiven für Schutzsuchende bietet und in der Rassismus und Diskriminierung keinen Platz haben.

              Konkret fordern wir von der Bundesregierung:

              Eine humane und integrative Asylpolitik mit fairen Asylverfahren

                      • Asylsuchende müssen die Möglichkeit auf ein zügiges und faires Asylverfahren inklusive sorgsamer Einzelfallprüfung haben.
                      • Das Menschenrecht auf Asyl darf nicht eingeschränkt werden – auch nicht auf europäischer Ebene.
                      • Der Nachzug der Familien anerkannter und subsidiär geschützter Personen muss zügig und ohne Hürden ermöglicht werden. 

                      Ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben für Geflüchtete

                                • Geflüchtete sollen ihr Leben in Deutschland so weit wie möglich selbstständig und selbstbestimmt führen können. Dazu benötigen sie frühzeitig Zugang zu Deutschkursen unabhängig vom Aufenthaltsstatus. Insbesondere junge Geflüchtete müssen raschen Zugang zu Bildung und Ausbildung erhalten.
                                • Unnötige äußere Einschränkungen durch Arbeitsverbote, Wohnsitzauflagen, die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften oder die fehlende Anerkennung von schulischen und beruflichen Qualifikationen aus dem Heimatland behindern die Inklusion von Geflüchteten und müssen deshalb abgeschafft werden.

                                Ein gutes Zusammenleben ohne Rassismus und Diskriminierung fördern

                                          • Rechtsradikale Gewalt und rechtspopulistische Stimmungsmache müssen klar als solche identifiziert und verurteilt werden. Antirassistische Bildungsarbeit muss gefördert werden.
                                          • Ehrenamtliches zivilgesellschaftliches Engagement für eine gelungene Inklusion braucht hauptamtliche Unterstützung, Koordination, Qualifizierung und Finanzierung.

                                          Das Forderungspapier zur Bundestagswahl können Sie sich in der Kurzfassung und in der Langfassung herunterladen.

                                          Materialien zur Kampagne

                                          Wir haben für die Kampagne verschiedene Materialien entwickelt - insbesondere zur Verwendung beim Weltladentag 2017. Die Materialien werden ab etwa Mitte März versandbereit sein. Bitte verwenden Sie zur Bestellung unser Bestellformular. Hier können Sie sich die Materialien zur Ansicht herunterladen:

                                          Ansprechpartnerin

                                          Foto von Maja Volland
                                          Maja Volland
                                          Tel. 030 - 280 45 349