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FAQ

FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Fairen Handel

Fairer Handel allgemein

Was ist die Definition des Fairen Handels?

Im Jahr 2001 haben sich vier internationale Dachorganisationen des Fairen Handels (FLO, IFAT, NEWS! Und EFTA) auf die gemeinsame FINE-Definition des Fairen Handels verständigt:

"Der Faire Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte Produzent*innen und Arbeiter*innen – insbesondere in den Ländern des Südens – leistet der Faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung. Fair-Handels-Organisationen engagieren sich (gemeinsam mit Verbraucher*innen) für die Unterstützung der Produzent*innen, die Bewusstseinsbildung sowie die Kampagnenarbeit zur Veränderung der Regeln und der Praxis des konventionellen Welthandels."

Darüber hinaus legt die Internationale Charta des Fairen Handels die grundlegenden Werte des Fairen Handels fest und definiert eine gemeinsame Vision zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (SDGs). Sie wurde 2018 von Fairtrade International und der World Fair Trade Organization unter Einbeziehung weiterer Fair-Handels-Akteure neu erarbeitet.

Mehr über die Grundsätze des Fairen Handels erfahren Sie hier.

Seit wann gibt es den Fairen Handel?

In Deutschland entstand der Faire Handel vor etwa 50 Jahren aus Protestaktionen gegen die wachsende Ungerechtigkeit im Welthandel. Vor allem die konfessionellen Jugendverbände initiierten 1970 in 70 Städten "Hungermärsche" mit über 30.000 Teilnehmer*innen. Darüber hinaus gründeten sie die „Aktion Dritte Welt Handel“ mit dem Ziel, politische Bewusstseinsbildung zu betreiben.

In den Folgejahren entstanden immer mehr Aktionsgruppen, so genannte „Dritte-Welt-Läden“ (heute: Weltläden) sowie die ersten Fair-Handels-Unternehmen (z. B. seit 1973 GEPA – The Fair Trade Company und GLOBO – Fair Trade Partner). 1992 gründeten verschiedene Nichtregierungsorganisationen den Verein TransFair e.V. (Fairtrade Deutschland), der in Deutschland das Fairtrade-Siegel vergibt. Mit Hilfe eines Siegels für fair gehandelte Produkte sollten so auch konventionelle Vertriebswege für den Absatz fair gehandelter Produkte erschlossen werden.

Mehr zur Geschichte und zu den Grundsätzen des Fairen Handels erfahren Sie hier.

Was ist der Unterschied zwischen Fair Trade und Fairtrade?

Um den Fairen Handel als Ganzes zu benennen, können Sie entweder den deutschen Begriff "Fairer Handel" (beide Wörter groß geschrieben, da es sich um einen Eigennamen handelt) oder das englische Äquivalent – Fair Trade – verwenden. 

Der Ausdruck "Fairtrade" in der zusammengeschriebenen Form bezeichnet das Fairtrade-System, das u. a. das Fairtrade-Siegel vergibt. Mit dem Fairtrade-Siegel sind die Produkte aus Fairem Handel gekennzeichnet, die nach den Standards von Fairtrade International gehandelt wurden. In Deutschland wird das Fairtrade-Siegel von TransFair e.V. (Fairtrade Deutschland) vergeben.

Fair gehandelte Produkte

Welche fair gehandelten Produkte gibt es?

Lebensmittel machten 2019 mit 77 % den größten Anteil am Umsatz mit fair gehandelten Produkten in Deutschland aus. Darunter ist Kaffee als klassisches Produkt des Fairen Handels mit einem Anteil von 32,5 % der Spitzenreiter. Neben Kaffee gehören Kakao/Schokolade und Südfrüchte (v. a. Bananen) zu den klassischen Fair Trade-Produkten. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Handwerksprodukten sowie Blumen aus Fairem Handel.

Das Sortiment im Fairen Handel wächst stetig. So sind in den letzten Jahren viele neue Produktgruppen hinzugekommen – darunter beispielsweise Eiscreme, aber auch fair gehandelte Produkte aus dem Globalen Norden (Milchprodukte, Mehl, Backwaren). Darüber hinaus wächst die Nachfrage nach fair gehandelten Textilien stetig und es haben sich in den letzten Jahren neue Siegel und Zeichen für diesen Bereich etabliert. 

Wo kann ich fair gehandelte Produkte kaufen?

Fair gehandelte Produkte werden in Deutschland an vielen unterschiedlichen Orten in Deutschland angeboten – darunter Weltläden, Bio- und Naturkostläden, Supermärkte, Kantinen, Bäckereien, Cafés, Restaurants, Drogerien, Kioske, Schulen, Geschenkläden, Messen und Märkte.

Als Fachgeschäfte des Fairen Handels bieten die rund 900 Weltläden in Deutschland die größte Auswahl an fair gehandelten Produkten. Neben dem Verkauf leisten sie auch Informations- und Bildungsarbeit und beteiligen sich an politischen Kampagnen zum Fairen Handel. Einen Weltladen in Ihrer Nähe finden Sie im Weltladen-Finder auf der Website des Weltladen-Dachverband.

Die meisten fair gehandelten Produkte werden in Deutschland in Supermärkten, Discountern und Bioläden verkauft.

Woran erkenne ich fair gehandelte Produkte?

Produkte aus Fairem Handel erkennen Sie am Verkauf in Weltläden (den Fachgeschäften des Fairen Handels), an den Marken anerkannter Fair-Handels-Unternehmen, an dem Label der World Fair Trade Organization (WFTO) und an den anerkannten Produktsiegeln des Fairen Handels (Fairtrade, Naturland Fair, Fair for Life, SPP).

Ausführlichere Informationen dazu erhalten Sie hier.

Was bedeutet "Mengenausgleich"?

Üblicherweise muss im Fairen Handel die physische Rückverfolgbarkeit gewährleistet werden. Das bedeutet, dass ein Produkt vollständig von Fair-Handels-Produzent*innen stammt und in jeder Phase seiner Produktion getrennt von „nicht-Fair-Handels-Rohstoffen“ verarbeitet wird.

Manche Produkte mit dem Fairtrade-Siegel tragen den Hinweis „mit Mengenausgleich“. Kakao und Zucker in der Schokolade mit Fairtrade-Siegel stammen dann nicht mehr zwangsläufig von einer Fairtrade-zertifizierten Kooperative. Fairtrade International begründet dies mit dem erhöhten logistischen Aufwand, den die Sicherstellung der Rückverfolgbarkeit der verwendeten Zutaten für Weiterverarbeiter in den Ursprungs- wie auch Importländern bedeutet. Fairtrade stellt bei Mengenausgleich sicher, dass die äquivalente Menge von Fairtrade‐Rohstoffen gekauft und verkauft wurde und verfolgt auf diese Weise die Menge durch die gesamte Lieferkette hindurch.

Die Mitglieder des Forum Fairer Handel sehen Mengenausgleich im Fairen Handel kritisch. Denn, was auf der Verpackung steht, sollte auch in der Verpackung drin sein. Das ist für Bioware unabdingbar und das erwarten Kund*innen nach unserer Erfahrung auch von fair gehandelter Ware.

Auf manchen Produkten steht, dass sie gar nicht zu 100 % aus fairen Zutaten bestehen – Wie kann das sein?

Im Fairen Handel gibt es die Regel: Besteht ein Produkt nur aus einem Rohstoff, muss dieser immer zu 100 % fair gehandelt sein. Anders ist es bei Lebensmitteln, die aus verschiedenen Zutaten bestehen, wie etwa Schokolade oder Kekse. Diese werden Mischprodukte genannt.

Da nicht alle Rohstoffe, die für Mischprodukte benötigt werden, über den Fairen Handel verfügbar sind, gilt bei solchen Produkten: Alle Bestandteile des Produktes, die fair gehandelt erhältlich sind, müssen aus Fairem Handel stammen ("All that can be must be Fair Trade"-Regel). Dabei wird ein möglichst hoher Fair-Handels-Anteil angestrebt. In der Regel liegt der Anteil bei über 50 %, teilweise bei 100 %. Nach den Standards von Fairtrade International muss dieser Anteil mindestens 20 % betragen.

Kontrolle und Zertifizierung

Wie wird der Faire Handel kontrolliert?

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser. Deshalb hat der Faire Handel im Laufe der Jahre verschiedene verlässliche Kontrollsysteme – so genannte Monitoring- und Zertifizierungs-Systeme – entwickelt. Strikte Standards für Produktion und Handel schützen Menschenrechte und Umwelt. Eine externe Überprüfung sorgt für Sicherheit und Transparenz und ermöglicht es Kund*innen, mehr als nur einem Versprechen Vertrauen zu schenken.

Derzeit erkennt das Forum Fairer Handel die folgenden Kontrollsysteme und Zeichen an: Fairtrade International, Fair for Life, Naturland Fair, Símbolo de Pequeños Productores (SPP), World Fair Trade Organization (WFTO) und den Lieferantenkatalog des Weltladen-Dachverband.

Weitere Informationen zu den anerkannten Kontrollsystemen im Fairen Handel finden Sie hier.

Warum gibt es kein einheitliches Zeichen für Fairen Handel?

Im Gegensatz zu "bio" ist der Begriff "fair" rechtlich nicht geschützt. Jedes Unternehmen kann ihn nach eigenen Vorstellungen in seiner Kommunikation verwenden.

Innerhalb des Fairen Handels haben sich in über 50 Jahren unterschiedliche, sich ergänzende Ansätze entwickelt. Ausdruck davon sind eine Vielzahl an Produktsiegeln und Zeichen, die von anerkannten Fair-Handels-Organisationen genutzt werden.

Es gibt aber international definierte Fair-Handels-Prinzipien, die die Grundlage der Arbeit der Fair-handels-Akteure darstellen. Alle vom Forum Fairer Handel anerkannten Siegel und Zeichen arbeiten nach diesen Prinzipien. Darüber hinaus setzt jedes System eigene Schwerpunkte. So wird beispielsweise beim Öko-Pionier Naturland eine Bio-Zertifizierung vorausgesetzt, während das Garantie-System der WFTO vorrangig Unternehmen aus dem Handwerksbereich überprüft. 

Die Verbraucher*innen können selbst entscheiden, wie sie mit dieser Vielfalt umgehen. Das Forum Fairer Handel unterstützt Sie dabei und informiert über die unterschiedlichen Ansätze im Fairen Handel.

Ist fair und bio das Gleiche?

Bio-Produkte sind nicht unbedingt fair gehandelt. Auch nicht alle fair gehandelten Produkte stammen aus kontrolliert biologischem Anbau. Allerdings nimmt der Anteil an biologisch hergestellten Lebensmitteln im Fairen Handel weiter zu.

Bei Bio-Produkten werden in erster Linie ökologische Standards überprüft und umgesetzt. Entsprechend sind Sozialstandards und die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen in der Regel keine Voraussetzung für eine Bio-Zertifizierung. Im Fairen Handel liegt der Fokus auf der Einhaltung von sozialen- und Menschenrechtsstandards. Trotzdem gehört der Schutz der Umwelt untrennbar zu einer fairen Wirtschaftsweise dazu. Denn fair zu handeln bedeutet auch, nachhaltig zu handeln – für Mensch und Natur. 

Die Umstellung auf biologische Landwirtschaft wird im Fairen Handel grundsätzlich gefördert, nicht zuletzt durch den Fair-Handels-Zuschlag. Oftmals erlauben erst die höheren Einnahmen aus dem Fairen Handel die kostspielige Umstellung. Ist auf Bio-Anbau umgestellt, gibt es im Fairen Handel einen Bonus für die Herstellung ökologischer Produkte.

Welche Fair-Handels-Zertifizierungen erkennt das Forum Fairer Handel zurzeit an und warum?

Derzeit erkennt das Forum Fairer Handel die folgenden Kontrollsysteme und Zeichen an: Fairtrade International, Fair for Life, Naturland Fair, Símbolo de Pequeños Productores (SPP), World Fair Trade Organization (WFTO) und den Lieferantenkatalog des Weltladen-Dachverband. 

Damit das Forum Fairer Handel ein Kontrollsystem anerkennt, muss es zwei wichtige Kriterien erfüllen:

  1.  Anspruch und Zielsetzung des Fairen Handels ist es, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen am Anfang der Lieferketten zu verbessern und ihre politische und wirtschaftliche Position zu stärken. Alle anerkannten Kontrollsysteme im Fairen Handel folgen einem ähnlichen Wertekanon, der sich aus der gemeinsamen FINE-Definition (Link zu FAQ oben) ergibt.
  2. Die Prinzipien des Fairen Handels müssen glaubwürdig und überprüfbar in einen Standard „übersetzt“ werden. Der Standard ist ein konkretes Regelwerk, das alle Kriterien, an die sich Produzent*innen und Einkäufer*innen halten müssen, genau definiert. Zu jedem Kriterium des Fairen Handels, z. B. zur Zahlung eines fairen Preises, definiert das Regelwerk, was konkret zur Einhaltung dieses Kriteriums getan werden muss. Des Weiteren definiert das Regelwerk, wie die Kriterien dokumentiert und überprüft werden müssen, und was bei Nichteinhaltung einzelner Kriterien geschieht.

Mehr Informationen zu Kontrollsystemen und Zertifizierungen des Fairen Handels erhalten Sie hier.

Wie viel Geld erhalten Bauern und Produzent*innen im Fairen Handel?

Der Faire Handel hat den Anspruch, den Produzent*innen einen Preis zu zahlen, der sowohl die nachhaltigen Produktionskosten deckt als auch zum Bestreiten der Lebenshaltungskosten ausreicht. Wie dieser Preis gebildet genau wird, unterscheidet sich jedoch je nach Kontrollsystem.

Fairtrade International gibt z. B. Mindestpreise vor, die mindestens gezahlt werden müssen. Fällt der Weltmarktpreis unter den Mindestpreis, wird dieser gezahlt, zuzüglich einer Fair-Handels- und ggf. einer Bioprämie. Steigt der Weltmarktpreis über den garantierten Mindestpreis, wird der Weltmarktpreis plus Prämien gezahlt. Andere Systeme, wie z. B. Naturland oder Fair for Life, setzen auf partnerschaftliche Preisverhandlungen zwischen beiden Akteuren und geben vor, dass die Kosten einer nachhaltigen Produktion berechnet und zu Grunde gelegt werden müssen.

Eine allgemeingültige Antwort auf die Frage, welchen Anteil letztendlich der/die einzelne Produzent*in vom Verkaufspreis erhält, gibt es nicht und unterscheidet sich auch von Produkt zu Produkt. Die Preisbildung der einzelnen Produkte hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Dazu gehören die aktuellen Produktionskosten, die Verarbeitungs- und Vermarktungskosten, die Höhe des Betrages, den die Mitglieder für laufende Kosten der Kooperative abgeben müssen, und der Anteil, den die Kooperative für gemeinschaftliche Projekte einsetzt. Über die letzten beiden Punkte entscheiden die Mitglieder der Organisation gemeinsam.

Im Sinnes ihres Anspruchs auf Transparenz, bieten die Fair-Handels-Unternehmen Preiskalkulationen zu einzelnen Produkten an. Diese gelten jeweils nur für ein spezifisches Produkt zu einem bestimmten Zeitpunkt mit einem bestimmten Wechselkurs.