Zwei Handelspartner des Fairen Handels arbeiten auf dem Feld

Umsatz- und Absatzzahlen des Fairen Handels in Deutschland

Umsatz- und Absatzzahlen für das Geschäftsjahr 2024

Umsatz erreicht neuen Höchststand

Der Faire Handel in Deutschland hat sich 2024 wirtschaftlich positiv entwickelt. Der Umsatz mit fair gehandelten Produkten ist um 11 % auf rund 2,6 Milliarden Euro gewachsen und erreichte damit einen neuen Höchststand. Dieser beruht vor allem auf höheren Absatzmengen bei Fair-Handels-Klassikern wie Kaffee und Schokolade. Die Verbraucher*innen in Deutschland gaben pro Kopf rund 31 Euro für faire Lebensmittel, Textilien und Handwerksprodukte aus. Ein Blick auf benachbarte europäische Länder wie die Schweiz, Österreich und Frankreich zeigt jedoch, dass hier noch viel Luft nach oben ist.

Größter Umsatz nach wie vor mit Fairtrade-Produkten

83 % des Gesamtumsatzes wurden mit Fairtrade-gesiegelten Produkten erzielt (2,15 Milliarden, + 13 %). Die Absätze der wichtigsten Produktkategorien – Kaffee, Bananen, Kakao und Rosen – sind allesamt gestiegen. Dieses Wachstum hat vor allem in den Discountern sattgefunden. Die stärksten
Zuwächse verzeichnen allerdings Drogeriemärkte. Der Bioanteil bei Fairtrade-gesiegelten Lebensmitteln ist von 57,5 auf 59,2 Prozent gestiegen.

Die anerkannten Fair-Handels-Unternehmen erreichten 2024 einen Umsatz von 264 Millionen Euro (+ 9,1 %). Das größte unter ihnen, GEPA – The Fair Trade Company, konnte seinen Großhandelsumsatz 2024 um 10,9 Prozent steigern. Wachstumstreiber war hier die Bio-Schokolade. Für alle Fair-Trade-Unternehmen, die mit Lebensmitteln handeln, waren die hohen Rohstoffpreise – etwa für Kaffee und Kakao – eine wirtschaftliche Herausforderung und zugleich Chance für die Handelspartner im Globalen Süden.

Fairer Konsum in Deutschland und Europa

In Deutschland gaben die Verbraucher*innen 2024 im Durchschnitt 31 € für fair gehandelte Produkte aus. Das ist wenig im Vergleich zur Schweiz: Hier gaben Verbraucher*innen 2024 im Durchschnitt 112 Franken (ca. 120 €) allein für Fairtrade-gesiegelte Produkte aus. In Österreich waren es durchschnittlich 77 €. In Frankreich wurden rund 38 € pro Kopf für Produkte aus Fairem Handel ausgegeben. Hier sind lokale faire Produkte besonders beliebt. 

Umsatz in Weltläden hält sich stabil

Angesichts der insgesamt schwierigen Lage des Einzelhandels in Deutschland haben sich die Weltläden und Weltgruppen in Deutschland 2024 stabil gehalten. Trotz der allgemein sinkenden Kundenfrequenz in den Innenstädten und einer wachsenden Konkurrenz durch den Online-Handel konnten sie ihren Gesamtumsatz von 79 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr halten. Sie sind wichtige Vertriebspartner für die Fair-Handels-Unternehmen und bieten das vielfältigste Sortiment an fair gehandelten Produkten an. 

Je nach Weltladen haben Lebensmittel wie Kaffee und Schokolade dabei einen Anteil von rund 50 bis 70 Prozent. Daneben bieten die Fachgeschäfte des Fairen Handels eine breite Produktvielfalt im Non-Food-Bereich. Im Trend liegen Dinge des täglichen Bedarfs wie Seifen und Kleidung. Einzigartiges Kunsthandwerk und Geschenkartikel wie Schmuck oder Körbe fördern kleine Betriebe, Handwerkstechniken und damit vielfältige Berufsmöglichkeiten auch in ländlichen Regionen im Globalen Süden.

Die Interessenvertretung der über 900 Weltläden in Deutschland, der Weltladen-Dachverband, begeht 2025 sein 50. Jubiläum.

Lebendige Orte für Vielfalt und Engagement

Mehr als 30.000 Menschen engagieren sich in über 900 Weltläden in Deutschland, teilweise bereits seit Jahrzehnten und weitgehend ehrenamtlich. Weltläden bieten für verschiedene Altersgruppen zahlreiche Möglichkeiten sowohl für kontinuierliches als auch punktuelles Engagement. Mehr zum Engagement der Weltläden erfährst du in der Broschüre Aktuelle Entwicklungen im Fairen Handel 2025.

Faire Produkte aus Deutschland und Europa werden immer beliebter

Der Umsatz mit fair gehandelten Produkten aus Europa ist in den letzten 10 Jahren stetig gewachsen und erreichte 2024 165 Millionen Euro (+ 3,8 %). Besonders beliebt bei den Verbraucher*innen sind Naturland Fair-gesiegelte Milchprodukte, Mehl und Backwaren aus Deutschland. Darüber hinaus gibt es fair und ökologisch produzierte Kräutertees, Obstsäfte, Wein, Olivenöle, Pasta und Trockenfrüchte aus Europa und der Türkei. Diese sind neben dem Naturland Fair Zeichen auch am Fair for Life-Siegel erkennbar. Fairtrade-gesiegelte Produkte stammen hingegen ausschließlich aus dem Globalen Süden.

Anteil einzelner Produkte am Gesamtumsatz des Fairen Handels

Kaffee bleibt das beliebteste Fair-Handels-Produkt

Mit einem Anteil von 82 % wurde 2024 der Großteil des Umsatzes mit Produkten aus Fairem Handel in Deutschland mit Lebensmitteln erzielt. Ihr Gewicht gegenüber den Non-Food-Produkten (darunter vor allem Textilien, Kunsthandwerk und Kosmetik) ist in den letzten beiden Jahren unverändert geblieben. 

Weiterhin ist fairer Röstkaffee mit einem Anteil von 37,7 % am Gesamtumsatz das beliebteste faire Produkt in Deutschland. Der Gesamtumsatz mit Kaffee aus Fairem Handel lag 2024 bei rund 977 Mio. €.

Marktanteil von fairem Kaffee liegt bei 6 Prozent

Der Absatz von Kaffee aus Fairem Handel stieg 2024 um 5,5 % und erreichte 27.603 Tonnen. Der Marktanteil liegt nun wieder bei 6 %. Dreiviertel des fairen Kaffees in Deutschland ist auch bio-zertifiziert. Bei den Mitgliedern des FFH liegt der Bioanteil der Kaffeespezialitäten
sogar bei 84 Prozent. 

2024 war der Weltmarkt für Kaffee von außergewöhnlich starken Preisschwankungen geprägt. Hauptursache dafür waren die Folgen der Klimakrise in zentralen Anbauregionen. Zwar führten die Rekordpreise zu steigenden Einnahmen für viele Erzeuger*innen, sie waren jedoch in erster Linie das Resultat kleinerer Ernten und von Spekulation. Die starke Volatilität brachte zudem ein erhöhtes finanzielles Risiko für die Kaffeekooperativen mit sich.

Im Fairen Handel erhalten die Kooperativen neben dem Weltmarktpreis oder dem Fairtrade-Mindestpreis auch eine Fairtrade-Prämie und gegebenenfalls eine Bio-Prämie. Diese Prämien werden von den Produzentenorganisationen für Gemeinschaftsprojekte verwendet, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kleinbäuer*innen und Arbeiter*innen zu verbessern. Im Kaffeeanbau gehören dazu auch dringend notwendige Klimaanpassungsmaßnahmen.

Blog-Artikel

Wir haben Anne Löwisch von der MITKA interviewt, wie Kaffeeproduzent*innen von den aktuellen Hochpreisen profitieren und welche Herausforderungen sich daraus ergeben.

Steigender Absatz bei fairer Schokolade

2024 wurden rund 6.277 Tonnen (+5,7 %) Schokolade aus Fairem Handel abgesetzt. Der Bioanteil von fairer Schokolade ist seit dem letzten Jahr gewachsen und liegt bei 62 Prozent (+ 11 Prozentpunkte). Zwar lagen die Kakaopreise im Jahr 2024 auf Rekordniveau, jedoch hatten viele Produzent*innen – insbesondere in Westafrika – mit erheblichen Ernteeinbußen zu kämpfen. Verantwortlich dafür ist in erster Linie die Klimakrise.

Fairtrade hat eine Strategie für existenzsichernde Einkommen im Kakaoanbau ausgearbeitet. Dieser ganzheitliche Ansatz umfasst die Berechnung von Referenzpreisen in den wichtigsten Anbauländern sowie Maßnahmen zur Steigerung der Produktivität und zur Förderung der Einkommensdiversifizierung.

 

 

Solidarität in stürmischen Zeiten – Erfolgreicher Umgang mit den hohen Kakaopreisen

Die Kakaopreise haben sich im letzten Jahr zeitweise mehr als verdoppelt – ausgelöst durch Ernteausfälle infolge der Klimakrise, strukturelle Probleme auf dem Weltmarkt und spekulative Preisentwicklungen. Der Umgang damit war für Fair-Handels-Unternehmen weltweit eine echte Herausforderung.

Gemeinsam mit ihren Schokoladenpartnern wie Zotter und fairafric in Ghana hat die WeltPartner eG diese Aufgabe nicht nur bewältigt, sondern als Chance genutzt, ihre Werte zu leben: Solidarität und Fairness. Während viele Anbieter*innen im konventionellen Handel auf Kosten der Produzent*innen sparen, sind die WeltPartner einen anderen Weg gegangen. In enger Abstimmung mit ihren Partner*innen entlang der Wertschöpfungskette haben sie seit Herbst 2024 kurzfristig auf Margen verzichtet, gemeinsam kreative Lösungen gefunden und sich für eine transparente Kommunikation mit den Kund*innen entschieden. So konnten sie faire Preise gegenüber den Produzent*innen sichern und gleichzeitig ein attraktives Sortiment aufrechterhalten.

Fairtrade-Bananen haben hohen Marktanteil

Fairtrade-gesiegelte Bananen sind in Deutschland sehr erfolgreich am Markt. Ihr Absatz stieg 2024 um rund 7 %. Ihr Marktanteil betrug stolze 16 %. Rund zwei Drittel der Fairtrade-Bananen tragen auch das Bio-Siegel. Sie sind weit verbreitet in den großen Supermarktketten und Discountern.

Die fairen Bio-Bananen von Banafair werden nach den Prinzipien des Ökolandbaus und zum Teil sogar in Agroforstsystemen angebaut. Sie werden vom Kleinbauernverband Urocal in Ecuador bezogen und sind in vielen Welt- und Biofachläden in Deutschland erhältlich.

 

Gelb, günstig, grausam? Faire Bananen machen den Unterschied

Die meisten Bananen für den Export werden in riesigen Monokulturen auf Farmen großer Konzerne angebaut, während Kleinbäuer*innen kaum mithalten können. In vielen Anbaugebieten herrschen menschenunwürdige Arbeitsbedingungen mit extrem langen Arbeitszeiten, Niedriglöhnen und unsicheren Verträgen. Zudem üben wenige mächtige Handelskonzerne großen Druck auf Preise und Produzent*innen aus, was oft zulasten der Bauernfamilien geht. Der massive Einsatz von Pestiziden schadet Umwelt und Gesundheit, während Klimawandel und Pilzkrankheiten wie Tropical Race 4 die Ernten zusätzlich bedrohen.

Bananen aus Fairem Handel sind hingegen ein echter Wirkungschampion. Denn sie sichern Bauernfamilien und Arbeiter*innen durch Mindestpreise und Prämien ein stabiles Einkommen und bessere Lebensbedingungen. Zudem stärken sie die Verhandlungsposition kleiner Produzent*innen und ihre Arbeitsrechte. Außerdem unterstützten Fair-Handels-Organisationen wie Fairtrade und Banafair eine umweltfreundlichere Bananenproduktion und tragen so zum Schutz von Mensch und Natur bei.

Tee-Absatz ist leicht rückläufig

Während immer mehr Verbraucher*innen mit Überzeugung zu fairer Schokolade, Kaffee oder Bananen greifen, ist der Absatz von Tee aus Fairem Handel leicht rückläufig und belief sich 2024 auf 798 Tonnen. Nur 2,3 Prozent des Umsatzes mit fair gehandelten Produkten wurden mit Tee erzielt. Dabei gibt es ein vielfältiges und hochwertiges Angebot – vom klassischen Schwarztee aus der Region Darjeeling in Indien, über gesunden Rooibos aus Südafrika bis zu Bio-Gewürztees aus der Schweiz. 

 

“Es gibt die Fortschritte, aber auf das Große und Ganze bezogen, sind diese Schritte viel zu klein. Für den Fairen Handel heißt das, er muss weiter Konsument*innen davon überzeugen, dass es zu fairen Produkten keine Alternative gibt und damit die Nachfrage steigern. Aber angesichts der Weltlage und des Anspruchs des Fairen Handels, aktiv die sozial-ökologische Wende mitzugestalten, ist das nicht genug. Dazu muss der Faire Handel politisch wirksamer werden.”

Matthias Fiedler, Geschäftsführer Forum Fairer Handel
Publikationen zum Thema
Forum Fairer Handel (2025):

Aktuelle Entwicklungen im Fairen Handel 2025

Forum Fairer Handel (2025):

Auf einen Blick: Aktuelle Entwicklungen im Fairen Handel 2025 (Kurzfassung)

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