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Symbolbild: Supermarkt

Konzernmacht eindämmen

Zwischen den Akteuren in globalen Lieferketten besteht ein großes Macht- und Verhandlungsungleichgewicht. Immer weniger und immer größere multinationale Konzerne kontrollieren die Märkte über alle Lieferketten hinweg. Beispielsweise beherrschen in Deutschland die vier Einzelhandelsunternehmen Aldi, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland, Edeka und Rewe ca. 85 Prozent des Lebensmittelmarktes. Doch nicht nur im Lebensmittelbereich, sondern auch bei Saatgut, Düngemitteln und anderen Produkten sind es jeweils nur einige wenige Unternehmen, die den Handel, die Verarbeitung, die Herstellung und den Verkauf dominieren.

Maja Volland
Ansprechpartnerin
Maja Volland

Zu viel Marktmacht begünstigt unfaire Handelspraktiken

Marktmächtige Unternehmen können Preis- und Vertragskonditionen beeinflussen oder bestimmen, ohne dass sich ihre Lieferanten zur Wehr setzen können. Derartige unfaire Handelspraktiken haben immense negative Auswirkungen auf die Menschen am Anfang der Lieferketten – sowohl in Europa als auch im Globalen Süden. Sie erhöhen den Kosten- und Preisdruck und ziehen schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Umweltstandards auf Plantagen und Produktionsstätten nach sich.

Diese Ungleichgewichte in den globalen Lieferketten schlagen sich auch in der Verteilung der Wertschöpfung nieder. Sehr eindrücklich zeigt sich dies im deutschen Kaffeesektor: Während die Akteure am Anfang der Lieferkette in den letzten zwanzig Jahren Umsatzeinbußen von 128 Millionen Euro (-10 %) hinnehmen mussten, wuchs der Umsatz am Ende der Wertschöpfungskette um 2,11 Milliarden Euro (+139 %).

Um zu einer gerechteren Verteilung der Wertschöpfung zu kommen, braucht es Gesetze, die der immer größeren Machtkonzentration und unfairen Handelspraktiken einen Riegel vorschieben!

Verbraucher*innen fordern Begrenzung der Marktmacht

Machtkonzentration und ungleiche Wertschöpfung in globalen Lieferketten am Beispiel Kaffee

Im Kaffeesektor ist es in den letzten Jahren zu einer immer stärkeren Machtkonzentration bei Röstern und Händlern gekommen: In Deutschland erzielten 2017 die acht größten Konzerne 75 % des Umsatzes mit Kaffee, der Zuhause konsumiert wurde. Auf globaler Ebene dominierten 2013 die fünf größten Händler fast 40 % des weltweiten Rohkaffeehandels. Demgegenüber stehen rund 25 Millionen Kaffeeproduzent*innen in mehr als 80 Ländern mit mehrheitlich kleinen Kaffeefarmen von weniger als 5 Hektar Land. Sie leiden unter schlechten Vertragskonditionen und niedrigen Kaffeepreisen, denn: Durch ihre zunehmende Vormachtstellung auf den Märkten haben Röster und Einzelhändler die Möglichkeit, Liefer- und Markteintrittskonditionen zu diktieren. Zusätzlich sind die Kaffeeproduzent*innen, auch aufgrund der Klimakrise, mit steigenden Produktionskosten im Kaffeeanbau konfrontiert. Entsprechend liegt das Einkommen von Kaffeeproduzent*innen auf dem konventionellen Kaffeemarkt teilweise unter den Produktionskosten. Familien, die Kaffee anbauen, leiden oft an Unterernährung und in manchen Ländern (Kenia, Honduras etc.) ist Kinderarbeit nach wie vor verbreitet.

Für mehr Informationen zu diesem Thema und ob Fair Trade Kaffee einen Unterschied macht, siehe unsere Studie "Kaffee: Eine Erfolgsgeschichte verdeckt die Krise" (Download)

Symbolbild
Forderungen an die nächste Bundesregierung

Das Forum Fairer Handel hat Forderungen an die nächste Bundesregierung formuliert – unter anderem auch zum Thema "Unfaire Handelspraktiken".

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Unfaire Handelspraktiken umfassend verbieten

Neues Gesetz seit Mai 2021 geht nicht weit genug

Im Mai 2021 hat der Bundestag ein Gesetz beschlossen, mit welchem Deutschland bestimmte unfaire bzw. unlautere Handelspraktiken in der Agrar- und Lebensmittelversorgungsketten verbietet. Das Gesetz untersagt beispielsweise kurzfristige Stornierungen von Lieferungen oder einseitige Änderungen des Liefervertrags – beides gängige Praxen von marktmächtigen Unternehmen gegenüber ihren Lieferanten.

Das Gesetz, mit dem Deutschland die Richtlinie der EU über unlautere Handelspraktiken in der Agrar- und Lebensmittelversorgungskette umsetzt, ist ein erster wichtiger Schritt für mehr Gerechtigkeit in globalen Lieferketten – insbesondere, weil das Gesetz nicht nur für Lieferanten innerhalb, sondern auch außerhalb der EU gilt. Hierfür hatte sich die Fair-Handels-Bewegung gemeinsam mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren stark gemacht. Doch leider geht das Gesetz nicht weit genug. Es weist Schutzlücken auf, mit denen marktmächtige Konzerne auch weiterhin Kosten- und Preisdruck auf ihre Lieferanten ausüben können. Insbesondere fehlt in dem Gesetz ein Verbot von Dumpingpreisen. Unsere Bewertung zu dem Gesetz gegen unlautere Handelspraktiken haben wir hier zusammengefasst.  

Verbraucher*innen fordern Verbot von Dumpingpreisen

Unsere Forderung: Dumpingpreise verbieten

Ob Kakao, Kaffee oder Bananen – die Preise, welche Erzeuger*innen für ihre Produkte erhalten, decken in vielen Fällen nicht einmal die Produktionskosten. Die Folge sind Armut und gravierende Menschenrechtsverletzungen, wie etwa ausbeuterische Kinderarbeit.

Marktmächtige Unternehmen am Ende der Lieferkette können ihren Lieferanten häufig Dumpingpreise diktieren. In einer Umfrage der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gaben knapp die Hälfte der befragten Zulieferer an, dass sie Aufträge unterhalb der Produktionskosten annehmen, da der Preis eines der wichtigsten Kriterien für die Abnahme ihrer Produkte und deshalb der Preisdruck enorm hoch sei. 

Unsere Forderung: Die Preise dürfen nicht durch Profitinteressen großer Konzerne am Ende der Lieferkette diktiert werden. Sie müssen von den Erzeuger*innen am Anfang der Lieferkette so festgelegt werden, dass sie ihnen ein existenzsicherndes Einkommen ermöglichen. Dafür braucht es u.a. ein Verbot von Preisen unterhalb der Produktionskosten (Dumpingpreise), denn freiwillig werden Unternehmen ihren Lieferanten keine besseren Preise zahlen. Ein Verbot vom Einkauf unterhalb der Produktionskosten wäre eine wichtige Ergänzung zum Lieferkettengesetz, denn unzureichende Einkommen sind häufig die Kernursache von Menschenrechtsverletzungen.

Dumpingpreise am Beispiel Bananen

Dass Unternehmen ohne gesetzliche Regeln nicht effektiv soziale und ökologische Standards in ihren Lieferketten umsetzen, zeigt das jüngste Beispiel von Preisdumping bei Bananen durch ALDI. Zwar hatte das Unternehmen zusammen mit zahlreichen anderen deutschen Einzelhandelsunternehmen noch im Januar 2020 eine Absichtserklärung unterzeichnet, sich entlang seiner globalen Lieferketten für existenzsichernde Einkommen und Löhne einzusetzen. Doch schon im November 2020 kündigte ALDI an, die Bananenpreise um ca. 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 11,33 EUR pro Kiste zu reduzieren – und das, obwohl der Lebensmitteleinzelhandel als Gewinner aus der Corona-Krise hervorgeht und seine Umsätze sogar erhöhen konnte. Produzent*innen kämpfen hingegen seit Jahren mit steigenden Produktions-, Lebenshaltungs- und Transportkosten: So ist der EU-Einfuhrpreis von Bananen zwischen 2013 und 2018 um 20 Prozent gesunken.

Wie ein Verbot von Dumpingpreisen machbar ist, zeigt ein entsprechendes Gesetz in Spanien. Dort wurde 2020 der Einkauf von Produkten unterhalb ihrer Produktionskosten verboten. Wie auch schon zuvor beim Lieferkettengesetz, hinkt Deutschland wieder einmal auf dem Weg zu nachhaltigen und sozial gerechteren Produktionsweisen in globalen Lieferketten hinterher.

Wir setzen uns dafür ein, dass auch in Deutschland Dumpingpreise verboten werden. Die Fusionskontrolle muss verschärft und Entflechtungen ermöglicht werden. 

Aufruf "Übermächtige Konzerne entflechten!" Download

Blog-Beitrag

Das Verbot von unfairen Handelspraktiken geht nicht weit genug

Marktmacht muss effektiv begrenzt werden

Unlautere Handelspraktiken resultieren insbesondere aus extremen Machtungleichgewichten in internationalen Lieferketten. Die Marktkonzentration nimmt in Deutschland und Europa immer weiter zu. Für nachhaltige Lösungen braucht es Regelungen, durch die Unternehmen erst gar nicht marktmächtig werden.

Als Mitglied der Initiative Konzernmacht beschränken unterstützen wir folgende Forderungen:

Das Wettbewerbsrecht muss reformiert werden

Eine Reform des Wettbewerbsrechts ist ein wichtiger Schritt, um die Entstehung von ungleichen Machtverhältnissen zu unterbinden. Derzeit orientiert sich das Kartellrecht allein an Preisen und den individuellen Bedürfnissen der Konsument*innen und nicht am Gemeinwohl. Das Wohl von Produzent*innen entlang internationaler Lieferketten sowie soziale und ökologische Aspekte müssen zukünftig stärker berücksichtigt werden

Die Fusionskontrolle muss verschärft und Entflechtungen ermöglicht werden

Um die Entstehung von Monopolen zu verhindern, muss die Kontrolle von Unternehmensfusionen verschärft werden. Zudem fehlen bislang Instrumente für die Auflösung von marktdominierenden Strukturen. Insbesondere, wenn die Marktmacht von Unternehmen die Interessen des Gemeinwohls gefährdet, sollte es möglich sein, diese Konzerne zu entflechten. Die Politik in Deutschland und der EU muss hierfür die rechtlichen Grundlagen schaffen.

Materialien

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