Geschichte des Fairen Handels

Die Anfänge: Von Aktionsgruppen und Weltläden…

Die Idee des Fairen Handels kam gleichzeitig an mehreren Orten auf, unter anderem in den Beneluxländern, den USA und Großbritannien. In Deutschland entstand die Fair-Handels-Bewegung aus Protestaktionen gegen die wachsende Ungerechtigkeit im Welthandel. Vor allem die konfessionellen Jugendverbände, die Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend (aej) und der Bund der Deutschen katholischen Jugend (BDKJ), initiierten 1970 in 70 Städten "Hungermärsche" und mobilisierten dafür 30.000 Teilnehmer*innen. Aus Kritik an der offiziellen Entwicklungspolitik  heraus gründeten sie die "Aktion Dritte Welt Handel" mit dem Ziel, politische Bewusstseinsbildung zu betreiben. Das Motto hieß: Lernen durch Handeln.

In den Folgejahren boten immer mehr Aktionsgruppen auf Märkten, Basaren  oder nach Gottesdiensten fair  gehandelte Produkte an – zunächst Handwerksartikel und 1973 den sogenannten Indio-Kaffee als erstes Lebensmittel. Die ersten "Dritte-Welt- Läden" in Deutschland entstanden. 1975 gründeten einige Weltläden den Weltladen-Dachverband als ihre Interessenvertretung (damals als AG3WL – Arbeitsgemeinschaft der Dritte Welt Läden).

1978 gab es etwa 40 Weltläden, 1985 waren es bereits ca. 200. Heute gibt es über 800 Weltläden und mehrere tausend Fair-Handels-Gruppen ohne feste Ladenfläche.

1970er/1980er Jahre: Fair-Handels-Importorganisationen im Entstehen

Um die Wareneinfuhr zu erleichtern, nahmen zu Beginn der 1970er Jahre die ersten Importorganisationen ihre Arbeit auf. So gründete sich 1973 die Firma GLOBO - Fair Trade Partner, die zunächst vor allem Produkte aus Lateinamerika importierte und vertrieb. Ebenfalls 1973 entstand als Tochter der niederländischen Stiftung S.O.S. die "Gesellschaft für Handel mit der Dritten Welt". Zwei Jahre später ging daraus die GEPA hervor, gegründet durch die Gesellschafter Aktion Dritte Welt Handel, Weltladen-Dachverband sowie Kirchlicher Entwicklungsdienst (KED) und Misereor. Nur wenig später wurde aus dem Verein El Puente heraus die gleichnamige Importorganisation gegründet.
Weitere Importeure nahmen in den 1980er Jahren ihre Arbeit auf: Seit 1986 vertreibt der Verein BanaFair in Deutschland fair gehandelte Bananen von Kleinproduzent*innen aus Lateinamerika. Im  Jahr 1988 wurde von mehreren Weltläden der Region Oberschwaben die dritte-welt partner GmbH (heute: dwp eG) gegründet, mittlerweile Deutschlands drittgrößter Fair-Handels-Importeur.
Inzwischen bieten über 60 anerkannte Fair-Handels-Importeure ein vielfältiges Sortiment fair gehandelter Waren an.
Parallel zum Produktverkauf waren und sind die Informations- und politische Kampagnenarbeit wichtige Instrumente des Fairen Handels, um auf ungerechte Strukturen im Welthandel aufmerksam zu machen.

Die 1990er Jahre: Auf der Suche nach neuen Absatzwegen – die Gründung von TransFair

Durch den Zusammenbruch des Kaffeeabkommens 1989 stürzte der Weltmarktpreis für Kaffee bis Anfang der 90er Jahre ab. Die Handelspartner*innen im Süden fragten daher verstärkt nach zusätzlichen Vermarktungsmöglichkeiten. Die GEPA weitete daraufhin ihren Vertrieb als erstes Fair-Handels-Unternehmen auf Supermärkte, Bio- und Naturkostläden sowie auf Großverbraucher und den Versandhandel aus. 1992 gründeten verschiedene Nichtregierungsorganisationen den Verein TransFair. Die Idee dahinter: Mit Hilfe eines Siegels für fair gehandelte Produkte sollten auch konventionelle Vertriebswege für den Absatz fair gehandelter Produkte erschlossen werden.

Im Supermarktregal konnten Verbraucher*innen fortan fair gehandelte Produkte am TransFair- (heute: Fairtrade-) Siegel erkennen. 20 Jahre nach seinen Anfängen stiegen nun auch konventionelle Unternehmen in den Fairen Handel ein.

Das neue Jahrtausend: Der Faire Handel wird bekannter

Die Strategien zur Ausweitung des Fairen Handels zeigten in den vergangenen Jahren große Erfolge: Fair gehandelte Produkte sind an immer mehr Verkaufsstellen erhältlich, das Sortiment wird kontinuierlich ausgeweitet und der Faire Handel registriert hohe jährliche Wachstumsraten. Alle Fair-Handels-Organisationen haben daran Anteil. 2014 überstieg der Umsatz mit fair gehandelten Produkten in Deutschland erstmals die Marke von einer Milliarden Euro. Aber nach wie vor ist der Anteil fair gehandelter Produkte am Gesamtmarkt gering. Selbst Kaffee, das wichtigste Produkt des Fairen Handels, ist hierzulande nur mit einem Anteil von 3 % des gesamten Absatzes fair gehandelt.

Das zeigt, dass gerechtere Strukturen im Welthandel durch Umsatzwachstum alleine nicht zu erreichen sind. Die Bildungs- und politische Kampagnenarbeit bleiben wichtige Säulen, die die Ausweitung des Verkaufs flankieren. Das Forum Fairer Handel wurde 2002 als bundesweites Netzwerk der Fair-Handels-Organisationen gegründet, um den Fairen Handel in Deutschland weiterzuentwickeln und die politische Arbeit zu stärken.

Ansprechpartner

Foto von Manuel Blendin
Manuel Blendin
Tel. 030 / 280 40 599

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