Fair gehandelte Produkte erkennen

Foto: Forum Fairer Handel e.V./Chr. Ditsch

T-Shirts aus Bangladesch, Schokolade aus Ghana, Bananen aus Ecuador... Tag für Tag tragen Sie die halbe Welt in Ihrem Einkaufskorb. Sicherlich fragen Sie sich oft: "Wo finde ich fair gehandelte Produkte?" und vor allem "Woran erkenne ich Sie?"

Es gibt eine Faustregel, die Ihnen dabei helfen kann: Produkte aus Fairem Handel erkennen Sie am Verkauf in Weltläden, an den Marken anerkannter Fair-Handels-Importeure, an dem Label der World Fair Trade Organization (WFTO) und an den anerkannten Produktsiegeln des Fairen Handels.

Weltläden - die Fachgeschäfte des Fairen Handels

Die rund 800 Weltläden in Deutschland bieten ein attraktives, breit gefächertes Sortiment fair gehandelter Lebensmittel und Handwerksprodukte. Darüber hinaus leisten Weltläden Informations-, Bildungs- und Kampagnenarbeit zum Fairen Handel. www.weltladen.de

Anerkannte Fair-Handels-Importeure

Neben dem Verkauf im Weltladen erkennen Sie fair gehandelte Produkte an den Marken der anerkannten Fair-Handels-Importeure. Fair-Handels-Importeure sind Unternehmen, die ausschließlich im Fairen Handel aktiv sind und seinen Prinzipien folgen. Ihre Produkte finden Sie größtenteils in den Weltläden, aber auch in Bio- und Naturkostläden sowie in manchen Supermärkten. 

Die folgenden Fair-Handels-Importeure sind Mitglied im Forum Fairer Handel e.V. und stehen mit ihrer gesamten Unternehmenspolitik hinter den Grundsätzen des Fairen Handels:

Die folgenden Fair-Handels-Importeure sind Mitglied im Forum Fairer Handel: Banafair e.V., dwp eG Fairhandelsgenossenschaft, El Puente, Gepa – The Fair Trade Company und Globo – Fair Trade Partner. Weitere anerkannte Fair-Handels-Organisationen sind im Lieferantenkatalog des Weltladen-Dachverband zu finden. Einige davon sind im Fair-Band (Bundesverband für fairen Import und Vertrieb) zusammengeschlossen.

Siegel und Label

Das Label der internationalen Dachorganisation World Fair Trade Organization (WFTO) dürfen Unternehmen für sich und ihre Produkte nutzen, wenn sie in ihrer gesamten Unternehmenstätigkeit die Kriterien der WFTO einhalten. Produkte mit dem WFTO-Label finden Sie vor allem in Weltläden. www.wfto.com

Zudem stehen diese Produktsiegel für Fairen Handel:

Das Naturland Fair-Siegel zeichnet Produkte aus, die neben den Naturland-Anforderungen für ökologischen Landbau zusätzlich den Kriterien des Fairen Handels entsprechen. Es kann auch für Produkte aus dem Globalen Norden verwendet werden, z.B. für faire Milch aus Deutschland www.naturland.de

Das Fairtrade-Siegel ist das bekannteste Siegel für den Fairen Handel in Deutschland. Es sagt aus, dass bei der Herstellung der Produkte, auf denen es abgedruckt ist, nachweislich die Kriterien von Fairtrade International eingehalten wurden.  Das Fairtrade-Siegel finden Sie insbesondere in Supermärkten, in der Gastronomie und in Blumenläden.  www.fairtrade-deutschland.de

Das fair for life-Programm baut auf bestehenden Standards u.a. von FLO auf, fordert aber auch sozial verantwortliche Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Lieferkette ein. Die von fair for life zertifizierten Produkte finden Sie vor allem in Bio- und Naturkostläden.  www.fairforlife.org

Ähnlich wie Naturland Fair hat ECOCERT seine Fair-Handels-Standards 2013 um Standards für landwirtschaftliche Produkte aus dem Norden erweitert. Die von ECOCERT gesiegelten Produkte sind ebenfalls meist in Bio- und Naturkostläden zu finden. www.ecocert.de

Weitere Informationen zu verschiedenen Kontrollsystemen des Fairen Handels bietet unsere Publikation Monitoring und Zertifizierung im Fairen Handel

FAQ

Warum gibt es kein einheitliches Zeichen für Fairen Handel?

Im Gegensatz zu "bio" ist der Begriff "fair" rechtlich nicht geschützt. Jedes Unternehmen kann ihn nach eigenen Vorstellungen in seiner Kommunikation verwenden.

Es gibt aber international definierte Fair-Handels-Prinzipien, die die Grundlage unserer Arbeit darstellen. Innerhalb des Fairen Handels haben sich in über 40 Jahren unterschiedliche, sich ergänzende Ansätze entwickelt. Ausdruck davon sind eine Vielzahl an Produktsiegeln und Zeichen, die von anerkannten Fair-Handels-Organisationen genutzt werden.

Für welche Schwerpunkte diese Zeichen stehen, können Sie hier nachlesen. Alle anerkannten Siegel und Zeichen arbeiten nach den international definierten Fair-Handels-Prinzipien. Und sie wollen den Handel für die Produzent/innen fairer machen. Die Verbraucher/innen können selbst entscheiden, wie sie mit dieser Vielfalt umgehen. Das Forum Fairer Handel unterstützt Sie dabei und informiert über die unterschiedlichen Ansätze im Fairen Handel – und darüber, worin der Faire Handel sich von Nachhaltigkeitszeichen unterscheidet.

Nachhaltig und fair sind heute doch viele, oder?

In den letzten Jahren sind immer mehr Siegel und Zeichen entstanden, die mit dem Begriff „Nachhaltigkeit“ um die Gunst der Konsument/innen werben. Viele davon leisten eine gute Arbeit, haben jedoch verschiedene Akzente und Schwerpunkte, wie z.B. Umweltschutz oder Biodiversität. Allerdings berücksichtigen nur wenige die Grundsätze des Fairen Handels. Beim Fairen Handel steht eindeutig der Mensch im Mittelpunkt. Darüber hinaus spielen auch die anderen Dimensionen nachhaltiger Entwicklung eine wichtige Rolle. Was den Fairen Handel von vielen anderen Ansätzen unterscheidet, sind die weitreichenden Kriterien, wie die Zahlung eines fairen Preises, die Möglichkeit der Vorfinanzierung der Produktion sowie die langfristigen Handelsbeziehungen. Außerdem zeichnet sich der Faire Handel durch seinen entwicklungsorientierten Ansatz aus. Er setzt auf das Empowerment der Produzent/innen, unterstützt deren Selbstorganisation und den Aufbau von Weiterverarbeitungsmöglichkeiten vor Ort. Nachhaltigkeitsansätze wie etwa Rainforest Alliance oder UTZ Certified haben ihre Schwerpunkte eher im ökologischen Bereich.

Auf manchen fair gehandelten Produkten steht, dass sie gar nicht zu 100 % aus fairen Zutaten bestehen. Wie kann das sein?

Im Fairen Handel gibt es die Regel: Besteht ein Produkt nur aus einem Rohstoff, muss dieser immer zu 100 % fair gehandelt sein. Anders ist es bei Lebensmitteln, die aus verschiedenen Zutaten bestehen, wie etwa Schokolade oder Kekse. Diese werden Mischprodukte genannt.

Da nicht alle Rohstoffe, die für Mischprodukte benötigt werden, über den Fairen Handel verfügbar sind, gilt bei solchen Produkten: Alle Bestandteile des Produktes, die fair gehandelt erhältlich sind, müssen aus Fairem Handel stammen ("All that can be must be Fair Trade"-Regel). Dabei wird ein möglichst hoher Fair-Handels-Anteil angestrebt. In der Regel liegt der Anteil bei über 50 %, teilweise bei 100 %. Nach den Fairtrade-Standards muss dieser mindestens 20 % betragen.

Wo kann ich fair gehandelte Produkte kaufen?

Insgesamt werden fair gehandelte Produkte an mehr als 60.000 unterschiedlichen Orten in Deutschland angeboten – darunter Weltläden, Bioläden, Supermärkte, Naturkostläden, aber auch Kantinen, Mensen, Bäckereien, Cafés, Restaurants, Drogerien, Kioske, Schulen, Büropraxen, Geschenkläden, Messen und Märkte. 

Die meisten fair gehandelten Produkte werden in Deutschland in Supermärkten, Discountern, und Bioläden vermarktet. Auch der Gastronomiebereich ist mit mehr als 20.000 Betrieben ein wachsender Vertriebskanal. Cafés, Restaurants, Bäckereien, Kantinen und Mensen bieten in den letzten Jahren immer mehr fair gehandelte Getränke oder Snacks an. Als Fachgeschäfte des Fairen Handels bieten die rund 800 Weltläden in Deutschland die größte Auswahl an fair gehandelten Produkten. Neben dem Verkauf leisten sie auch lokale Informations- und Bildungsarbeit und beteiligen sich an politischen Kampagnen zum Fairen Handel. Weitere Informationen zu den Vertriebskanälen für fair gehandelte Produkte erhalten Sie hier.

Ansprechpartner

Foto von Manuel Blendin
Manuel Blendin
Tel. 030 / 280 40 599

Zum Weiterlesen

100% fair - der Faire Handel in Deutschland. Grundsätze, Wirkungen, Akteure (Neuauflage 2016) Download