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Keine Klimagerechtigkeit ohne Handelsgerechtigkeit

Anlässlich des 26. Weltklimagipfels (COP26) in Glasgow fordert die internationale Fair-Handels-Bewegung in einem Positionspapier die Delegierten auf, Gerechtigkeit in den Mittelpunkt der Klimaziele zu stellen. Das derzeitige Wirtschafts- und Handelsmodell erzeugt immer stärkere soziale und ökologische Verwerfungen. Um die Klimakrise zu bewältigen und eine nachhaltige Zukunft für alle zu gewährleisten, muss die internationale Gemeinschaft die strukturellen Ungerechtigkeiten im Welthandel bekämpfen. Das Positionspapier „Fairness in den Mittelpunkt der Klimaziele stellen“ wurde in Deutschland u. a. durch das Forum Fairer Handel und dessen Mitgliedsorganisationen GEPA – The Fair Trade Company sowie dem Weltladen-Dachverband unterzeichnet. In ihrem Namen erklärt Andrea Fütterer, Vorsitzende des Forum Fairer Handel:

„Die Klimakrise ist unfair! Sie trifft die am härtesten, die am wenigsten dazu beigetragen haben. Kleinbäuer*innen im Globalen Süden haben ganz besonders mit den Folgen zu kämpfen, von Hitze und Dürre bis hin zu Überflutungen. Geringere Ernteerträge bedeuten ein geringeres Einkommen und damit die Bedrohung ihrer Lebensgrundlage. Die elementare Grundlage für Klimagerechtigkeit ist für uns Handelsgerechtigkeit, da nur so die Menschen am Anfang der Lieferkette dem Klimawandel trotzen können. Die Klimakrise wird bis 2030 voraussichtlich mehr als 100 Millionen Menschen im Globalen Süden unter die Armutsgrenze drängen. Ohne rigorose Anpassungsmaßnahmen könnte die globale Erwärmung die landwirtschaftlichen Erträge bis 2050 weltweit um bis zu 30 Prozent verringern, was mehr als 500 Millionen kleine Agrarbetriebe auf der ganzen Welt betreffen würde. Durch seinen integrativen, nachhaltigen Ansatz, der soziale, wirtschaftliche und ökologische Grundsätze vereint, trägt der Faire Handel zu mehr Klimaresistenz in globalen Lieferketten bei. Aus diesem Grund muss der Faire Handel als wichtiger Bestandteil von Klimaschutz- und Anpassungsstrategien anerkannt und gefördert werden. Da der überwiegenden Mehrheit der über 800 Millionen Kleinbäuer*innen weltweit die finanzielle Kraft fehlt, um in Klimaschutz und in die Anpassung an den Klimawandel zu investieren, muss eine angemessene Klimafinanzierung im Fokus stehen.

Trotz des letzten, drastischen Berichts des Weltklimarats und des einschlägigen Urteils der Verfassungsrichter*innen ist die Klimapolitik der Bundesregierung immer noch zu zögerlich und daher unzureichend. Erst am Montag hat der Synthesebericht des UN-Klimasekretariats (UNFCCC) offengelegt, wie weit die Industrieländer noch von den notwendigen Klimazielen  entfernt sind. Das können wir als Fair-Handels-Organisationen nicht akzeptieren. Wir fordern die künftige Bundesregierung dazu auf, Kleinbäuer*innen durch die staatliche Entwicklungszusammenarbeit bei Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel gezielt zu unterstützen, damit diese sich gegen die unvermeidbaren Folgen der Klimazerstörung wappnen, von Klimaschocks erholen und ihre Lebensgrundlagen erhalten, beziehungsweise wiederherstellen können. Zudem müssen internationale Finanzmechanismen, wie der Green Climate Fund, auf Kleinbäuer*innenorganisationen ausgerichtet und so der Zugang zu Finanzmitteln ermöglicht werden. Effektiver Klimaschutz unterstützt auch Kleinbäuer*innen weltweit. Deshalb muss die Bundesregierung ihr CO2-Minderungsziel für 2030 auf 70 Prozent anheben. Entsprechend muss die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen wie die Einstellung von Subventionen für fossile Energien drastisch beschleunigt und ein konkreter Plan für den Ausstieg aus den fossilen Energien erarbeitet werden.“

Die Klimakrise ist keine reine Umweltkrise, sondern vor allem auch eine ethische und politische Krise, die nicht bewältigt werden kann, ohne die Grundlagen des globalen Wirtschaftssystems zu ändern. Das betont auch Indro Dasgupta vom Craft Ressource Center in Indien:

Du willst Ungleichheit verringern, und wie stellst Du das an? Du musst die Umwelt schützen, denn wenn Du das nicht tust, wirst Du das Problem der Ungleichheit weiter verschärfen.

Für viele Fair-Handels-Partner im Globalen Süden ist die Klimakrise längst zur existenzbedro-henden Realität geworden. Norm Bunnak vom Fair-Handels-Unternehmen Villageworks in Kambodscha erklärt dazu:

„Was die Anpassung an den Klimawandel betrifft, haben wir keine Wahl.“

Diese und weitere Aussagen zu den Auswirkungen des Klimawandels enthalten die Videoclips und eine Dokumentation zum Thema Klimagerechtigkeit, welche im Rahmen der Kampagne „CLIMATE JUSTICE – LET’S DO IT FAIR“ entstanden sind. Weitere Informationen dazu unter: www.gepa.de/climatejustice-letsdoitfair

In ihrem Positionspapier unter der Überschrift „Fairness in den Mittelpunkt der Klimaziele stellen“, fassen die World Fair Trade Organization, Fairtrade International und das Fair Trade Advocacy Office in Brüssel gemeinsam mit 14 weiteren Fair-Handels-Akteuren zusammen, welche Schritte notwendig sind, um globale Klimagerechtigkeit zu erreichen. Unter anderem fordern die unterzeichnenden Organisationen die Regierungen dazu auf:

•    Transparenz und Rechenschaftspflichten in den Lieferketten durchzusetzen und sich gleichzeitig für existenzsichernde Einkommen und Löhne einzusetzen;
•    sich für verbindliche rechtliche Rahmenbedingungen stark zu machen, die die höchsten Umweltstandards in einer neuen, nachhaltigen globalen Handelspolitik verankern;
•    den Zugang zu Klimafinanzierungen für Kleinbäuer*innen, Handwerker*innen und Arbeiter*innen zu ermöglichen, um sie bei der Anpassung an den Klimawandel zu stärken und widerstandsfähiger zu machen.

Gleichzeitig fordern die Fair-Handels-Akteure den privaten Sektor auf, sich an faire Handels-praktiken zu halten und faire Preise zu zahlen, ohne die den Produzent*innen die Mittel fehlen, um notwendige Investitionen zur Anpassung an den Klimawandel zu tätigen. Ohne die genannten Maßnahmen wird die internationale Gemeinschaft die verletzlichsten Bevölkerungsgruppen des Planeten weiterhin im Stich lassen. Dies gilt insbesondere für Kleinbäuer*innen, die zunehmend von den Folgen der Klimakrise betroffen sind.

Service

Pressestatement "Keine Klimagerechtigkeit ohne Handelsgerechtigkeit" zum Download

Internationales Positionspapier „Fairness in den Mittelpunkt der Klimaziele stellen“ zum Download

Internationales Positionspapier "Placing Fairness at the Heart of Climate Ambitions" (englische Originalfassung) zum Download