Transparenzpflichten für Unternehmen

Kinderarbeit auf westafrikanischen Kakaoplantagen, einstürzende Textilfabriken in Bangladesch, katastrophale Arbeitsbedingungen auf Ananasplantagen - die Liste von Missständen in den internationalen Lieferketten ist lang. Den Preis für oftmals billige Lebensmittel und Konsumwaren zahlen in der globalisierten Welt meist die Erzeuger/innen und Arbeiter/innen. Wie können internationale soziale und ökologische Mindeststandards weltweit durchgesetzt werden? Ein Ansatz wären verbindliche Berichtspflichten für Unternehmen.

Schon heute bestehen für Großunternehmen Pflichten zur Veröffentlichung von Bilanzdaten, nicht aber zur Publikation von Informationen, die auch eine Abschätzung und vergleichende Bewertung ihrer sozialen und ökologischen Leistungen bzw. Risiken erlauben würden. Ohne derartige Daten sind die Nachfrager/innen - die Verbraucher/innen, Investor/innen, das öffentliche Beschaffungswesen - aber nicht in der Lage, ihre Entscheidungen im Sinne sozialer und ökologischer Zielsetzungen zu treffen. Vereinzelte Ansätze einer freiwilligen Publizität können dieses Problem nicht lösen, sind sie doch unsystematisch, untereinander kaum vergleichbar und nicht extern verifiziert. Deshalb setzt sich das Forum Fairer Handel für sanktionsbewehrte Publizitätspflichten für ökologische und soziale Unternehmensdaten ein. Auf europäischer Ebene ist eine Rechtsvorschrift zu verbindlichen Offenlegungspflichten für Unternehmen geplant.

Die deutsche Bundesregierung ist gefordert, Offenlegungspflichten auf europäischer Ebene aktiv voranzutreiben und sich insbesondere dafür einzusetzen, dass: Unternehmen in Zukunft dazu verpflichtet werden,

a) Informationen zur Unternehmenspraxis in Bezug auf Arbeitnehmer- und Menschenrechte, Korruption, Lobbyaktivitäten sowie  Umwelt- und Klimaschutz bei sich, ihren Tochterunternehmen und ihren Lieferanten zu veröffentlichen. Zentrale Informationen zu  Arbeitsbedingungen sind z. B. solche zu Gewerkschafts- und Tarifrechten, Arbeitszeiten und Löhnen.

b) ihre Unternehmensstruktur, Lieferanten und Produktionsstandorte offenzulegen und die Herkunft ihrer Produkte zu kennzeichnen;

  • unabhängige Stellen die veröffentlichten Informationen regelmäßig überprüfen;
  • Verstöße gegen die Offenlegungspflicht bzw. Falschinformationen mit Sanktionen belegt 
werden. 

Mit den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte wurde 2011 eine weithin akzeptierte Grundlage für die Verantwortung von Staaten und Unternehmen für die Menschenrechte geschaffen. Vom Staat werden klare Rahmenbedingungen eingefordert, damit es nicht zu Menschenrechtsverletzungen kommt. Unternehmen sollen die gebotene Sorgfalt aufbringen, um sicherzustellen, dass sie nicht zu Verletzungen beitragen. Daraufhin sollen interne Arbeitsbedingungen, Zulieferer oder auch ein Landkauf auf die Einhaltung der Menschenrechte abgeklopft werden.

Das Forum Fairer Handel setzt sich für eine ambitionierte Umsetzung der Leitprinzipien in Deutschland ein:

  • Unternehmen sollten dafür haftbar gemacht werden, wenn sie im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit die Menschenrechte verletzen oder deren Verletzung billigend in Kauf nehmen und zwar nicht nur in Deutschland und Europa, sondern weltweit; 
  • Menschen aus dem Süden, deren Menschenrechte durch deutsche Unternehmen verletzt werden, sollten in Deutschland einen erweiterten Zugang zu Rechtsmitteln und Beschwerdemöglichkeiten erhalten.

Unsere Forderungen zu Regeln für Unternehmen

Unseren ganzen Forderungskatalog zur Bundestagswahl 2013 finden Sie hier.

Mehr Informationen zum Thema Transparenzpflichten bietet die Website des CorA-Netzwerk für Unternehmensverantwortung.

Ansprechpartnerin

Foto von Maja Volland
Maja Volland
Tel. 030 - 280 45 349