Derzeit prüft das Bundeskartellamt eine Übernahme von Teilen der Tegut-Gruppe durch Edeka sowie parallel weiterer Teile durch Rewe. Das Forum Fairer Handel, Oxfam Deutschland und Rebalance Now. haben hierzu eine Stellungnahme beim Bundeskartellamt eingereicht, in der die drei Organisationen das Amt auffordern, die Übernahme zu untersagen.
Die Übernahme hätte weitreichende Folgen – sowohl für Erzeuger*innen und Hersteller als auch für Verbraucher*innen. Besonders relevant ist Tegut bislang im Bereich Bio-Lebensmittel und regionale Bioprodukte: Für viele kleine und mittelständische Erzeuger*innen und Hersteller ist Tegut ein wichtiger Absatzkanal. Edeka und Rewe bieten in ihren Märkten dagegen eine deutlich geringere Bio-Auswahl. Der Wegfall von Tegut als eigenständigem Händler würde daher nicht nur die Absatzmöglichkeiten von Bioproduzent*innen einschränken, sondern auch die Wahlmöglichkeiten der Verbraucher*innen verringern.
Zugleich würde die geplante Übernahme den langjährigen Konzentrationsprozess im deutschen Lebensmitteleinzelhandel weiter verschärfen. Über Jahrzehnte haben Fusionen und Übernahmen dazu geführt, dass sich im LEH ein Oligopol herausgebildet hat. Heute kontrollieren Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland gemeinsam rund 88 Prozent des deutschen Lebensmittelmarktes. Diese Marktmacht hat bereits jetzt problematische Auswirkungen – für Verbraucher*innen ebenso wie für die Beschaffungsmärkte. Lieferanten, die im deutschen Lebensmitteleinzelhandel nennenswert vertreten sein wollen, kommen an den großen Handelsgruppen kaum vorbei. Dadurch können diese Preise und Konditionen in erheblichem Umfang bestimmen. Viele Lieferanten berichten von unfairen Handelspraktiken und einem Preisdruck, der wirtschaftlich kaum noch tragbar ist. Wie gravierend diese Abhängigkeiten sein können, zeigt jüngst der Fall des spanischen Obst- und Gemüselieferanten Catman Fresh. Das Unternehmen war in hohem Maße von der Edeka-Gruppe abhängig und bringt seine Insolvenz mit deren Einkaufspraktiken in Verbindung. Würden Tegut-Filialen von Edeka und Rewe übernommen, stiegen deren Einkaufsvolumina weiter – und damit auch ihre Verhandlungsmacht gegenüber Lieferanten.
Dass es Migros mit Tegut nicht gelungen ist, sich dauerhaft im deutschen Markt zu behaupten, verweist auf ein grundsätzliches Strukturproblem: Neben den vier großen Handelsgruppen scheint es für neue Akteure kaum noch möglich zu sein, sich im deutschen Lebensmitteleinzelhandel zu etablieren. Das kommt faktisch einer Marktzugangsschranke gleich.
Das Bundeskartellamt sollte den Wegfall von Tegut daher zum Anlass nehmen, eine kollektive Marktbeherrschung durch Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe festzustellen. Eine solche Feststellung würde bedeuten, dass die vier Handelsgruppen einer strengeren wettbewerbsrechtlichen Kontrolle unterliegen. Darüber hinaus braucht es eine Sektoruntersuchung, in der das Bundeskartellamt auch die zunehmende Vertikalisierung sowie Beteiligungen und Partnerschaften des Lebensmitteleinzelhandels genauer prüft. Eine Entscheidung des Bundeskartellamtes wird zwischen August und September erwartet.
Die Stellungnahme, die wir beim Bundeskartellamt eingereicht haben, ist hier zu finden.