Diese Themen und Termine bewegen uns 2026

Bild: pixelshot/Canva

Das Jahr 2026 ist noch jung, doch es fühlt sich mit Blick auf die turbulente politische Weltlage anders an. Als Forum Fairer Handel (FFH) lassen wir uns davon nicht beirren und arbeiten weiter an unserem Auftrag, den Fairen Handel zu stärken und voran zu bringen. 

Wir haben uns für 2026 viel vorgenommen, wobei es auch große Herausforderungen zu stemmen gibt: Allen voran muss sich das FFH langfristig auf geringere öffentliche Fördermittel für seine Projektarbeit einstellen und sein Fundraising intensivieren und diversifizieren. Im Zuge dessen starten wir in Kürze auch eine Kampagne zur Gewinnung neuer Mitglieder für das FFH, um uns breiter aufzustellen und so lauter für eine gerechte Weltwirtschaft zu streiten. Mehr darüber, welche Vorteile eine Mitgliedschaft im Forum bringt und wer dafür alles in Frage kommt, gibt es auf unserer Webseite unter „Mitglied werden“ nachzulesen. Sie möchten die politische Stimme des Fairen Handels ganz persönlich unterstützen? Wir freuen uns auch auf neue Fördermitglieder, die uns in diesen politisch aufgeheizten und polarisierten Zeiten unabhängiger machen. 

Dies ist umso wichtiger, weil der aktuelle Druck auf die Zivilgesellschaft nicht nur finanzieller, sondern auch politischer Natur ist. Im Dezember 2025 ist der jüngste CIVICUS-Bericht erschienen, wonach die zivilgesellschaftlichen Handlungsspielräume in Deutschland schrumpfen bzw. unter Druck geraten. Der Bericht nennt unter anderem Einschränkungen bei der Versammlungsfreiheit und die politische Instrumentalisierung von Förderstrukturen als Gründe dafür. Dem müssen wir uns auch als Fair-Handels-Bewegung entgegenstemmen, indem wir unsere Vision eines gerechten Wirtschaftens weiter verbreiten und der aktuellen neoliberalen Rückwärtsrolle in Sachen Nachhaltigkeit und Entwicklungszusammenarbeit mit einer klaren Stimme und konkreten Forderungen begegnen. Gleiches gilt für den politischen Rechtsruck in Deutschland, Europa und der Welt. 

Ansprechperson: Matthias Fiedler 

Diese politischen Prozesse stehen 2026 im Fokus

Konzernmacht: Die Produzent*innen am Anfang der Lieferketten stärken

Derzeit wird auf EU-Ebene die Richtlinie über unlautere Handelspraktiken (UTP-Richtlinie) überarbeitet. Diese verbietet die gravierendsten unlauteren Handelspraktiken von Unternehmen gegenüber ihren Lieferanten in Agrar- und Lebensmittellieferketten. Vor dem Hintergrund der extrem ungleichen Machtverhältnisse in den Lieferketten ist die Richtlinie aus unserer Sicht ein wichtiges Instrument, um Produzent*innen und kleine Hersteller vor Machtmissbrauch ihrer Lieferanten zu schützen. Allerdings weist sie erhebliche Schutzlücken auf. Die Überarbeitung der Richtlinie ist ein gutes Gelegenheitsfenster, um diese zu schließen. Am 1.12. hat die EU-Kommission ihren Evaluationsbericht veröffentlicht. Dieser beinhaltet einige positive Punkte, an denen wir mit unseren Forderungen gut anknüpfen können. Wichtig für uns ist vor allem, dass unlautere Handelspraktiken wirksamer als bisher geahndet werden und dass die Richtlinie das drängende Problem der niedrigen Erzeugerpreise angeht. Die EU-Kommission hat bis Ende Februar eine öffentliche Konsultation zur Evaluierung der Richtlinie gestartet. Im Herbst wird sie dann Vorschläge für eine Reform der Richtlinie präsentieren, woraufhin der Trilog mit EU-Rat und Parlament beginnen wird. 

Wir werden uns als Forum Fairer Handel gemeinsam mit anderen Organisationen aus der Zivil- und Landwirtschaft in den Überarbeitungsprozess einbringen, um die Position von Produzent*innen am Anfang globaler Lieferketten und kleinen Herstellern in den vermachteten Lieferketten zu stärken. Für uns ist aber auch klar, dass es neben dem Schutz vor Machtmissbrauch ebenso strukturelle Maßnahmen braucht, die an den ungleichen Machtverhältnissen im Lebensmittelsektor ansetzen. Gemeinsam mit der Initiative Konzernmacht beschränken werden wir uns weiter dafür einsetzen, dass das Bundeskartellamt eine Sektoruntersuchung einleitet. Dass die Marktmacht außer Kontrolle ist, hat auch die Monopolkommission, ein Beratungsgremium der Bundesregierung, in ihrem jüngst veröffentlichten Sondergutachten festgestellt. 

Unsere aktuellen Publikationen zum Thema Konzernmacht:

Ansprechperson: Maja Volland

EU-Lieferkettenrichtlinie: Wir fordern eine effektive Umsetzung!

Die Trilogverhandlungen wurden Ende Dezember abgeschlossen und man hat sich mit Stimmen von rechten und rechtsextremen Fraktionen auf einen Kompromiss (hier ein Interview zum CSDDD-Kompromiss mit FFH-Referenten Robert Diendorfer) geeinigt, der zentrale Kernelemente der Richtlinie abschwächt. Nun steht die Umsetzung in nationales Recht an. Dabei wird es zentral sein, eine effektive Umsetzung zu fordern. Unser aktueller Blogbeitrag zum Thema fasst die aktuellen Entwicklungen zur Richtlinie zusammen. Wer mehr lesen möchte, dem empfehlen wir unseren aktuellen Blogbeitrag.

Weitere EU-Regulierungen im Blick: EU-Entwaldungsverordnung (EUDR), Empowering Consumers Regulation (EmpCo) und EU-Bioverordnung

Neben der EU-Lieferkettenrichtlinie beschäftigen uns 2026 noch weitere Regulierungen auf EU-Ebene. Kurz vor Weihnachten wurden Änderungen an der EUDR final beschlossen. Der wohl wichtigste Punkt ist die Verschiebung des Anwendungsbeginns auf den 30. Juni 2027 für Kleinst- und Kleinunternehmen und auf den 30. Dezember 2026 für Mittel- und Großunternehmen. Wir begleiten den Prozess weiter engmaschig. Wer mehr lesen möchte wird in der Pressemitteilung des EU-Parlaments und auf der Website der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung fündig, auf der sich viele Informations- und Schulungsmaterialien befinden. 

Auch die Empowering Consumers Regulation (kurz EmpCo) wurde noch vor Weihnachten im Bundestag beschlossen. Die Richtlinie führt neue Anforderungen an Nachhaltigkeitssiegel und Zertifizierungssysteme ein. Denn sie zielt darauf ab, die Verbraucher*innen vor irreführenden Aussagen zum Umweltschutz oder sozialen Bedingungen bei der Herstellung von Produkten zu schützen, indem Nachhaltigkeitsversprechen belegbar gemacht werden müssen. Auch diesen Prozess begleiten wir in 2026 engmaschig, da mit der EmpCo Auswirkungen auf den Fairen Handel verbunden sind. Zur EU-Bioverordnung fand im November eine öffentliche Konsultation statt, bei der die Möglichkeit bestand, Feedback abzugeben. Nach der Konsultationsphase veröffentlichte die Kommission einen Änderungsvorschlag, der durchaus Elemente enthält, die vom Fairen Handel lange gefordert wurden. Insbesondere sieht der Vorschlag die Abschaffung der maximalen Umsatzgrenzen für die Berechtigung zur Gruppenzertifizierung und die Aufhebung der Verpflichtung für Gruppen von Marktteilnehmern, eine eigene Rechtspersönlichkeit zu begründen. Dadurch könnten sich größere Kooperativen zertifizieren lassen, ohne dass kostspielige und künstliche Umstrukturierungen erforderlich wären. Ein kleiner Erfolg! Weitere Infos dazu enthält die Presseaussendung des Fair Trade Advocacy Ofiices.

Ansprechperson: Robert Diendorfer

Wichtige Projekte des Forum Fairer Handel 2026

Jugendtrainingsprogramm Advocacy: Wie funktioniert Advocacy-Arbeit zum Thema “globale Gerechtigkeit”?

Das Advocacy-Training für junge Leute ist gestartet. Mit einem Kick-off-Call zum Kennenlernen und ersten Informationen zu Advocacy und zum Fairen Handel geht es am 02. Februar los. Bis zum Sommer lernen die jungen Engagierten in gemeinsamen Praxisseminaren, wie sie politisch für globale Gerechtigkeit einstehen, wie Advocacy funktioniert und wie sie eigene Advocacy-Projekte umsetzen können. 

Mehr Informationen

Ansprechperson: Silke Bölts

In Good Company: Nachhaltiges Unternehmertum sichtbar machen!

In dem Projekt “In Good Company” vereinen wir Unternehmen, die Verantwortung übernehmen und zeigen, wie gerechte Lieferketten in der Praxis aussehen – in Kooperation statt in Konkurrenz, mit Vorbildfunktion und Vision für ein nachhaltiges Unternehmer*innentum. Denn: Besonders in Zeiten, in denen Nachhaltigkeit nicht mehr oben auf der Agenda steht, ist es wichtig, gute Beispiele zu zeigen, Hoffnung zu geben und die Akteure zu vernetzen!

Die Geschichten hinter den “In Good Company”-Unternehmen wollen wir deshalb 2026 weiter erzählen und noch sichtbarer machen, um zu inspirieren, zu vernetzen und Hoffnung zu geben. Deshalb haben wir den In Good Company-Report, in dem wir die Unternehmen vorgestellt haben, zu einer Website ausgebaut und starten einen eigenen LinkedIn-Kanal. Hier wollen wir anhand von konkreten Beispielen zeigen, wie die Unternehmen agieren, vor welchen Herausforderungen sie stehen und welche Auswirkungen ihre unternehmerischen Entscheidungen haben.

Ansprechperson: Jonas Lorenz

Faire Woche 2026: Vielfalt im Fairen Handel – aus der Sicht von jungen Menschen

Bei der diesjährigen Fairen Woche vom 11. bis 25. September sind unter dem Jahresthema “Vielfalt” junge Menschen im Fokus: Wie blicken sie auf das Thema? Was motiviert sie, sich zu engagieren? Und was brauchen sie von Fair-Handels-Akteuren, um sich auch in Zukunft für Vielfalt, Gerechtigkeit und Fairen Handel einzusetzen?

Sie möchten mitmachen und selbst eine Veranstaltung durchführen? Um Sie gut auf die Faire Woche vorzubereiten, bieten wir ab März 2026 verschiedene Online-Seminare an – Infos und Anmeldung hier.

Auch in diesem Jahr wird es wieder eine Rundreise von Handelspartnern geben –  diesmal wird ein*e Kaffeeproduzent*in (tbd) durch Deutschland reisen und an verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen und Fair-Handels-Akteure besuchen –  mit dem Ziel, sich auszutauschen und neue Perspektiven sichtbar zu machen. Auch Fairtrade Deutschland wird eine Rundreise anbieten. Bei Interesse gerne eine Mail an: j.lesmeister@forum-fairer-handel.de

Die Faire Woche ist die größte Aktionswoche des Fairen Handels in Deutschland und wird von uns in Kooperation mit dem Weltladen-Dachverband und Fairtrade Deutschland veranstaltet.

Weitere FFH-Termine 2026

  • 12. Februar: FFH auf der BioFach
  • 06. bis 07. Juni: FFH auf dem Gutes Morgen-Festival der GLS Bank
  • 08. Juli: FFH-Jahrestagung
  • 14. Juli: FFH-Jahrespressekonferenz
  • 11. bis 25. September: Faire Woche
  • 20. November: 20. Jubiläum Forum Fairer Handel e.V.

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