Um unsere Website optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies.
Weitere Informationen zur Verwendung von Cookies sowie zu Ihrem Widerspruchsrecht erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Zivilgesellschaft veröffentlicht Vorschlag für EU-Strategie für den Textilsektor

Anlass ist der siebte Jahrestag der Katastrophe von "Rana Plaza"

EU-Textilstrategie

Foto: Kristof Vadino, Bangladesch

In diesen Tagen jährt sich die Katastrophe von "Rana Plaza", der bisher größte Unfall in der internationalen Textilbranche, zum siebten Mal. Bei dem Unglück am 24. April 2013 in Bangladesch starben mehr als 1000 Menschen aufgrund mangelnder Sicherheitsvorkehrungen.

Das Unglück hat viele Menschen für die schlechten Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie sensibilisiert. So macht die derzeit laufende internationale "Fashion Revolution Week" unter dem Motto #WhoMadeMyClothes auf die katastrophale Lage der Arbeiter*innen in der Textilindustrie aufmerksam.

In diesem Jahr ist das Thema besonders brisant, denn: Die Corona-Pandemie hat die gesamte Textilwirtschaft stark getroffen, wodurch sich die ohnehin schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter*innen und Farmer*innen am Anfang der Lieferkettenzusätzlich verschärft haben. Fabrikschließungen, Kündigungen und Lohnausfälle im Textilsektor sind momentan an der Tagesordnung, wie unter anderem der täglich aktualisierte Live-Blog der Clean Clothes Campaign berichtet.

Wir brauchen eine neue EU-Strategie für den Textilsektor

Anlässlich des Rana Plaza-Jahrestags hat das Fair Trade Advocacy Office in Brüssel gemeinsam mit einer Koalition von mehr als sechzig zivilgesellschaftlichen Organisationen – darunter auch das Forum Fairer Handel – einen Vorschlag für eine umfassende EU-Strategie für die Textil-, Bekleidungs-, Leder- und Schuh-Industrie veröffentlicht. Die Strategie listet umfassende Maßnahmen auf, welche für den Aufbau von faireren und nachhaltigeren sowie auch resilienteren Lieferketten nötig wären.

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören:

  • Eine gesetzlich festgelegte menschenrechtliche Sorgfaltspflicht für den Textilsektor, wie sie auch die Initiative Lieferkettengesetz für deutsche Unternehmen fordert
  • Gesetzlich verbindliche Vorgaben für ein nachhaltigeres Produktdesign zur Vermeidung von Abfall und für weniger Umweltverschmutzung
  • Mehr Transparenz und Rückverfolgbarkeit in der gesamten Wertschöpfungskette: Dazu gehören sowohl mehr Transparenz im Produktionsprozess (z.B. bei den Arbeitsbedingungen) als auch die Veröffentlichung der Auswirkungen der Produktion auf die Umwelt (z.B. durch Veröffentlichung des ökologischen Fußabdrucks)
  • Ein EU-weiter Plan zur Ausweitung der nachhaltigen öffentlichen Beschaffung im Textil-Sektor
  • Gesetze gegen unfaire Handelspraktiken (unfair trading practices), wie etwa kurzfristige Auftragsstornierungen, verspätete Zahlungen und nicht-existenzsichernde Löhne
  • Ein quantitativ messbares Ziel für die Reduzierung von Textilabfall
  • Die Förderung von Geschäftsmodellen mit Kreislaufwirtschaft, die etwa auf hohe und langlebige Qualität von Textilien und langfristige Handelspartnerschaften ausgerichtet sind
  • Förderung von Kooperationen mit Regierungen von produzierenden Ländern zur Stärkung von Arbeitsrechten und Umweltschutz
  • Nutzung des starken Einflusses der EU zur Förderung von Nachhaltigkeit und Menschenrechten weltweit, zum Beispiel durch internationale Abkommen

Gerade die gegenwärtige Corona-Krise  verdeutlicht, dass die Wertschöpfungsketten der Textilindustrie äußerst risikoanfällig und die Machtverhältnisse besonders ungleich verteilt sind. Um die gegenwärtigen Probleme in der Textilindustrie effektiv anzugehen und damit sich Ereignisse wie "Rana Plaza" nicht wiederholen, soll der Strategievorschlag der Zivilgesellschaft als Blaupause für eine zukünftige EU-Strategie für den Textilsektor gelten, an dem sich die politischen Akteure innerhalb der EU  orientieren sollten. Die Strategie ist ein Handlungsvorschlag sowie ein Aufruf der  unterzeichnenden Organisationen an die politischen Entscheidungsträger*innen der EU resiliente, faire und nachhaltige Lieferketten aufzubauen. Nur so können die Folgen der gegenwärtigen Krise abgefedert und zukünftig Ereignisse wie "Rana Plaza" vermieden werden.

Mehr Informationen

  • Vorschlag für eine EU-Strategie: European Strategy for Sustainable Textile, Garments, Leather and Footwear (in englisch) Download
  • Zusammenfassung der vorgeschlagenen Maßnahmen für eine EU-Strategie (in englisch) Download

Ansprechpartnerin

Foto Katrin Frank
Katrin Frank
Tel. 030 / 280 45 259

Aktuelle Publikationen

Forum Fairer Handel (2020): "Aktuelle Entwicklungen im Fairen Handel 2020" Download

Forum Fairer Handel (2020): "Auf einen Blick: Aktuelle Entwicklungen im Fairen Handel 2020" (Kurzfassung der Broschüre) Download

Alle aktuellen Publikationen des Forum Fairer Handel