Um unsere Website für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zur Verwendung von Cookies sowie zu Ihrem Widerspruchsrecht erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Keine nachhaltige Entwicklung ohne Gleichberechtigung von Frauen

Forderungen des Fairen Handels zum Weltfrauentag am 08. März

Weltfrauentag 2019

Foto: Bagdha Enterprises

Obwohl Frauen weltweit den Großteil der Erwerbs- und Reproduktionsarbeit leisten, werden sie in vielen Bereichen immer noch strukturell benachteiligt. Sie bekommen für die gleiche Arbeit weniger Lohn als Männer und sind seltener in Führungspositionen vertreten. Außerdem haben Frauen und Mädchen oft keinen Zugang zu wichtigen Ressourcen wie Bildung, Land, Krediten oder einem eigenen Einkommen. Damit sind sie stärker von Armut betroffen und können ihre Potenziale oft nicht entfalten. Anlässlich des Weltfrauentages am 08. März betont das Forum Fairer Handel den emanzipatorischen Anspruch der Fair-Handels-Bewegung und zeigt, wie faire Geschäftsmodelle Frauen in der Praxis stärken. So erreichen Frauen, die in Fair-Handels-Unternehmen tätig sind, mit einer viermal so hohen Wahrscheinlichkeit eine Position in der obersten Führungsebene wie in konventionellen Unternehmen.

Keine nachhaltige Entwicklung ohne Gleichberechtigung der Geschlechter

Mit dem fünften Nachhaltigen Entwicklungsziel (SDG 5) der Vereinten Nationen hat sich die internationale Staatengemeinschaft vorgenommen, die ungleiche Behandlung der Geschlechter zu beenden. "Obwohl es auf internationaler wie auch auf nationaler Ebene Regelungen zur Gleichbehandlung der Geschlechter gibt, besteht immer noch eine große Lücke zwischen Gesetzen und alltäglicher Praxis", stellt Andrea Fütterer, Vorsitzende des Forum Fairer Handel, fest. Das gilt im Übrigen auch für Deutschland. "Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist jedoch notwendig für ein friedvolles Miteinander und eine nachhaltige Entwicklung", unterstreicht Fütterer. Die Stärkung von Frauen kommt auch der Gemeinschaft zugute, denn sie investieren ihr Einkommen vermehrt in Bildung, soziale Aktivitäten und Gesundheit. 

Ungleiche Machtverhältnisse in Lieferketten gehen auf Kosten der Frauen

Die ungleiche Machtverteilung in Lieferketten untergräbt das Recht von Produzent*innen und Arbeiter*innen auf würdige Arbeitsbedingungen sowie faire und gleiche Bezahlung. Das betrifft insbesondere Frauen. "Am Anfang jeder konventionellen Lieferkette – im Handwerk wie auch in der Landwirtschaft – stehen gesellschaftlich schwächer gestellte Frauen. Sie sind es, die die Folgen der Preiskämpfe zwischen Einzelhandelskonzernen und unseres Billigkonsums tragen", erklärt Fütterer. Fair-Handels-Organisationen tragen dazu bei, das Bewusstsein für diese Ungerechtigkeit zu schärfen, diese Frauen zu stärken und ihnen eine Stimme zu geben.  

Gleichberechtigung von Frauen als Grundsatz des Fairen Handels

Die Förderung der Gleichberechtigung von Frauen zählt zu den international definierten Grundsätzen des Fairen Handels. Fair-Handels-Organisationen lehnen Geschlechterdiskriminierung ab und setzen sich aktiv für eine Gleichberechtigung der Geschlechter ein. Im Fairen Handel bekommen Frauen Zugang zu Bildung, einen gerechten Lohn für ihre Arbeit, werden in Entscheidungsprozesse einbezogen und bei der Entfaltung ihrer Potenziale gefördert. Sie werden darin bestärkt, ihre Rechte wahrzunehmen und haben damit die Möglichkeit, sich auch in Gesellschaft und Politik einzumischen.

Faire Geschäftsmodelle stärken Frauen

Mit welchen Instrumenten dies geschieht, beschreibt ein aktueller Bericht der World Fair Trade Organization (WFTO) unter der Überschrift "Geschäftsmodelle, die Frauen stärken", dessen deutsche Fassung das Forum Fairer Handel am 08. März veröffentlicht. Dieser zeigt, dass Frauen in Fair-Handels-Organisationen deutlich mehr Chancen haben, ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften, mit dem sie ein würdiges und selbstbestimmtes Leben führen können. "Ich habe hier gesehen, dass Frauen auf allen Ebenen arbeiten – als Vorgesetzte, Designerinnen und Produktionsleiterinnen. Früher wurde mir weis gemacht, dass eine Frau nichts erreichen könne. (…) Jetzt kann ich genug für mich und meine Tochter verdienen und sogar noch meine Eltern finanziell unterstützen", berichtet Rinku Mishra, Mitarbeiterin des Fair-Handels-Unternehmens Creative Handicrafts in Indien. "Mein Selbstbewusstsein als Frau wächst. Wir haben hier regelmäßige Fortbildungen zu Themen wie Gleichberechtigung und geschlechtsbezogener Gewalt. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich das Gefühl, an einem Ort zu sein, wo man mich versteht", so Rinku Mishra weiter. Creative Handicrafts ist nur eines von vielen Fair-Handels-Unternehmen, die vorbildliche Arbeit für die Gleichberechtigung von Frauen leisten.

Fairer Handel fördert Frauen in Führungspositionen

"Frauen, die für ein Fair-Handels-Unternehmen tätig sind, erreichen mit viermal so hoher Wahrscheinlichkeit eine Position in der obersten Führungsebene wie Frauen, die für konventionelle Unternehmen arbeiten. Mehr noch, in einem Fair-Handels-Unternehmen beschäftigte Frauen erhalten Anerkennung, ihre Rechte werden respektiert, sie sind sichtbar und werden gehört", erklärt Andrea Fütterer. 

Für eine gleichberechtigte Gemeinschaft sind aber Bemühungen sowohl auf der wirtschaftlichen als auch auf der politischen und gesellschaftlichen Ebene notwendig. Um die Bedeutung der Geschlechtergerechtigkeit im Fairen Handel zu beleuchten, befasst sich die Faire Woche vom 13. bis 27. September 2019 schwerpunktmäßig mit diesem Thema. 

Als Mitglied der World Fair Trade Organization (WFTO) schließt sich das Forum Fairer Handel deren Forderungen in Sachen Geschlechtergerechtigkeit und Gleichbehandlung an: 

  • Stereotypenbildung in der Erziehung vermeiden: Kinder sollten zu gleichberechtigten Mitgliedern der Gesellschaft erzogen werden. Sie sollten aufgrund ihres Geschlechts nicht unterschiedlich gefördert werden oder Privilegien erhalten. Eltern sollten als Vorbilder dienen und bestehende Rollenbilder hinterfragen.
  • Rollenbilder in Schulbüchern ändern: Anhand von Unterrichtsmaterialien lernen Kinder unterschiedliche Berufsbilder kennen. Entsprechend sollten Frauen deshalb in Unterrichtsmaterialien nicht nur in traditionellen Rollenbildern dargestellt werden, sondern beispielsweise auch in Führungspositionen. Ebenso sollten Männer nicht nur in der klassischen Rolle als Versorger, sondern auch bei der Haus- und Familienarbeit dargestellt werden, damit eine Vielfalt an unterschiedlichen Rollenbildern den Kindern als Vorbild dienen. In der Geschichtsdarstellung fehlen einflussreiche Frauen als Vorbilder für Schüler*innen, obwohl es viele inspirierende Beispiele gibt.
  • Anzahl von Frauen in der Politik und in Unternehmensvorständen erhöhen: Noch immer entspricht der Anteil von Frauen in der Politik und den Führungsebenen von Unternehmen bei weitem nicht deren Anteil in der Gesellschaft. Frauen sollten deswegen paritätisch in Parlamenten, Gemeinderäten und Unternehmensvorständen vertreten sein. 
  • Patriarchale Strukturen aufbrechen: Die Diskriminierung von Frauen wird häufig durch soziale Normen und Traditionen begünstigt. Diese stehen häufig über den Gesetzen und führen unter anderem dazu, dass Frauen ihr Erbe verwehrt bleibt, wenn männliche Angehörige sterben. Bewusstseinstrainings für Frauen stärken diese darin, ihre Rechte zu kennen und sie einzufordern. Außerdem sollten Männer ebenso für die Rechte von Frauen sensibilisiert werden. Regierungen sollten mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Fair-Handels-Unternehmen zusammenarbeiten, um gegen überkommene Strukturen zu sensibilisieren. 
  • Ungleiche Machtverteilung in Lieferketten: Die ungleiche Machtverteilung in Lieferketten untergräbt das Recht von Produzent*innen und Arbeiter*innen auf würdige Arbeitsbedingungen sowie faire und gleiche Bezahlung. Das betrifft insbesondere Frauen. Um dem entgegenzuwirken, müssen die Kontrollen entlang landwirtschaftlicher Lieferketten und in Fabriken per Gesetz intensiviert werden. Gegen Betriebe, die Gesetze missachten, sollten empfindliche Bußgelder verhängt werden und diejenigen belohnt werden, die mit gutem Beispiel vorangehen. Zudem müssen international agierende Unternehmen für Verletzungen von Menschen- und Arbeitsrechten entlang ihrer gesamten Lieferketten haftbar gemacht werden.
  • Gesetzliche Rahmenbedingungen für den informellen Sektor schaffen: Weltweit arbeiten 75 % der Frauen in informellen Beschäftigungen (außerhalb der Landwirtschaft). Dort verfügen sie weder über eine soziale Absicherung noch haben sie Rechte. Am Anfang jeder Lieferkette – im Handwerk wie auch in der Landwirtschaft – stehen gesellschaftlich schwächer gestellte Frauen, die die Folgen von Billigprodukten und Preiskämpfen tragen. Fair-Handels-Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen können dabei helfen, diese Frauen sichtbar zu machen und ihnen eine Stimme zu geben. 
  • Anwenden von Fair Trade Grundsätzen: Die 10 Prinzipien des Fairen Handels der WFTO sollten allen Unternehmen und staatlichen Instanzen als Rahmen für verantwortungsvolles Wirtschaften dienen. Der Faire Handel beseitigt Ungerechtigkeiten in den Lieferketten. Das öffentliche Bewusstsein dafür sollte weiter gefördert werden.