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Kaffee zu Schleuderpreisen

Zur "World of Coffee" rufen das Forum Fairer Handel und TransFair die Kaffeebranche zu mehr Nachhaltigkeit auf

Foto: Forum Fairer Handel/Jonas Lorenz

Während am Weltmarkt Kaffee zu historischen Tiefstpreisen verschleudert wird, versammelt sich vom 06. bis 08. Juni das "Who is who" der internationalen Kaffeebranche auf der "World of Coffee" in Berlin. Die aktuellen Preise decken laut eines Marktreports des Kaffeehändlers Volcafe bei rund 60 Prozent der Produzent*innen nicht einmal die Produktionskosten. Zusätzlich verschärft der Klimawandel die Situation der Kaffeebäuerinnen und -bauern dramatisch. Noch ist das Geschäft für die großen Röster und Kaffeehändler lukrativ. Doch ihr Erfolg geht auf Kosten der Kleinbäuerinnen und -bauern sowie deren Umwelt. Das Forum Fairer Handel und TransFair (Fairtrade Deutschland) appellieren an die Kaffeebranche, weniger über Nachhaltigkeit zu reden und mehr dafür zu tun – auch im eigenen Interesse. Ein konkreter Schritt: weg mit der Kaffeesteuer für fairen und ökologischen Kaffee.

Kaffeekonzerne profitieren von Preisen unterhalb der Produktionskosten

Kurzfristig mögen die Kaffeekonzerne von niedrigen Preisen in Folge von Spekulationsgeschäften und Rekordernten in großen Anbauländern wie Brasilien oder Vietnam profitieren. Insbesondere bei Kaffeequalitäten im niedrigen Preissegment herrscht derzeit ein Überangebot. Doch wenn die Bäuerinnen und Bauern nicht bald bessere Preise und mehr Unterstützung im Kampf gegen den Klimawandel erhalten, stehen der Kaffeebranche düstere Zeiten bevor. "Von den aktuellen Niedrigpreisen von unter einem Dollar pro Pfund Rohkaffee können Kleinbauernfamilien nicht leben, geschweige denn dringend benötigte Investitionen tätigen", kritisiert Andrea Fütterer, Vorsitzende des Forum Fairer Handel. Die Konsequenz: Junge Leute ziehen in die Städte oder verlassen ihre Heimatländer, Baumbestände überaltern. Zusätzlich werden die Staatshaushalte der Erzeugerländer mit den gesellschaftlichen und ökologischen Folgekosten des Kaffeeanbaus belastet. Denn die Kaffeebäuerinnen und -bauern  können angesichts der schlechten Bezahlung häufig nicht die Kosten für gesunde und ausreichende Ernährung, Unterbringung, die Schulbildung ihrer Kinder oder deren ärztliche Versorgung bestreiten. Zu den ökologischen Folgekosten gehört beispielsweise die Wasserverschmutzung durch Düngemittel und Pestizide. Kurz: Die Branche setzt für kurzfristigen Profit die Zukunft des Kaffeeanbaus aufs Spiel. 

Ungerechter Kaffeemarkt

Der globale Kaffeemarkt ist zutiefst ungerecht. Während eine Handvoll Kaffeekonzerne von wachsenden Gewinnen profitieren, verbleibt viel zu wenig Wertschöpfung in den Anbauländern. Das belegt die aktuelle Studie "Kaffee – eine Erfolgsgeschichte verdeckt die Krise". Deren Zahlen für den deutschen Markt verdeutlichen die Schieflage: Die Einnahmen in den Produktionsländern sind zwischen 1994 und 2017 um zehn Prozent gesunken. Dagegen ist die Wertschöpfung bei Röstern und Händlern in Deutschland im gleichen Zeitraum um 139 Prozent, von 1,52 Milliarden Euro auf 3,63 Milliarden Euro pro Jahr gestiegen. „Kaffee ist hierzulande das Lieblingsgetränk Nummer eins. Wenn wir aber zukünftig täglich Kaffee genießen möchten, müssen sich die Anbau- und  Handelsbedingungen für die Kaffeebäuerinnen und -bauern dringend verbessern“, mahnt Dieter Overath, Geschäftsführender Vorstandsvorsitzender bei TransFair. "Steigende Produktionskosten, erschwerte Anbaubedingungen durch den Klimawandel und gleichzeitig sinkende Preise – die Kaffeebranche verbaut sich mit dieser Preispolitik die eigene Zukunft", sagte Overath anlässlich der World of Coffee.

Die Politik ist gefordert

Die gegenwärtige Machtverteilung entlang der konventionellen Lieferkette begünstigt die ungleiche Wertschöpfung massiv. Um das zu ändern, ist deshalb auch die Politik gefragt: "Warum sind Produkte, die auf Kosten von Mensch und Umwelt gehen, so billig? Wenn es die Politik ernst meint damit, Nachhaltigkeitsziele umzusetzen, muss sie faire und ökologische Produkte begünstigen. Deswegen setzen wir uns für die Abschaffung der Kaffeesteuer für fair gehandelten Kaffee ein", erklärt Dieter Overath mit Blick auf die Bundesregierung. Damit möglichst viele Kaffeebäuerinnen und -bauern bessere Bedingungen erhalten, braucht es zudem übergreifende gesetzliche Regelungen. "Aus diesem Grund plädieren wir für eine gesetzliche unternehmerische Sorgfaltspflicht entlang der Lieferketten. Die Unternehmen müssen dafür Verantwortung übernehmen, dass ihre Produkte unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt werden", erklärt Andrea Fütterer.

Der Faire Handel als Alternative

Der Faire Handel zeigt auf, wie faire und nachhaltige Lieferketten aussehen. Er verbessert die Lebensbedingungen der Kleinbäuerinnen und -bauern, indem er sie in ihrer Selbstorganisation und Professionalisierung stärkt, die Preisschwankungen am Weltmarkt durch stabile Mindestpreise abfedert und die Kooperativen zusätzlich von Prämien für Fairen Handel und ökologischen Anbau profitieren. Die Studie „Kaffee – Eine Erfolgsgeschichte verdeckt die Krise“ empfiehlt insbesondere die Kombination aus biologischem Anbau und Fairem Handel. In Deutschland sind rund drei Viertel des fair gehandelten Kaffees zusätzlich Bio-zertifiziert.

Zum Weiterlesen

Die deutsche Kurzfassung der Studie "Kaffee – Eine Erfolgsgeschichte verdeckt die Krise" Download

Die französische Originalversion wurde im Oktober 2018 vom Forschungsinstitut BASIC im Auftrag der Fair-Handels-Organisationen Commerce Equitable France und Max Havelaar France sowie dem Netzwerk "Repenser les filières" (zu Deutsch "Wertschöpfungsketten neu denken") herausgegeben.
Die Lang- und Kurzfassungen dieser Studie im Original und auf Englisch erhalten Sie hier