Produzent*innen

Die Produzent*innen stehen beim Fairen Handel im Mittelpunkt. So vielfältig wie das fair gehandelte Produktsortiment sind auch ihre Geschichten, Hintergründe und Herausforderungen. Der Faire Handel kommt daher nicht mit einem Patentrezept für alle aus, sondern hat unterschiedliche Instrumente, um Produzent*innen dabei zu unterstützen, ihre eigene Entwicklung in die Hand zu nehmen.

Kleinbäuer*innen im Fairen Handel

Foto: GEPA – The Fair Trade Company/C. Nusch
Zuckerbauer

Der Faire Handel ermöglicht es insbesondere den im Welthandel benachteiligten Kleinbäuer*innen, unter fairen Bedingungen am Marktgeschehen teilzunehmen und aus eigener Kraft für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Sie schließen sich in der Regel in Genossenschaften zusammen, wo sie an allen wichtigen Entscheidungen demokratisch beteiligt sind. Einige vertreiben nur einen kleinen Teil ihrer Produktion über den Fairen Handel, andere wiederum fast den kompletten Ertrag.
Neben der Vermarktung der Produkte setzen sich die Genossenschaften bzw. ihre Dachverbände z.B. für die Förderung von Frauen und den Schutz der natürlichen Ressourcen ein.

Arbeiter*innen im Fairen Handel

Bei Produkten, die zumeist von Plantagen stammen wie Tee, Orangen, Blumen oder Bananen sowie bei weiterverarbeiteten Produkten wie beispielsweise Sportbällen, profitieren insbesondere die abhängig beschäftigten Arbeiter*innen vom Fairen Handel. Die Betriebe und Plantagenbesitzer*innen verpflichten sich zur Einhaltung von sozialen und ökologischen Mindeststandards. Die Arbeiter*innen bilden ein Gremium, das über die Verwendung der Fair-Handels-Prämien entscheidet.

Handwerker*innen im Fairen Handel

Foto: El Puente
El Puente Weberei

Im Handwerksbereich arbeiten meist Kleinunternehmer*innen oder Nichtregierungsorganisationen mit Produzentengruppen zusammen und organisieren die Vermarktung sowie den Export der Produkte. Sie unterstützen die Handwerker*innen mit Fortbildungen und sozialen Projekten und setzen sich auch politisch für die Rechte von Kleinproduzent*innen ein.

Neue Entwicklungen für die Produzent*innen im Fairen Handel

In den letzten Jahren nehmen die Weiterverarbeitung der Rohprodukte und ihr Vertrieb im Süden sowie der Handel zwischen verschiedenen Ländern des Südens zu. Gleichzeitig sind Produzentengruppen aus dem Norden hinzugekommen, wie z.B. die Molkereigenossenschaft Berchtesgadener Land. Über die Herstellung ihrer Waren hinaus sind viele Produzentenorganisationen in Nord und Süd auch im Bereich der politischen Lobbyarbeit aktiv und vernetzen sich mit anderen Organisationen, die sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen.

FAQ

Faire Preise im Fairen Handel – Was bedeutet das konkret?

Ziel des Fairen Handels ist es, benachteiligte Produzent/innen in Ländern des Globalen Südens ("Entwicklungsländer") durch eine andere, faire Art des Handels in die Lage zu versetzen, ihre Situation nachhaltig zu verbessern. In den Systemen des Fairen Handels wie Fairtrade International, Naturland Fair und WFTO ist der Begriff des Fairen Preises eine stehende Größe. Die Definition der WFTO zu Fairen Preisen besagt: Ein fairer Preis zeichnet sich dadurch aus, dass er den Produzent/innen eine faire Bezahlung zusichert, die sich auch auf den Märkten durchsetzen lässt. Wesentliche Aspekte hierbei sind, dass solch ein Preis von allen Beteiligten gemeinsam definiert werden muss und dies durch Dialog und Partizipation geschieht.

Fairtrade International hat über die Jahre für die meisten Produkte, die als Fairtrade-zertifiziert vermarktet werden, einen Preis definiert, der stets mindestens an die Produzent/innen gezahlt werden muss. Basis für solch einen Mindestpreis ist die Kalkulation der Kosten für die nachhaltige Produktion der jeweiligen Produkte – oftmals angeglichen an den regionalen/nationalen Kontext der Produzent/innen. Bei der Berechnung des "Mindestpreises" für ein bestimmtes Produkt wird von Fairtrade International als Grundlage die Entlohnung der Arbeiter/innen einbezogen, zumeist der gesetzliche Mindestlohn, der geringstenfalls bezahlt werden muss. Für die Kleinbäuer/innen gilt entsprechend, dass der Produkterlös umgerechnet zum Stücklohn mindestens dem jeweils gültigen gesetzlichen Mindestlohn entsprechen muss.

Während Fairtrade International überwiegend mit (teils regional abgestuften) Mindestpreisen arbeitet, die vom System vorgegeben werden, setzen andere Fair-Handels-Systeme wie die WFTO aber auch Naturland Fair, IMO Fair for Life und Ecocert Fair Trade auf einen transparenten Kalkulationsprozess zwischen Produzent/in und Käufer/in. Im Rahmen von Verhandlungen auf Augenhöhe definieren beide Parteien gemeinsam den "Fairen Preis" – im Ergebnis häufig derjenige, den die Produzent/innen selbst kalkuliert und vorgeschlagen haben. Für die Kalkulation des Preises gibt es Handreichungen inklusive Rechenmodellen, an denen sich die Produzent/innen orientieren können.

Alle genannten Fair-Handels-Systeme haben in ihren Standards als Minimum definiert, dass die gesetzlichen Mindestlöhne gezahlt werden müssen (wenn es keine Tarifabschlüsse gibt, die höher sind). Bei der Definition der Kriterien für den Fairen Handel wurde davon ausgegangen, dass ein gesetzlicher Mindestlohn dem Anspruch der Existenzsicherung – zumindest auf niedrigem Niveau – entspräche. Das trifft für einige Länder zu, für andere leider nicht. 

Mehr Informationen zum Thema "existenzsichernde Löhne" erhalten Sie in der Broschüre "Living Wages im Fairen Handel"

Wie viel kommt tatsächlich bei den Produzent*innen an?

Der Faire Handel hat den Anspruch, den Produzent*innen einen Preis zu zahlen, der sowohl die durchschnittlichen Produktionskosten deckt als auch zum Bestreiten der Lebenshaltungskosten ausreicht. So gibt es im Fairen Handel – anders als im konventionellen Handel – für Produkte wie Kaffee kostendeckende Mindestpreise. Fällt der Weltmarktpreis unter den Mindestpreis, wird dieser gezahlt, zuzüglich einer Fair-Handels- und ggf. einer Bioprämie. Steigt der Weltmarktpreis über den garantierten Mindestpreis, wird der Weltmarktpreis plus Prämien gezahlt. So liegt der faire Gesamtpreis auch in Zeiten hoher Weltmarktpreise über diesen.

Eine allgemeingültige Antwort auf die Frage, wie viel letztendlich der/die einzelne Produzent*in vom Verkaufspreis erhält, gibt es nicht. Die Preisbildung der einzelnen Produkte hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Dazu gehören die aktuell erzielten Einkaufspreise, die Verarbeitungs- und Vermarktungskosten, die Höhe des Betrages, den die Mitglieder für laufende Kosten der Kooperative abgeben müssen, und der Anteil, den die Kooperative für gemeinschaftliche Projekte einsetzt. Über die letzten beiden Punkte entscheiden die Mitglieder der Organisation gemeinsam.

Was bedeutet die langfristige Partnerschaft im Fairen Handel?

Der Faire Handel zielt darauf ab, Produzent/innen und ihre Organisationen zu stärken. Die Basis dafür ist eine verantwortungsvolle, transparente und partnerschaftliche Handelsbeziehung. Damit sich eine solche Handelsbeziehung entwickeln kann, benötigt es vor allem Zeit und Verlässlichkeit auf beiden Seiten. Daher ist die langfristige Zusammenarbeit mit verbindlichen Lieferverträgen und einer kontinuierlichen Auftragslage seit jeher Kernanliegen des Fairen Handels. Sie gibt den Produzentenorganisationen Planungssicherheit, was für Erzeuger/innen landwirtschaftlicher Produkte besonders wichtig ist. Denn deren Alltag ist häufig von schwankenden Marktpreisen, unsicheren Abnahmen sowie Ernteausfällen aufgrund klimatischer Veränderungen bestimmt. 

Zu einer langfristigen Handelsbeziehung im Fairen Handel gehören u.a. die Beratung zur gemeinsamen Produktentwicklung sowie die Unterstützung bei der Anpassung an die lokalen strukturellen und klimatischen Veränderungen. So bedeutet Langfristigkeit im Fairen Handel auch, gemeinsam Krisenzeiten zu bewältigen. 

Ansprechpartner

Foto von Manuel Blendin
Manuel Blendin
Tel. 030 / 280 40 599

Zum Weiterlesen

Beispiele von Produzent*innen im Fairen Handel:

La Sureñita in Honduras – Frauen nehmen die Geschäfte in die eigenen Hände Download

Heiveld in Südafrika – Gemeinsam für eigenes Land und gegen Klimawandel Download

Panay Fair Trade Center auf den Philippinen – Stärkung von Kleinbäuer*innen durch Handel und politische Arbeit Download

Yadawee in Ägypten – Traditionelles Handwerk und modernes Marketing Download

Zum Weiterlesen

100% fair - der Faire Handel in Deutschland. Grundsätze, Wirkungen, Akteure (Neuauflage 2016) Download