Weltläden machen Vielfalt sichtbar und erlebbar

Nadine Busch
Autorin
Nadine Busch
Öffentlichkeitsarbeit beim Weltladen-Dachverband

Hinweis: Dieses Beitrag ist in der Broschüre “Aktuelle Entwicklungen im Fairen Handel 2025” erschienen, die das FFH im Rahmen ihrer Jahrespressekonferenz im Juli 2025 herausgegeben hat.

In diesem Jahr feiert der Weltladen-Dachverband sein 50-jähriges Bestehen. Er nimmt dies zum Anlass, Erfolge wertzuschätzen, aber auch differenziert nach vorne zu blicken. Anhand des Jahresthemas der Fairen Woche 2025 „Vielfalt“ lassen sich Stärken wie auch aktuelle Herausforderungen der Weltladen-Bewegung gut zusammenfassen.

Weltläden fördern Vielfalt in allen Bereichen ihrer Arbeit wie im Verkauf fair gehandelter Produkte, in der Bildungsarbeit und im Dialog mit politischen Entscheidungsträger*innen. Gleichzeitig beschäftigt sich der Weltladen-Dachverband auch damit, wie Weltläden zukünftig noch diverser werden können. 

Lebendige Orte für Vielfalt und Engagement

Mehr als 30.000 Menschen engagieren sich in über 900 Weltläden in Deutschland, teilweise bereits seit Jahrzehnten und weitgehend ehrenamtlich. Weltläden bieten für verschiedene Altersgruppen zahlreiche Möglichkeiten sowohl für kontinuierliches als auch punktuelles Engagement – angefangen bei der Beratung der Kund*innen, Öffentlichkeitsarbeit und die Organisation von Veranstaltungen bis hin zu Bildungseinheiten in Schulen. Gerade im Lernort Weltladen wird Vielfalt auch im Denken gefördert. Bildungsreferent*innen informieren beispielsweise über globale Zusammenhänge sowie über die Menschen und Geschichten hinter Produkten. 

Weltläden sind sowohl in Städten als auch in kleinen Gemeinden zu finden. Durch ihre Unabhängigkeit können sie lokale Gegebenheiten gut berücksichtigen und sich entsprechend aufstellen. Die meisten Weltläden in Deutschland werden innerhalb von (gemeinnützigen) Vereinen als „wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb" geführt. Viele größere Weltläden sind als Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder eingetragene Genossenschaft (eG) organisiert. Auch variieren die Arbeitsschwerpunkte von Weltladen zu Weltladen: Einige sind lokal eng mit anderen Organisationen vernetzt, andere arbeiten als außerschulischer Lernort regelmäßig mit Schulen und viele pflegen insbesondere enge Kontakte zu Politiker*innen im jeweiligen Wahlkreis.

Größte Auswahl fair gehandelter Produkte

Der Jahresumsatz von Weltläden lag 2024 bei 79 Mio. Euro. Je nach Weltladen haben Lebensmittel wie Kaffee und Schokolade dabei einen Anteil von rund 50-70 Prozent. Der Großteil wird ökologisch oder in Agroforstsystemen hergestellt und trägt so zur biologischen Vielfalt bei. Daneben bieten die Fachgeschäfte des Fairen Handels eine breite Produktvielfalt im Non-Food-Bereich. Im Trend liegen Dinge des täglichen Bedarfs wie Seifen und Kleidung. Einzigartiges Kunsthandwerk und Geschenkartikel wie Schmuck oder Körbe fördern kleine Betriebe, Handwerkstechniken und damit vielfältige Berufsmöglichkeiten auch in ländlichen Regionen im Globalen Süden.

“Diese Tradition, die wir einfach fortführen, muss durchbrochen werden. Es gibt im Fairen Handel Beispiele von Lieferanten, die genau das tun. Wir sollten uns in der Bewegung immer wieder hinterfragen, öffnen und koloniale Strukturen weiter abbauen. Denn nur die Masse, die nicht betroffen ist, kann grundlegend etwas ändern.”

Gifty Rosetta Amo Antwi, Geschäftsführerin Weltladen-Dachverband e.V.

Einsatz für Demokratie und Vielfalt

Demokratische Werte, eine vielfältige Gesellschaft und bürgerschaftliches Engagement stehen aktuell unter Druck. Der Faire Handel hat nicht nur das Ziel, den Welthandel gerechter zu gestalten, sondern generell mit allen Menschen möglichst gleichberechtigt und fair umzugehen. „Wer fair handelt, ist auch demokratisch“, sagt Claudia Greifenhahn aus dem Weltladen AHA Dresden. Viele Weltläden positionieren sich für eine weltoffene und solidarische Gesellschaft, die Menschenrechte und unsere Demokratie schützt.

Weltladen-Bewegung hinterfragt koloniale Strukturen

So wie die Weltladen-Bewegung Vielfalt verteidigt, schaut sie auch immer mehr reflektierend nach innen. Aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte sind Weltläden bis heute ein eher weißer, akademisch und teils christlich geprägter Raum. „Es geht darum, die Läden so zu gestalten, dass sie für Jüngere, Menschen mit Migrationsbiografie und Personen ohne akademischen Hintergrund attraktiver werden“, sagt Gifty Rosetta Amo Antwi, Geschäftsführerin des Weltladen-Dachverbandes. Ziel ist es, die gesellschaftliche heterogene Realität besser abzubilden und dadurch auch mehr Menschen vom Fairen Handel zu überzeugen. Weltläden brauchen neue Kund*innen, damit noch mehr Handelspartner vom Fairen Handel profitieren. Gleichzeitig steht bei Weltläden ein Generationswechsel an und sie suchen neue Mitarbeitende. 

Der Weltladen-Dachverband beschäftigt sich auch mit der komplexen Frage, wie kolonial der Faire Handel und die Weltläden sind. Ein Aspekt ist, dass auch im Fairen Handel häufig landwirtschaftliche Rohstoffe aus dem Globalen Süden importiert und im Globalen Norden weiterverarbeitet werden. Der Weltladen-Dachverband fördert die Auseinandersetzung mit dem Thema in Weltläden durch verschiedene Fortbildungsformate. Weltläden können dann in Gesprächen vor Ort erklären, wieso mehr Wertschöpfung im Ursprungsland des Rohstoffes wichtig ist und zu Dekolonialisierung beiträgt.

Fairer Handel für die Ohren: fairtont. Der Weltladen-Podcast

Über Demokratie und Rechtsruck und wie Weltläden sich für eine vielfältige Gesellschaft einsetzen, geht es in der Podcastfolge #33 “Gemeinsam für Vielfalt: Weltläden engagiert für Demokratie”.

In der Podcastfolge #28 “Wie kolonial ist der Faire Handel?” dreht sich alles um das Thema Kolonialismus und Fairer Handel.

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