Was kann Permakultur?
Lösungen für eine Welt im Wandel
„Obwohl die Probleme der Welt immer komplexer werden, bleiben die Lösungen erstaunlich einfach“, so lautet ein mündlich überliefertes Zitat des Mitbegründers der Permakultur, Bill Mollison [iii]. Er war überzeugt, dass mit Gärtnern alle Probleme der Welt gelöst werden können. In den 1970er-Jahren entwickelte er Gestaltungsprinzipien, die globale Umwelt- und Gesellschaftsprobleme nicht mit immer mehr Technik, sondern mit Beobachtung, Vielfalt und Kooperation lösen wollten [iv]. Seine Ideen schöpften aus dem Wissen indigener Völker weltweit – einem tiefen Verständnis für natürliche Kreisläufe, das in der westlichen Agrarindustrie oft verloren gegangen ist. Seitdem haben sich viele der Krisen, auf die er mit Permakultur eine Antwort geben wollte, verschärft:
Die Klimakrise schreitet voran, Extremwetter werden häufiger, die Biodiversität nimmt ab. Ökosysteme verlieren ihre Widerstandskraft und Millionen Klein- und Großbäuer*innen stehen unter wirtschaftlichem und klimatischem Druck.
Systeme, die unter schwierigen Bedingungen resilient, gesund und produktiv sind, braucht die Menschheit mehr denn je. Und genau das kann Permakultur:
Böden regenerieren
Statt sie durch Monokultur, tiefes Pflügen und Kunstdünger langfristig zu erschöpfen, werden Böden in der Permakultur wie lebendige Organismen behandelt. Regenwürmer, Mikroben, Pilznetzwerke – sie alle sorgen für lockere, wasseraufnehmende Strukturen und einen gesunden Nährstoffkreislauf. Untersuchungen zeigen, dass regenerativ bewirtschaftete Böden deutlich mehr Bodenlebewesen, Humus und Nährstoffe enthalten [v] – und dadurch produktiver sind.
Biodiversität fördern
Permakultur schafft Strukturen, die Lebensräume für viele Arten eröffnen – über und unter der Erde [vi]:
Erreicht wird das zum Beispiel durch Misch- und Polykulturen und die Arbeit mit Zonen und Höhenebenen. Denn die unterschiedlichen Pflanzenarten ziehen verschiedene Insekten und Tiere an, ergänzen sich gegenseitig im Nährstoffbedarf und schützen sich vor Krankheiten. Blüh- und Wildstreifen bieten Nahrung und Rückzugsorte für Bestäuber wie Bienen, Schmetterlinge und Käfer. Hecken, Teiche und Steinstrukturen schaffen Mikrohabitate für Vögel, Amphibien und Reptilien. Unterirdisch wird die Vielfalt mittels Bodenaufbau und Mulch gefördert – Regenwürmer, Mikroben, Pilznetzwerke und viele mehr.
So entstehen artenreiche Ökosysteme, in denen Bestäubung, natürliche Schädlingskontrolle und Humusaufbau Hand in Hand gehen. Biodiversität ist damit nicht nur ein schöner Nebeneffekt – sie ist die Grundlage für produktive Kreisläufe.
Resilienz durch Vielfalt sichern
Vielfalt bedeutet Sicherheit. Unterschiedliche Arten und Sorten, mehrjährige Kulturen, gestaffelte Ernten und integrierte Tierhaltung sorgen dafür, dass ein System auf Störungen reagieren kann. Fällt eine Kulturpflanze aus, übernehmen andere Elemente. So mindert Diversität das Risiko von Totalausfällen in Jahren mit Extremwetter oder Krankheitswellen erheblich.
Permakultur denkt nicht in einzelnen Komponenten, sondern in Funktionen und Beziehungen. Jede Funktion wird von mehreren Elementen getragen. Die Wasserspeicherung zum Beispiel durch Bäume, Mulch, Teiche und die Förderung von Bodenlebewesen. Gleichzeitig erfüllt jedes Element mehrere Funktionen – Hühner fressen Schädlinge, düngen den Boden, liefern Eier, lockern Erde. So entsteht ein Netzwerk an Wechselwirkungen. Diese Vielfalt ermöglicht Selbstregulation des Systems, senkt den Krankheits- und Schädlingsdruck und unterstützt natürliche Kreisläufe.
Wasser effizient nutzen
Durch Geländeanpassung, Mulch, Bodenaufbau und Speichersysteme kann Wasser dort gehalten werden, wo es gebraucht wird – statt abzufließen, Boden wegzuschwemmen oder zu verdunsten. Gesunde, humusreiche Böden und Geländestrukturierung können wie ein Schwamm wirken – und machen den Unterschied, ob Starkregen zur Flut wird oder zur Vorratsquelle [vii].
Untersuchungen zeigen: Biologisch bewirtschaftete Böden können bei Dürre bis zu 30 % höhere Erträge bringen, weil sie mehr Wasser speichern und Pflanzen tiefer wurzeln können [viii]. So greifen sie auch auf tiefliegende Nährstoffe und Wasserreserven zu – und unterstützen die Regeneration des Grundwassers. Bei regenerativer Landwirtschaft, wie z.B. der Permakultur geht wahrscheinlich mehr: Denn durch mehr funktionale Vielfalt entstehen Systeme, die widerstandsfähiger sind als die Mindeststandards des EU-Biosiegels vorgeben [ix].
Ernährungssouveränität stärken
Permakultur ist besonders für kleinbäuerliche Strukturen geeignet – weltweit produzieren Kleinbäuer*innen 30 - 34 % unserer Nahrung auf 24 % der landwirtschaftlichen Fläche [x]. Sie ermöglicht eine regionale, unabhängige Versorgung, die nicht auf teure Betriebsmittel angewiesen ist. So wird Selbstbestimmung gefördert – besonders im Globalen Süden.
Klima schützen
Regenerative Landwirtschaft – und damit auch Permakultur – trägt aktiv zur Kohlenstoffbindung bei: durch Humusaufbau, Bäume, Dauerpflanzen und bodenschonende Bewirtschaftung. Gesunde Böden sind langfristige CO2-Speicher [xi] und können den Klimawandel bremsen.
Auch Tierhaltung kann Teil dieses Systems sein – wenn sie verantwortungsvoll integriert ist. Geplante Beweidung, die dem Weideland ausreichend Zeit zur Regeneration gibt, fördert das Gras- und Wurzelwachstum, den Humusaufbau und damit die CO2-Aufnahme im Boden [xii]. Es kommt nicht darauf an, ob Tiere gehalten werden, sondern wie: im Kreislauf, im Maß und in Beziehung zum Ökosystem.
Nährstoffreiche Lebensmittel erzeugen
Lebensmittel aus regenerativ bewirtschafteten Systemen enthalten mehr sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine und Mineralien [xiii] – weil sie auf gesunden und nährstoffreichen Böden stehen, die in natürliche Kreisläufen eingebettet sind.
Permakultur will nicht nur das Beste aus der Natur herausholen, sondern ihr auch etwas zurückgeben. Durch den Aufbau fruchtbarer Böden, der Förderung von Artenvielfalt und das Arbeiten mit statt gegen natürliche Prozesse entstehen Orte, die Produktion mit Regeneration verbinden.
Gerade in einer Zeit, in der Ernährungssicherheit bedroht ist, zeigt Permakultur: Vielfalt ist der Schlüssel zu Resilienz. Und komplexe biodiverse Ökosysteme sind kein Luxus, sondern unsere Lebensgrundlage.