"Vielfalt ist eines der großen Themen unserer Zeit"

Fotos: Gifty Amo Antwi: Weltladen-Dachverband/C. Albuschkat, Claudia Brück: Fairtrade/Tim Kewertisch, Matthias Fiedler: Angelika Zinzow
Autor
FFH Team

Die Faire Woche 2026 steht unter dem Motto “Fair handeln – Vielfalt erleben!”

Vom 11. bis 25. September rücken wir die vielen Facetten von Vielfalt im Fairen Handel in den Mittelpunkt – mit einem besonderen Fokus auf junge Menschen. Wir wollen ihre Perspektiven, ihre Lebensrealitäten, ihre Rolle für eine vielfältige Zukunft kennenlernen und ihnen ein Plattform bieten, ihre Sicht darzustellen.

Im Interview erzählen FFH-Geschäftsführer Matthias Fiedler, Claudia Brück, Vorständin von Fairtrade Deutschland, und Gifty Amo Antwi, Geschäftsführerin beim Weltladen-Dachverband, was es mit dem Jahresthema auf sich hat.

Liebe Claudia, warum ist euch der Fokus auf die junge Generation im Kontext von Vielfalt wichtig?

Heute gestalten wir die Zukunft, in der die junge Generation leben wird. Daher ist ihre Beteiligung an den heutigen Diskussionen so wichtig und wertvoll. Und nicht nur an den Diskussionen, auch an der konkreten Ausgestaltung einer nachhaltigen Zukunft können junge Leute heute schon mitwirken.

Lieber Matthias, welche aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen haben euch dazu inspiriert, das Thema in diesem Jahr wieder aufzugreifen?

Das Thema ist so aktuell, dass man das auch locker noch mehrere Jahre aufgreifen könnte. Vielfalt - und wie wir sie bewahren - ist schlicht und einfach eines der großen Themen unserer Zeit. Vor allem auch, weil es gesellschaftliche Kräfte gibt, die uns einreden wollen, dass Diversität und verschiedenartige Lebensentwürfe und Herkünfte etwas Schlechtes sind. Gegen Rechtsruck und Entsolidarisierung hilft es, positive Geschichten zu erzählen und das macht die Faire Woche mit dem Jahresthema. Eine vielfältige Gesellschaft ist eine starke Gesellschaft und Vielfalt ist, was das Leben spannend macht.  

Liebe Gifty, welche Rolle spielt Vielfalt für eine gerechte und zukunftsfähige Weltwirtschaft?

Eine vielfältige Weltwirtschaft mit unterschiedlichen Akteuren und regionalen Strukturen ist krisenresistenter, gerechter und innovativer. Sie ermöglicht, dass nicht nur wenige Länder oder Konzerne profitieren, sondern auch kleine Produzentenorganisationen und marginalisierte Gruppen. Vielfalt ist damit Grundlage für eine wirtschaftlich, sozial und ökologisch zukunftsfähige Welt.

Über die Faire Woche

Seit mehr als 20 Jahren lädt die Faire Woche jeden September alle Menschen in Deutschland dazu ein, Veranstaltungen zum Fairen Handel in ihrer Region zu besuchen oder selbst zu organisieren. Mit jährlich rund 2.000 Aktionen ist sie bundesweit die größte Aktionswoche des Fairen Handels. Die nächste Faire Woche findet vom 11. bis 25. September 2026 statt und steht unter dem Motto “Fair handeln - Vielfalt erleben!” Das Besondere an der Fairen Woche ist: Jede*r kann mitmachen. Ob Privatperson, Weltladen-Gruppe, Politiker*in oder Fairtrade-Town – alle sind eingeladen, selbst eine Aktion zur Fairen Woche zu organisieren und so Teil der großen Fair-Handels-Bewegung zu werden.

Mehr Informationen zur Fairen Woche 2026

Liebe Claudia, wie vielfältig ist der Faire Handel eigentlich – in seinen Strukturen, Themen und Gesichtern?

Vielfalt ist in alle Richtungen gemeint: jung und alt, Süd und Nord, Konsum und Engagement, politisch und ökonomisch, Kaffee und Kunsthandwerk - der Faire Handel bietet sehr vielseitige Anknüpfpunkte für sehr vielfältige Menschen.

Liebe Gifty, wie kann der Faire Handel junge Menschen ansprechen, die Vielfalt selbstverständlich leben?

Junge Menschen erleben Vielfalt als Alltag – Fairer Handel kann daran anknüpfen, indem er authentisch, partizipativ und lebensnah auftritt. Storytelling auf Augenhöhe, Mitgestaltungsmöglichkeiten und klare Haltung zu Themen wie Klimagerechtigkeit und Antirassismus machen Fairen Handel relevant. So wird Fairer Handel nicht als Pflicht, sondern als coole, bewusste Lebensweise wahrgenommen.

Lieber Matthias, was können wir voneinander lernen, wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen?

Die einfache Antwort ist: Man lernt halt nichts und wird schrecklich einfältig, wenn man immer nur die eigene Perspektive oder die der In-Group im Auge hat. Ich glaube ja, dass alle Menschen diesen schönen Moment kennen, wenn sie etwas hören oder sehen, was ihren Horizont erweitert, sie staunen lässt oder zum Nachdenken bringt. Wenn man sich auf unterschiedliche Perspektiven einlässt, dann passiert das immer wieder und solche Momente wollen wir mit der Fairen Woche schaffen.

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