Ungleichheit und Marktmacht gefährden die Vielfalt

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Autor
Annika Jungbluth (Weltladen-Dachverband), Martin Schüller (Fairtrade Deutschland) und Matthias Fiedler (Forum Fairer Handel)

Hinweis: Dieser Beitrag erschien in der Hintergrundbroschüre zur Fairen Woche 2025. Diese können Sie hier herunterladen.

Es ist wirklich nicht klug, die Vielfalt in all ihren Ausprägungen und Formen zu zerstören. Ist es also vor allem die Einfalt der Menschen, die Vielfalt am meisten bedroht? Das Problem liegt leider tiefer und hat viel mit Machtverhältnissen und der daraus resultierenden Ungleichheit zu tun. Bleiben wir zunächst bei der Problembeschreibung und betrachten dabei drei Aspekte von Vielfalt, die auch im Fairen Handel eine Rolle spielen: biologische Vielfalt, Vielfalt entlang von Lieferketten und kulturelle Vielfalt.

Verlust von biologischer Vielfalt

Zuerst das Wichtigste: Es steht nicht gut um die biologische Vielfalt. Unsere Existenzgrundlage, also die Vielfalt der Gene, Arten und Lebensräume, ist in Gefahr. Über die Haupttreiber für den Biodiversitätsverlust herrscht Einigkeit: Nutzungsänderungen von Land, Süßwasser und Meer, Ausbeutung natürlicher Ressourcen, Klimawandel, Umweltverschmutzung und Ausbreitung invasiver Arten. Auffällig dabei ist, dass die ersten vier Treiber durch das Streben nach Marktbeherrschung und Profitmaximierung entscheidend von Mächtigen bestimmt werden. Beispiel Landwirtschaft: Immer mehr Böden werden durch Bebauung versiegelt, Monokulturen der industriellen Landwirtschaft stellen Effizienz und Profit über Vielfalt und Nachhaltigkeit. Das hat zur Folge, dass bäuerliche Landwirtschaft und Anbaumethoden, die biologische Vielfalt fördern, weltweit stark unter Druck stehen. Beispiel Bergbau: Der weltweite Hunger nach mineralischen Ressourcen zerstört unseren Planeten. Durch verantwortungslose Abbaupraktiken in industriellen Tagebauen werden Wälder
gerodet, Flüsse vergiftet, Menschen ausgebeutet und großflächig Ökosysteme zerstört. 

Die Liste ließe sich verlängern, das Grundmuster bleibt: Um Macht und Einfluss zu erlangen, gibt es einige wenige, die eine strukturelle Macht aufbauen, großen Reichtum anhäufen, die Ungleichheit weltweit erhöhen und damit die biologische Vielfalt gefährden. 

Machtungleichheit entlang der Lieferketten

Auch entlang von Lieferketten im Agrarbereich ist es in den letzten Jahrzehnten zu einer Marktkonzentration und einem Verlust von Vielfalt gekommen. Dieser Verlust hat ein großes Machtungleichgewicht zwischen Akteuren in der Lieferkette zur Folge und stellt eine große Gefahr für Menschenrechte und Umwelt dar. In der Kaffeelieferkette beispielsweise dominieren wenige große Unternehmen die zentralen Punkte – Einkauf, Rösterei und Handel – und sichern sich damit die weitaus größten Anteile der Wertschöpfung, während die Produzent*innen unter existenziellen Einkommensverlusten leiden. Das verstärkt die Landflucht, da immer mehr Produzent*innen aufgeben müssen. Die Landwirtschaft wird zunehmend von großen, industrialisierten Plantagen übernommen. Zusätzlich steigern große Unternehmen ihre Macht, indem sie mehrere Stationen der Lieferkette – z. B. den Anbau, die Verarbeitung und den Vertrieb – in ihr eigenes Unternehmen integrieren. Diese wachsende Machtungleichheit schadet Produzent*innen weltweit.

Kulturelle Vielfalt unter Druck

Auch die kulturelle Vielfalt gerät zunehmend unter Druck – besonders durch das Erstarken des Rechtspopulismus. Dabei ist es ein wichtiger Grundstein für zukunftsfähige Gesellschaften, unterschiedliche Perspektiven bedenken zu können und verschiedene kulturelle Zugänge zu gesellschaftspolitischen Themen wertzuschätzen. Auf lange Sicht gefährdet dieser Verlust unsere Demokratie, da es eine vielfältige Gesellschaft braucht, um den Machtansprüchen und der Einflussnahme von Superreichen wirksam etwas entgegenzusetzen. Deshalb ist es eine Strategie der politischen Rechten und Autokrat*innen, Diversität in der Gesellschaft konsequent zu bekämpfen.

Was ist zu tun?

Auch wenn es unterschiedliche Bereiche sind, so hängt doch alles miteinander zusammen. Biologische Vielfalt, vielfältige Lieferketten und diverse Gesellschaften sind wichtige Elemente eines guten Lebens für alle auf einem intakten Planeten. Um dem Verlust von Vielfalt etwas entgegenzusetzen, müssen wir in vielen Bereichen gleichzeitig ansetzen und uns dem Einfluss von Macht, Marktkonzentration und ungleicher Verteilung entgegenstellen. Diese Aufgabe ist für den Fairen Handel allein zu groß, aber wir haben einen wichtigen Beitrag zu leisten. Indem wir durch faire und direkte Handelsbeziehungen einem sich immer stärker konzentrierten Markt die Stirn bieten. Indem wir politische Rahmenbedingungen verändern, um Machtungleichgewichte wirksam zu bekämpfen. Und indem der Faire Handel stärker als bisher ökologische Anbaumethoden und den Erhalt von Biodiversität in den Fokus rückt und das Konzept stärker in seinen Prinzipien verankert. 

Das alles schaffen wir nur, wenn wir weltoffen und vielfältig bleiben und uns mit anderen zukunftgerichteten Bewegungen zusammentun. Die Faire Woche bietet eine gute Möglichkeit, gleich damit anzufangen!

Über die Faire Woche

Die Faire Woche ist die größte Aktionswoche des Fairen Handels in Deutschland. Sie lädt jeden September alle Menschen in Deutschland dazu ein, Veranstaltungen zum Fairen Handel in ihrer Region zu besuchen oder selbst zu organisieren. 

Die Faire Woche 2025 findet vom 12. bis 26. September 2025 unter dem Motto “Fair handeln - Vielfalt erleben” statt.

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Publikationen zum Thema
Forum Fairer Handel (2025):

Biologische Vielfalt und Fairer Handel

Forum Fairer Handel (2025):

Kompass Fairer Handel: "Biologische Vielfalt und Fairer Handel"

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