In der Broschüre „Biologische Vielfalt und Fairer Handel“ stellen wir das Konzept der Agrarökologie vor. Diese unterstützt die Landwirtschaft dabei, die biologische Vielfalt zu erhalten. Darüber hinaus verbinden das Konzept der Agrarökologie und der Faire Handel die gleichen Prinzipien: Faire Handelspraktiken, Schutz der Umwelt und gute Arbeitsbedingungen. Eine Form der Agrarökologie ist der (dynamische) Agroforst. Beim Fair-Handels-Partner Serendipalm aus Ghana bauen Kleinbäuer*innen Palmöl nach diesem Konzept an.
Zum Thema haben wir mit Samah Arkaifie gesprochen, die Managerin für Fairen Handel und landwirtschaftliche Beratung sowie Projektleiterin des dynamischen Agroforstprojekts bei Serendipalm Company Ltd. ist.
FFH: Liebe Samah Arkaifie, bei Serendipalm baut ihr Palmöl nach dem Konzept der dynamischen Agroforstwirtschaft an. Was ist an dem Konzept neu und das Besondere?
Samah Arkaifie: Landwirt*innen in Ghana haben schon immer verschiedene Dinge für den Eigenbedarf angepflanzt. Die dynamische Agroforstwirtschaft unterscheidet sich zwar nicht grundlegend von traditionellen Anbaumethoden. Doch weil sie sehr systematisch geplant werden muss und man genau wissen muss, was man wie, wann und wo anbaut, ist sie für viele Bäuer*innen etwas völlig Neues. In der dynamischen Agroforstwirtschaft wird alles mit einer gewissen Intention angepflanzt. Außenstehende Personen könnten denken, dass alles in einem Chaos wächst, weil es so viele verschiedene Dinge gibt. Dennoch steckt hinter dem Konzept eine systematische Planung. Es ist eine sehr schöne Anlage. Wenn wir Besucher*innen haben, freuen sie sich jedes Mal, wenn sie es sehen. Auch für die Arbeiter*innen ist es hier einfacher. Denn durch die hohen Bäume können sie im Schatten arbeiten.
FFH: Wie gelang die Umstellung auf das System des dynamischen Agroforsts?
Samah Arkaifie: Als wir im Jahr 2020 mit der Einarbeitung der Landwirt*innen begannen, hatten wir zunächst nur wenige Landwirt*innen, die Interesse zeigten. Es stellte eine gewisse Herausforderung dar, da sie nicht daran gewöhnt sind, ihre Anbauflächen gemäß den Vorgaben des dynamischen Agroforsts zu bewirtschaften. Die übliche Praxis war, dass sie ihre Felder in der Anfangsphase abbrennen und so alles auf der Fläche beseitigen, um sie dann neu zu bepflanzen. Bei der Agroforstwirtschaft hingegen werden nur Teile der Fläche gejätet, bevor man pflanzt. Die geschnittene Biomasse wird dann zum Mulchen verwendet. Durch die Vermittlung von Hintergrundinformationen, die Organisation von Schulungen und den Austausch zwischen Landwirt*innen stellten schließlich insgesamt 430 Landwirt*innen Teile ihrer Felder für den dynamischen Agroforst zur Verfügung.
FFH: Das Konzept des dynamischen Agroforsts ist sehr komplex und arbeitsintensiv. Inwiefern habt ihr die Landwirt*innen am Anfang bei der Umsetzung unterstützt?
Samah Arkaifie: Zu Beginn haben wir viele junge Menschen zu Fachkräften ausgebildet, wodurch einige Arbeitsplätze entstanden sind. Sie eigneten sich die Fähigkeiten für diese spezielle Methode an, sodass sie die Erstbepflanzung für die Landwirt*innen vornehmen konnten. Am Ende beschäftigten wir etwa 90 junge Männer und Frauen, die die Landwirt*innen bei diesem Prozess unterstützen konnten. Unsere Fachkräfte kümmerten sich dann nach dem System des dynamischen Agroforsts um das Unkrautjäten und die Bepflanzung und sorgten für die Instandhaltung der Felder.