Das klingt wirklich herausfordernd, aber es gibt noch mehr Entwicklungen, die den Kooperativen die Planung erschweren, korrekt?
Ja, zu den Herausforderungen für die Kooperativen kommen noch massive Störungen im Containerverkehr hinzu. Es kommt derzeit immer wieder zu Krisen, die die Schifffahrt beeinträchtigen. So ist derzeit schwerer abzusehen, wann der Kaffee tatsächlich verschifft wird. Nicht selten liegt die Ware im Hafen bereit, die Kooperative möchte den Kaufpreis festlegen, aber die Verschiffung wird immer wieder verschoben. Entsprechend müssen die Kooperativen weiter Zinsen für die aufgenommenen Kredite bezahlen. Denn solange der Kaffee nicht auf dem Schiff ist, wird er nicht bezahlt.
Generell müssen die Kaffeekooperativen in diesen Zeiten einen besonders engen Kontakt mit ihren Mitgliedern pflegen. Deren Führungsteam muss die Kaffeebäuer*innen sehr häufig besuchen und transparent informieren, um dafür zu sorgen, dass die Mitglieder den Kaffee auch wirklich bei der Kooperative abliefern. Denn in diesen Zeiten bekommen sie auch vermeintlich attraktive Angebote von anderen Ankäufern wie den so genannten „Kojoten“. Meist zahlen die Kooperativen bessere Preise, aber dafür bekommen die Bäuer*innen ihr Geld auf dem „Straßenmarkt“ umgehend ausgezahlt, was angesichts von häufig geringen oder nicht vorhandenen Rücklagen willkommen sein kann. In solchen Hochpreisphasen erweist sich, wie wichtig gute und verlässliche Beziehungen innerhalb der Kooperative und zu den Importeuren sind. Ersteres, damit die Mitglieder wissen, dass sie immer zuverlässig von der Kooperative bezahlt worden sind und Preise erhalten haben, die über dem „Straßenpreis“ liegen. Die Beziehung zwischen den Importeuren und den Kooperativen muss ebenfalls stabil und sehr zuverlässig sein, weil dann die Kooperative weiß, welche Mengen abgenommen werden und dass pünktlich bezahlt wird. Wiederum können wir als Importeure uns dann auch darauf verlassen, dass der gewünschte Kaffee geliefert wird, was in unserem Fall geklappt hat, obwohl im vergangenen Zyklus im Mittelamerika insgesamt geringere Mengen geerntet wurden.
Insbesondere in Nicaragua haben die Produzent*innen zwar einen hohen Preis für ihren Kaffee bekommen haben, aber für eine geringere Menge. Der zurückliegende Erntezyklus hat entsprechend Chancen geboten, aber auch sehr viele Risiken mit sich gebracht. Er hat den Produzent*innen immerhin den Spielraum verschafft, dass sie sich von den schlechten Preisen der letzten Jahre erholen können. Das heißt, dass sie Kredite zurückzahlen und Investitionen in ihre Kaffeefelder machen können. Allerdings relativiert sich der Geldsegen insofern noch mehr, als dass die Lebenshaltungskosten in Kaffeeregionen auch steigen, wenn die Bäuer*innen mehr Geld für ihre Ernte bekommen.