Führungswechsel bei WeltPartner eG: Nataliya Yarmolenko neu im Vorstandsteam

Interview mit Nataliya Yarmolenko, Vorständin bei WeltPartner eG.

FFH: Nataliya, du bist seit Juni 2025 Vorständin der WeltPartner-Genossenschaft und führst nun ein ganz besonderes Unternehmen, das seit 1988 Maßstäbe im Fairen Handel setzt. Zunächst möchten wir dich im Forum Fairer Handel herzlich willkommen heißen! Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit dir, nicht zuletzt, weil du ganz viele Erfahrungen mitbringst, die für uns als Fair-Handels-Bewegung extrem spannend sind. Allen voran warst du über 20 Jahre in führenden Positionen bei Weleda tätig, die letzten drei Jahre als Co-CEO. Und eigentlich wolltest du nach all der Zeit im operativen Geschäft „nur noch“ beratend tätig sein. Was hat dich bewogen, wieder das Ruder eines Unternehmens zu übernehmen und was reizt dich am Fairen Handel? 

Nataliya Yarmolenko: Stimmt – nach vielen intensiven Jahren in der Unternehmensführung hatte ich mir bewusst eine Phase der Beratung genommen, um andere zu begleiten und selbst neue Perspektiven zu gewinnen. Dann kam WeltPartner – und das Gefühl, dass hier vieles zusammenpasst, hat mich dazu bewegt, wieder operative Verantwortung zu übernehmen.

Vielleicht, weil WeltPartner genau das vereint, was mir wichtig ist: ein werteorientiertes, gemeinwohlorientiertes Unternehmen, das wirtschaftlich tragfähig ist und gleichzeitig Haltung zeigt.

Der Faire Handel steht für mich für beides – Wirkung und Wirksamkeit. Besonders wichtig ist mir, dass wir mit jedem Produkt nicht nur Einkommen sichern, sondern auch dazu beitragen, dass Menschen in Würde und Eigenverantwortung leben und arbeiten können. Es geht nicht um Hilfe von oben, sondern um faire Partnerschaft auf Augenhöhe.

Das ist für mich eine sinnvolle und motivierende Aufgabe – der ich mich mit Energie, Erfahrung und Überzeugung widme.

Was ist das Erfolgsgeheimnis von Weleda und wie lässt es sich auf ein Pionier-Unternehmen des Fairen Handels übertragen?

Weleda hat gezeigt, dass es möglich ist, über Jahrzehnte wirtschaftlich erfolgreich zu sein, ohne sich vom eigenen Wertekompass zu entfernen. Das gelingt, wenn die Identität klar ist, wenn Kultur, Marke und Produktqualität stimmig sind – und wenn sich Führung immer wieder an der Frage orientiert: „Wozu tun wir das?“

Diese Erfahrung möchte ich bei WeltPartner einbringen: Wie können wir unsere Herkunft ehren und gleichzeitig den Mut haben, neue Wege zu gehen? Wie gelingt Wandel, ohne uns selbst zu verlieren? Dafür braucht es Klarheit, Dialog – und manchmal auch unbequeme Entscheidungen.

“Gleichzeitig ist mir wichtig, dass wir auf diesem Weg unsere Partner*innen mitnehmen – unsere Genossenschaftsmitglieder und die Produzent*innen weltweit. Nur gemeinsam kann uns der nächste Entwicklungsschritt gelingen.”

Nataliya Yarmolenko, Vorständin der WeltPartner eG

Du hast in deinem ersten LinkedIn-Post bei den WeltPartnern geschrieben, dass du mit deinem neuen Team daran arbeiten möchtest, die rund 1.500 fair gehandelten Food- und Non-Food-Produkte, die die WeltPartner eG vor allem in Weltläden und online anbietet, bekannter und besser verfügbar zu machen – und die Organisation in ihren nächsten Entwicklungsschritt zu führen. Kannst du schon etwas darüber sagen, was es dafür braucht bzw. welche Akzente du dabei setzen möchtest?

Kurzfristig geht es für mich darum, gemeinsam mit dem Team Orientierung für das neue Geschäftsjahr 2025/2026 zu schaffen. Ich sehe das kommende Jahr als ein Brückenjahr in die Zukunft: Es gilt, unsere Basis zu sichern, den Umsatz zu stabilisieren und gleichzeitig neue Impulse für die Weiterentwicklung zu setzen.

Mittel- und langfristig möchten wir unsere Reichweite gezielt ausbauen – insbesondere im Biofachhandel, im Onlinebereich und in neuen Vertriebskanälen – und unsere Marke klarer positionieren. Ein zentraler Schwerpunkt wird dabei die Professionalisierung unserer Marktbearbeitung sein: mit klaren Prioritäten, passgenauen Angeboten und stärkerer Kundenorientierung.

Dazu gehören ein geschärftes Markenprofil, eine attraktivere Sortimentsgestaltung und eine strategischere Vertriebs- und Marketingarbeit. Ebenso wollen wir die Zusammenarbeit mit den Weltläden weiter stärken – durch mehr Dialog, gezielte Unterstützung und die gemeinsame Weiterentwicklung des Sortiments.

Gleichzeitig ist mir wichtig, dass wir auf diesem Weg unsere Partner*innen mitnehmen – unsere Genossenschaftsmitglieder und die Produzent*innen weltweit. Nur gemeinsam kann uns der nächste Entwicklungsschritt gelingen.

Welches der 10 Prinzipien des Fairen Handels liegt dir auf Anhieb am meisten am Herzen und warum?

Alle Prinzipien sind wichtig und greifen ineinander – aber besonders am Herzen liegt mir das Prinzip 5: Keine ausbeuterische Kinderarbeit. Als gelernte Kinderärztin weiß ich, wie entscheidend eine sichere, gesunde Kindheit für die gesamte Lebensentwicklung ist. Der Faire Handel schützt nicht nur Kinder vor Ausbeutung, sondern setzt sich aktiv dafür ein, dass sie Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung und Perspektiven bekommen.

Mich beeindruckt, dass viele unserer Handelspartner*innen nicht nur auf faire Produktionsbedingungen achten, sondern darüber hinaus gezielt soziale Projekte unterstützen – wie etwa das Preda-Mango-Projekt auf den Philippinen, das Kleinbauernfamilien stärkt und gleichzeitig Kinder vor Gewalt schützt. Oder Get Paper Industry in Nepal, wo Bildungsprogramme und Aufklärungsarbeit fester Bestandteil der Arbeit sind.

Dieses Prinzip steht für mich sinnbildlich dafür, was Fairer Handel bewirken kann: Würde, Schutz und Zukunft – gerade für diejenigen, die selbst keine Stimme haben.

Hast du schon ein Lieblingsprodukt aus eurem reichen Sortiment?

Ich bin begeistert von der Vielfalt – aber, wenn ich mich entscheiden muss, dann sind es unsere Mango-Produkte von Preda. Als Mutter und Großmutter berührt mich die Verbindung von fairer und ökologischer Landwirtschaft mit dem Schutz von Kindern in schwierigen Lebenssituationen zutiefst. Hier zeigt sich exemplarisch, wie wirtschaftliches Handeln mit sozialem Engagement verknüpft werden kann. Und ganz nebenbei: Ich liebe Mangos – umso schöner, wenn sie so viel Gutes bewirken.

Nataliya Yarmolenko ist seit Juni 2025 Vorständin der WeltPartner eG. Die gebürtige Ukrainerin studierte Medizin und war anschließend als Ärztin mit Schwerpunkt Naturheilkunde tätig. Im Jahr 2002 wechselte Yarmolenko in die nachhaltige Wirtschaft und baute für Weleda internationale Märkte auf. Von 2020 bis 2023 war sie Mitglied der Geschäftsleitung und als Chief Commercial Officer (CCO) für globale Märkte und Marketing und Kommunikation verantwortlich. Nach ihrer Zeit bei Weleda war sie als selbstständige Beraterin und Coachin tätig und begleitete Unternehmen und Führungskräfte in Transformationsprozessen – stets mit dem Anspruch, Wandel wertebasiert, wirksam und menschenzentriert zu gestalten. Seit Juni 2025 bringt sie diese Erfahrung in die WeltPartner eG ein – mit dem Ziel, die Fair Trade Genossenschaft strategisch weiterzuentwickeln, ihre Sichtbarkeit zu stärken und ihre besondere Rolle als sozial-ökologisches Unternehmensmodell zukunftsfähig auszubauen.

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