Faire Wildsammlung schützt Biodiversität

Foto: Last Forest

Autorin
Silke Bölts
Referentin für Klimapolitik und Fairen Handel

Durch eine als fair zertifizierte Wildsammlung entstehen Einkommensquellen in ländlichen Regionen, altes Wissen wird genutzt und traditionelle Kulturen gepflegt. Die natürlichen Ressourcen werden nachhaltig und wirtschaftlich genutzt – und dadurch erhalten. 

Was bedeutet “Wildsammlung”?

Von "Wildsammlung" wird gesprochen, wenn Früchte, Honig, Nüsse, Kräuter oder andere Naturprodukte nicht speziell angebaut werden, sondern von selbst in der Natur vorkommen und dann lediglich gesammelt werden. Dabei ist es wichtig, dass die Ernte behutsam entnommen wird und die Bestände nicht übernutzt werden. So können sie sich wieder regenerieren und stehen in der nächsten Erntezeit wieder zur Verfügung. Vor der Saison festgelegte Entnahmemengen und Übersichten, wo gesammelt wird, helfen, den Überblick zu bewahren. 

Wildsammlungen schützen Biodiversität und bewahren traditionelle Praktiken

Wildsammlungen können dazu beitragen, dass Naturgebiete (z.B. Wälder) erhalten bleiben, weil sie so nachhaltig wirtschaftlich genutzt werden können. Das ist besonders für indigene Gruppen wichtig, da sie so ein (zusätzliches) Einkommen erwirtschaften und ihre Gebiete beschützen können. Die nachhaltige wirtschaftliche Nutzung hilft auch, eine Umwandlung der Fläche durch Abholzung in bspw. landwirtschaftliche Fläche, zu verhindern. 

Wildsammler*innen kennen ihre Sammelgebiete in der Regel sehr gut und haben genaue Kenntnisse über die Natur und die zu sammelnden Pflanzen. Oft greifen sie auch auf altes Wissen zurück oder nutzen traditionelle Praktiken, wie z.B. beim Sammeln von wildem Honig in luftigen Höhen (siehe Beispiel von Last Forest weiter unten).

Fair-Handels-Standards für Wildsammlungen 

Sowohl Fair for Life als auch Naturland Fair haben Fair-Handels-Standards für Wildsammlungen entwickelt. Die Standards sind sich sehr ähnlich. Wird das Naturland-Zeichen für Wildsammlungen mit der Naturland Fair-Zertifizierung verknüpft, werden sowohl ökologische, soziale und Fair-Handels-Standards berücksichtigt als auch Wildsammlungskriterien.
Diese ganzheitlich nachhaltige Produktion ist mit dem Fair for Life-Handelsstandard vergleichbar. Denn die "zertifizierte Wildsammlung" bei Naturland enthält ebenfalls weitere Kriterien, die erfüllt sein müssen, um die jeweiligen Ökosysteme zu schützen und eine hohe Produktqualität sicherzustellen. 

Für beides gilt unter anderem Folgendes: 

  • Die Sammlung darf nur in angemessenem Abstand zu potenziellen Schadstoffquellen (z.B. Straßen, Industrieanlagen) erfolgen, um Kontaminationen zu vermeiden. Regelmäßige Rückstandsanalysen gewährleisten zusätzliche Produktsicherheit.
  • Der Bestand der gesammelten Arten wird kontinuierlich überwacht, sodass bei Anzeichen einer Gefährdung die Sammelmenge reduziert oder ausgesetzt wird. Bestehen bereits Nutzungsansprüche der lokalen Bevölkerung, muss sichergestellt werden, dass keine Übernutzung durch die gewerbliche Sammlung entsteht. 

Beispiele von Wildsammlungen bei Fair-Handels-Partnern in Peru, Indien und Südafrika

Wildsammlung von Paranüssen bei Perú Puro 

Der Paranussbaum ist sehr groß und kann mehrere hundert Jahre alt werden, wenn er von einem naturbelassenen Wald umgeben ist. Die Früchte sehen so ähnlich aus wie Kokosnüsse und fallen auf den Boden, wenn sie reif sind. Die Samen sind dann die bekannten Paranüsse. Der Baum benötigt den Regenwald, weil eine bestimmte dort lebende Nagetierart (die Agutis) für die Verbreitung der Samen sorgt und nur die Prachtbiene die besonders geformten Blüten bestäuben kann, welche wiederum von den auf dem Paranussbaum wachsenden Orchideen abhängig ist. Der Paranussbaum lässt sich aufgrund dieser vielen Abhängigkeiten nicht gezielt anbauen und wächst vor allem im Regenwald in Brasilien, Peru und Bolivien. Alle Paranüsse stammen also aus Wildsammlung. Die Sammlung von nachhaltig, fair und wild gesammelten Paranüssen schützt den Erhalt des Regenwaldes, denn die wirtschaftliche Nutzung des Waldes bietet einen zusätzlichen Grund, den Wald zu schützen. Der Faire Handel, wie z. B. das Unternehmen Perú Puro, trägt außerdem bei den Wildsammler*innen zu einem besseren Einkommen bei.

Aufgrund des Klimawandels werden Regenfälle in den Sammelgebieten des Regenwaldes jedoch immer unregelmäßiger. Dies hat auch Auswirkungen auf die Sammlung der Paranüsse, denn die Ernte kann dann geringer ausfallen und das Einkommen der Sammler*innen ist so gefährdet oder aber es kann wegen Überschwemmungen gar nicht erst gesammelt werden. 

Mehr Informationen zu Paranüssen von Perú Puro befinden sich hier

Wildsammlung von Honig bei Last Forest in Indien

Das Fair-Handels-Unternehmen Last Forest arbeitet mit lokalen Kooperativen im Nilgiri-Gebirge, einem sehr artenreichen Ökosystem und großem Waldgebiet, im Süden Indiens zusammen. Dort leben indigene Gemeinschaften, die sich auf die Ernte wilden Honigs spezialisiert haben. Die endemische (d.h. nur dort lebende) besonders große Bienenart Apis Dorsata baut ihre Bienenstöcke z.B. in Felsspalten oder in hohen Baumwipfeln. Die indigenen Sammler*innen haben Techniken entwickelt, wie sie mit Strickleitern hochklettern können und mit Rauch die Bienen vertreiben. Der Honig wird in Indien zum Verzehr verkauft und aus dem Bienenwachs werden Kosmetikprodukte gefertigt, die auch in Deutschland angeboten werden. 

Mehr Informationen zu Last Forest befinden sich hier auf der Seite von El Puente.

Wildsammlung in Deutschland

In Deutschland müssen für die gewerbliche Wildsammlung, z.B. für Bärlauch, gesetzliche Vorgaben eingehalten werden, wie bspw. die vorherige Anmeldung des Sammelgebiets. So kann verhindert werden, dass dort eine Pflanze übernutzt und so im Bestand geschädigt wird. 

Als Privatperson darf man pro Tag einen Handstrauß Pflanzen aus der Natur mitnehmen, wenn man nicht in Naturschutzgebieten oder gefährdete Arten sammelt. 

Wildsammlung von Rooibos-Tee in Südafrika

Mit Hilfe des Fairen Handels konnte die Kooperative Heiveld mit der Umstellung auf ökologischen Anbau beziehungsweise auf Wildsammlung des Rooibos beginnen. Die Sammlung ist die nachhaltigste Form der Rooibostee-Gewinnung, denn durch sie wird das ökologische Gleichgewicht geschützt.

Den Mitgliedern von Heiveld liegt besonders viel am Erhalt der außergewöhnlichen Artenvielfalt der Region und an einem schonenden und damit nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen wie den Rooibos-Sträuchern. Aus diesen Gründen arbeitet die Kooperative mit lokalen Umweltschutz-Organisationen zusammen.

Mehr Informationen zur Kooperative Heiveld finden sich auf der Seite der GEPA

Danke an Drin. Eva Kohlschmid, Naturland und Judith Krämer, Ecocert Deutschland, Hugo Despretz, Ecocert Swiss AG sowie Markus Kruschewsky, GEPA für die fachliche Beratung. 

Publikationen zum Thema
Forum Fairer Handel (2025):

Biologische Vielfalt und Fairer Handel

Forum Fairer Handel (2025):

Kompass Fairer Handel: "Biologische Vielfalt und Fairer Handel"

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