Durch eine als fair zertifizierte Wildsammlung entstehen Einkommensquellen in ländlichen Regionen, altes Wissen wird genutzt und traditionelle Kulturen gepflegt. Die natürlichen Ressourcen werden nachhaltig und wirtschaftlich genutzt – und dadurch erhalten.
Was bedeutet “Wildsammlung”?
Von "Wildsammlung" wird gesprochen, wenn Früchte, Honig, Nüsse, Kräuter oder andere Naturprodukte nicht speziell angebaut werden, sondern von selbst in der Natur vorkommen und dann lediglich gesammelt werden. Dabei ist es wichtig, dass die Ernte behutsam entnommen wird und die Bestände nicht übernutzt werden. So können sie sich wieder regenerieren und stehen in der nächsten Erntezeit wieder zur Verfügung. Vor der Saison festgelegte Entnahmemengen und Übersichten, wo gesammelt wird, helfen, den Überblick zu bewahren.
Wildsammlungen schützen Biodiversität und bewahren traditionelle Praktiken
Wildsammlungen können dazu beitragen, dass Naturgebiete (z.B. Wälder) erhalten bleiben, weil sie so nachhaltig wirtschaftlich genutzt werden können. Das ist besonders für indigene Gruppen wichtig, da sie so ein (zusätzliches) Einkommen erwirtschaften und ihre Gebiete beschützen können. Die nachhaltige wirtschaftliche Nutzung hilft auch, eine Umwandlung der Fläche durch Abholzung in bspw. landwirtschaftliche Fläche, zu verhindern.
Wildsammler*innen kennen ihre Sammelgebiete in der Regel sehr gut und haben genaue Kenntnisse über die Natur und die zu sammelnden Pflanzen. Oft greifen sie auch auf altes Wissen zurück oder nutzen traditionelle Praktiken, wie z.B. beim Sammeln von wildem Honig in luftigen Höhen (siehe Beispiel von Last Forest weiter unten).
Fair-Handels-Standards für Wildsammlungen
Sowohl Fair for Life als auch Naturland Fair haben Fair-Handels-Standards für Wildsammlungen entwickelt. Die Standards sind sich sehr ähnlich. Wird das Naturland-Zeichen für Wildsammlungen mit der Naturland Fair-Zertifizierung verknüpft, werden sowohl ökologische, soziale und Fair-Handels-Standards berücksichtigt als auch Wildsammlungskriterien.
Diese ganzheitlich nachhaltige Produktion ist mit dem Fair for Life-Handelsstandard vergleichbar. Denn die "zertifizierte Wildsammlung" bei Naturland enthält ebenfalls weitere Kriterien, die erfüllt sein müssen, um die jeweiligen Ökosysteme zu schützen und eine hohe Produktqualität sicherzustellen.
Für beides gilt unter anderem Folgendes:
- Die Sammlung darf nur in angemessenem Abstand zu potenziellen Schadstoffquellen (z.B. Straßen, Industrieanlagen) erfolgen, um Kontaminationen zu vermeiden. Regelmäßige Rückstandsanalysen gewährleisten zusätzliche Produktsicherheit.
- Der Bestand der gesammelten Arten wird kontinuierlich überwacht, sodass bei Anzeichen einer Gefährdung die Sammelmenge reduziert oder ausgesetzt wird. Bestehen bereits Nutzungsansprüche der lokalen Bevölkerung, muss sichergestellt werden, dass keine Übernutzung durch die gewerbliche Sammlung entsteht.