„Fair verbindet!“ war das Motto unserer diesjährigen Social Media-Kampagne auf Instagram. Damit wollten wir insbesondere jungen Menschen vermitteln, dass Fairer Handel viel mehr ist als die Produktion und der bewusste Konsum von Kaffee und Schokolade. Er bringt Menschen zusammen – über Kontinente, Kulturen und Lebensrealitäten hinweg. Ob sie sich für globale (Klima-)Gerechtigkeit stark machen, Feminismus feiern oder einfach fair leben wollen: In der Fair-Handels-Bewegung finden sie Gleichgesinnte. Und wenn Menschen sich verbinden, entsteht Veränderung und Hoffnung. Mit dieser Zuversicht im Gepäck laden wir Sie dazu ein, auf ein politisch bewegtes Jahr zurückzublicken und daraus neuen Schwung für 2026 zu ziehen. Denn gerade in schweren Zeiten müssen wir optimistisch bleiben und Kraft aus dem schöpfen, was uns gemeinsam bewegt.
Fair verbindet – der FFH-Jahresrückblick
Rückblick auf 2025
#WirWählenFair: Aktion zur Bundestagswahl
Der Jahresanfang 2025 stand im Zeichen der vorgezogenen Bundestagswahl am 23. Februar. Mit Blick darauf riefen wir gemeinsam mit dem Weltladen-Dachverband und Fairtrade Deutschland Anfang Januar die zukünftige Bundesregierung dazu auf, Demokratie, Menschenrechte und Gerechtigkeit weltweit zu stärken und für eine weltoffene und solidarische Gesellschaft einzutreten. Bis zum Wahltag haben die drei Fair-Handels-Akteure unter dem Hashtag #WirWählenFair über ihre Socia-Media-Kanäle konkretisiert, was es dafür braucht. Außerdem haben das Forum Fairer Handel und seine Mitglieder ihre zentralen Forderungen zur Bundestagswahl 2025 in einem entsprechenden Papier dargelegt. Dieses hat übrigens nicht an Aktualität verloren, wie die Schwerpunkte unserer politischen Arbeit im Folgenden zeigen.
Zusammen gegen Rechtsruck und Deregulierung: CSDDD und Omnibus
Nach der Bundestagswahl wurde schnell deutlich, dass der Rechtsruck in unserer Gesellschaft und die Ausgrenzung von Schutzsuchenden weiter voran schreiten würden. Das FFH und seine Mitglieder zeigen klare Haltung gegen rechts. Wir stehen für eine demokratische und offene Gesellschaft, ohne Hass und ohne Diskriminierung. Nur gemeinsam können wir unsere Grundrechte und die Demokratie schützen. Menschenrechte sind unverhandelbar. Auch um gemeinsam für globale Gerechtigkeit und gegen die katastrophalen Auswirkungen der Klimakrise zu arbeiten, brauchen wir eine stabile Demokratie.
Auch die Gefahr, dass unter dem Stichwort „Bürokratieabbau“ in Deutschland und Europa wichtige regulatorische Fortschritte zum Schutz von Menschen und Umwelt in internationalen Lieferketten rückgängig gemacht werden könnten, wurde schnell konkret. Im Februar 2025 initiierte die EU-Kommission das erste einer Reihe von „Omnibus-Verfahren“ zur „Vereinfachung“ zentraler EU-Nachhaltigkeitsregulierungen, unter anderem des EU-Lieferkettengesetzes (CSDDD). Seit dem Ende der Trilogverhandlungen zwischen EU-Kommission, -Rat und -Parlament am 9. Dezember steht fest, dass die CSDDD massiv geschwächt wird. Mehr dazu erfahren Sie hier. Die letzten Monate haben gezeigt, wie unvermittelt und umfassend bereits ausverhandelte Gesetze neu aufgerollt und verwässert werden können. Das zeigt, wie wichtig es in der politischen Arbeit ist, die Kräfte zu bündeln und in starken nationalen und internationalen Bündnissen zu arbeiten. Ein Lichtblick war für uns: 200.000 Menschen haben ihre Stimme erhoben und in den letzten Monaten die Petition zum Erhalt des deutschen und europäischen Lieferkettengesetzes unterzeichnet! Wir danken allen, die mitgemacht haben und fordern, das bald beschlossene CSDDD zügig und ambitioniert in nationales Recht umzusetzen.
Jetzt erst recht – Fairer Handel wichtiger denn je: Wirtschaftliche Entwicklungen im Fairen Handel
Auf unserer Jahrespressekonferenz am 24. Juli konnten wir wiederum positive Nachrichten verkünden: 2024 war wirtschaftlich ein gutes Jahr für den Fairen Handel in Deutschland. Mit einem Plus von 11 Prozent erreichte der Gesamtumsatz mit Produkten aus Fairem Handel einen neuen Höchstwert von rund 2,6 Milliarden Euro. Dieser beruhte vor allem auf höheren Absatzmengen bei zentralen Produkten wie Kaffee und Schokolade – und das trotz hoher Rohstoffpreise. “Fairer Handel steht für Verlässlichkeit in Krisenzeiten und für soziale sowie ökologische Verantwortung entlang globaler Lieferketten. Angesichts von Klimakrise, wachsender Ungleichheit und gesellschaftlicher Spaltung ist das heute wichtiger denn je”, erklärte unsere Vorstandsvorsitzende Andrea Fütterer zu diesem Anlass. Natürlich haben wir die Jahrespressekonferenz auch dafür genutzt, den politischen Gegenwind in Bezug auf Nachhaltigkeitsregulierungen anzusprechen. Ausführlichere Informationen zu aktuellen Entwicklungen im Fairen Handel in Deutschland sowie die wichtigsten Zahlen finden sie hier.
Konzernmacht beschränken: Sondergutachten zu Lebensmittellieferketten
Ein weiteres Thema, an dem wir 2025 intensiv weiter gearbeitet haben, ist das problematische Machtgefälle in internationalen Lieferketten. Immer weniger und immer größere multinationale Konzerne kontrollieren die Märkte über alle Lieferketten hinweg. Dies ist auch im Agrar- und Lebensmittelsektor so. Beispielsweise beherrschen in Deutschland lediglich vier Einzelhandelsunternehmen (Aldi, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland, Edeka und Rewe) mehr als 85 Prozent des Lebensmittelmarktes. Diese Machtungleichgewichte haben viele problematische Auswirkungen auf alle Akteure in den Lieferketten. Die Politik muss handeln, um Marktmacht zu begrenzen! Hier gibt es 2025 einen Erfolg zu verzeichnen: Die Monopolkommission hat am 21. November in ihrem Sondergutachten zu Lebensmittellieferketten immerhin bestätigt, dass die Marktmacht der Supermärkte und einiger Lebensmittelkonzerne problematisch ist. Nun gilt es, diese unkontrollierte Marktmacht mit geeigneten politischen Instrumenten zu begrenzen. Wir bleiben gemeinsam mit unseren kompetenten Partner*innen von der Initiative Konzernmacht beschränken dran. Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.
Fair handeln – Vielfalt erleben: Faire Woche 2025
Bei der diesjährigen Fairen Woche vom 12. bis 26. September 2025 stand die Vielfalt im und um den Fairen Handel im Mittelpunkt. Denn: Vielfalt macht unser Leben bunt, abwechslungsreich und interessant. Aber Vielfalt macht unser Überleben auch erst möglich. Ob es die biologische Vielfalt ist, die Vielfalt einer Gesellschaft oder ein breites Netzwerk von Akteuren – all das ermöglicht es uns, in verschiedenen Lebensräumen zu leben, zu wirtschaften und Herausforderungen zu meistern.
Bundesweit haben Aktionsgruppen mehr als 1700 Aktionen rund um das Thema Vielfalt und Fairer Handel veranstaltet. Von Infoständen und Fairen Vielfaltsfrühstücken über FairKostungen bis hin zu Filmvorführungen. Wir sind begeistert von der Vielfalt der Veranstaltungen und dem Engagement der Veranstalter. Wir bedanken uns bei allen Engagierten, die zu einer abwechslungsreichen und spannenden Fairen Woche beigetragen haben! Wenn auch Sie sich überzeugen möchten, finden Sie hier einen Rückblick auf die Faire Woche 2025.
Den Fairen Handel praktisch stärken und weiterentwickeln: HREDD Support Fund und In Good Company
Es war immer eine Stärke des Fairen Handels, globale Gerechtigkeit und Gemeinsamkeit nicht nur zu fordern, sondern auch zu praktizieren. Das haben wir 2025 im FFH getan, indem wir über den von uns mitinitiierten HREDD Support Fund Handelspartner im Globalen Süden bei den konkreten Herausforderungen in der Umsetzung von EU-Regularien unterstützt haben. Zudem haben wir mit In Good Company ein Netzwerk aufgebaut, in dem sich Pioniere des Fairen Handels und Sozialunternehmen zusammengeschlossen haben, um ganz konkret zu zeigen, wie eine zukunftsfähige Wirtschaft aussehen kann. Konkret wurde es auch in unserer Arbeit zum Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Mit der von uns koordinierten Allianz für eine faire und ökologische Marktwirtschaft sind wir im direkten Gespräch mit dem LEH und gehen unfaire Handelspraktiken direkt an.
Ausblick: Bleiben wir 2026 in Verbindung?
Es liegt in der Natur von Jahresrückblicken, dass nicht alle Themen und Projekte gebührend erwähnt werden können. Zudem steht das neue Jahr vor der Tür, was den Blick in die Zukunft führt. Falls Sie erfahren möchten, was wir 2026 geplant haben und welche Themen uns weiter bewegen, laden wir Sie herzlich zu unserem digitalen FFH Neujahrs-Kick-off am 26. Januar 2026 um 12 Uhr ein. Unser Geschäftsführer Matthias Fiedler verschafft Ihnen einen Überblick über zentrale Projekte und wichtige Termine. Von unseren Fachkolleg*innen erhalten Sie kurze Impulse zu unseren Themenschwerpunkten 2026: Worum geht bei der Fairen Woche, was gibt es Neues von In Good Company, mit welchen Gesetzgebungsprozessen müssen wir uns als Fair-Handels-Aktive beschäftigen und wie geht es mit den Themen „Unfaire Handelspraktiken“ und „Marktmacht im Lebensmitteleinzelhandel“ weiter? Lassen Sie uns verbunden und vernetzt ins neue Jahr starten.
Wir freuen uns auf Sie! Unterdessen wünschen wir Ihnen frohe Festtage und einen guten Start ins neue Jahr.
Ihr FFH-Team