FAQ

Hier finden Sie die am häufigsten gestellten Fragen und Antworten zum Fairen Handel. 

Fairer Handel allgemein

Was bedeutet Fairer Handel?

"Fairer Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt" (Auszug aus der internationalen Definition des Fairen Handels/ FINE 2001). Die zugrunde liegenden Fair-Handels-Kriterien umfassen ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte. Dazu gehören u.a. die Zahlung eines fairen Preises sowie der Fair-Handels-Prämien, die Möglichkeit der Vorfinanzierung der Produktion, die langfristigen Handelspartnerschaften sowie die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen. Diese Grundsätze des Fairen Handels zielen darauf ab, den Produzent/innen Planungssicherheit und ein menschenwürdiges Einkommen zu ermöglichen. Der Faire Handel setzt außerdem auf die Beratung und Qualifizierung der Produzent/innen, unterstützt deren Selbstorganisation und den Aufbau von Weiterverarbeitungsmöglichkeiten vor Ort. Eines der Leitziele des Fairen Handels ist es, die Produzent/innen dabei zu unterstützen, aktiv für ihre Belange im kommunalen, nationalen und internationalen Kontext einzutreten und ihnen zu mehr Selbstbestimmtheit und Unabhängigkeit in wirtschaftlicher Hinsicht zu verhelfen. Gleichzeitig setzt sich der Faire Handel für Bildungsarbeit im Globalen Norden ein und engagiert sich politisch für einen faireren Welthandel. 

Was ist die Vision des Fairen Handels?

Der Faire Handel ist nicht nur ein Modell nachhaltigen Wirtschaftens, sondern auch eine entwicklungspolitische Bewegung, die sich seit mehr als vierzig Jahren für veränderte Rahmenbedingungen im Welthandel einsetzt. Die Vision des Fairen Handels ist eine Welt, in der Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung im Zentrum der Handelsstrukturen und -praktiken stehen, so dass jede/r durch seine/ihre Arbeit einen menschenwürdigen Lebensstandard erreicht und sein/ihr Entwicklungspotenzial voll entfalten kann. 

Manchmal liest man Fair Trade, manchmal Fairtrade – ist das das Gleiche?

Um den Fairen Handel als Ganzes zu benennen, können Sie entweder den deutschen Begriff "Fairer Handel" (beide Wörter groß geschrieben, da es sich um einen Eigennamen handelt) oder das englische Äquivalent – "Fair Trade" – verwenden. 

Der Ausdruck "Fairtrade" in der zusammengeschriebenen Form bezeichnet das Fairtrade-System, das u.a. das Fairtrade-Siegel vergibt. Mit dem Fairtrade-Siegel sind die Produkte aus Fairem Handel gekennzeichnet, die nach den Standards von Fairtrade International gehandelt wurden.

Was sind Fair-Handels-Importorganisationen?

Die meisten Produkte im Fairen Handel stammen von Produzent/innen-Organisationen aus dem Globalen Süden. Doch wie gelangen diese Produkte zu den Konsument/innen im Globalen Norden? In der Regel erfolgt der Import nicht durch die Verkaufsstellen. Im Fairen Handel gibt es dafür spezialisierte Importorganisationen, die Lebensmittel, Handwerksartikel und andere Waren von benachteiligten Produzent/innengruppen abnehmen, teilweise weiter verarbeiten und in Deutschland vertreiben und vermarkten. 

Fair-Handels-Importeure sind ausschließlich im Fairen Handel tätig und arbeiten nach den Prinzipien der WFTO (World Fair Trade Organisation) sowie gemäß der Grundsatz-Charta für Fairen Handel. Ihr Geschäftszweck ist darauf ausgerichtet, mit jeweils angepassten Instrumenten die Produzentenpartner zu stärken, damit sie auf dem Markt bestehen können. Darüber hinaus setzen sie sich für eine grundsätzliche Veränderung der Regeln des Welthandels ein und leisten Bildung- und Öffentlichkeitsarbeit. Bekannte Fair-Handels-Organisationen in Deutschland sind die Forums-Mitglieder GEPA – The Fair Trade Company, EL PUENTE, dwp eG Fairhandelsgenossenschaft, GLOBO – Fair Trade Partner und BanaFair.

Inzwischen gibt es in Deutschland über 60 anerkannte Fair-Handels-Importorganisationen. Insbesondere die Großen haben sich zusammen mit Produzenten-Organisationen in der WFTO zusammengeschlossen. Als internationale Dachorganisation des Fairen Handels hat Die WFTO ein Monitoring-System entwickelt, das die Einhaltung gemeinsamer Standards überwacht. Darüber hinaus gibt es viele kleine Importorganisationen, die manchmal nur Kontakte zu einer Produzentengruppe haben. Der Weltladen-Dachverband gibt mit seinem Katalog anerkannter Weltladen-Lieferanten den Weltläden eine Einkaufsleitlinie an die Hand. Die Fair-Handels-Importeure werden darin bewertet, inwieweit sie der Konvention der Weltläden entsprechen, und somit als Lieferant für Weltläden empfohlen werden. Das Forum Fairer Handel erkennt beide Kategorien Fair-Handels-Importorganisationen an. Seit 2015 ist der Fair-Band e.V. vorläufiges Mitglied beim Forum Fairer Handel. Dieser wurde 2013 als Interessenverband für kleine und mittlere faire Importeure und Händler gegründet. Heute vertritt der eingetragene Verein über 30 Mitgliedsfirmen

Wie gelangen die Fairen Produkte in Deutschland in den Handel?

Dafür gibt es im Fairen Handel verschiedene Ansätze: die sogenannte integrierte Lieferkette und die Produktzertifizierung.

Bei dem Ansatz der integrierten Lieferkette kaufen Fair-Handels-Importorganisationen die unter fairen Bedingungen hergestellten Waren von Kleinbauern und -bäuerinnen-Zusammenschlüssen oder -Unternehmen mit sozialer Verantwortung. Fair-Handels-Importorganisationen sind ausschließlich im Fairen Handel tätig und arbeiten nach seinen Prinzipien gemäß der Grundsatz-Charta für Fairen Handel

Die Weltläden als Fachgeschäfte des Fairen Handels sowie zahlreiche Aktionsgruppen bieten ein breites Sortiment fair gehandelter Produkte an. Sie beziehen ihre Waren größtenteils von den anerkannten Fair-Handels-Importorganisationen, die nach dem Prinzip der integrierten Lieferkette handeln. 

Über den Weg der Produktzertifizierung ist es auch konventionellen Unternehmen möglich, fair gehandelte Produkte zu importieren, zu verarbeiten und zu vertreiben. Sie importieren einzelne Produkte ihres Sortiments nach den Standards einer Fair-Handels-Zertifizierung, z.B. Fairtrade International oder Naturland Fair, und dürfen diese Produkte dann mit dem entsprechenden Siegel ausloben. Dazu schließen die Anbieter der Produkte einen Lizenzvertrag mit der jeweiligen Siegelorganisation ab.

Faire Preise im Fairen Handel – Was bedeutet das konkret?

Ziel des Fairen Handels ist es, benachteiligte Produzent/innen in Ländern des Globalen Südens ("Entwicklungsländer") durch eine andere, faire Art des Handels in die Lage zu versetzen, ihre Situation nachhaltig zu verbessern. In den Systemen des Fairen Handels wie Fairtrade International, Naturland Fair und WFTO ist der Begriff des Fairen Preises eine stehende Größe. Die Definition der WFTO zu Fairen Preisen besagt: Ein fairer Preis zeichnet sich dadurch aus, dass er den Produzent/innen eine faire Bezahlung zusichert, die sich auch auf den Märkten durchsetzen lässt. Wesentliche Aspekte hierbei sind, dass solch ein Preis von allen Beteiligten gemeinsam definiert werden muss und dies durch Dialog und Partizipation geschieht.

Fairtrade International hat über die Jahre für die meisten Produkte, die als Fairtrade-zertifiziert vermarktet werden, einen Preis definiert, der stets mindestens an die Produzent/innen gezahlt werden muss. Basis für solch einen Mindestpreis ist die Kalkulation der Kosten für die nachhaltige Produktion der jeweiligen Produkte – oftmals angeglichen an den regionalen/nationalen Kontext der Produzent/innen. Bei der Berechnung des "Mindestpreises" für ein bestimmtes Produkt wird von Fairtrade International als Grundlage die Entlohnung der Arbeiter/innen einbezogen, zumeist der gesetzliche Mindestlohn, der geringstenfalls bezahlt werden muss. Für die Kleinbäuer/innen gilt entsprechend, dass der Produkterlös umgerechnet zum Stücklohn mindestens dem jeweils gültigen gesetzlichen Mindestlohn entsprechen muss.

Während Fairtrade International überwiegend mit (teils regional abgestuften) Mindestpreisen arbeitet, die vom System vorgegeben werden, setzen andere Fair-Handels-Systeme wie die WFTO aber auch Naturland Fair, IMO Fair for Life und Ecocert Fair Trade auf einen transparenten Kalkulationsprozess zwischen Produzent/in und Käufer/in. Im Rahmen von Verhandlungen auf Augenhöhe definieren beide Parteien gemeinsam den "Fairen Preis" – im Ergebnis häufig derjenige, den die Produzent/innen selbst kalkuliert und vorgeschlagen haben. Für die Kalkulation des Preises gibt es Handreichungen inklusive Rechenmodellen, an denen sich die Produzent/innen orientieren können.

Alle genannten Fair-Handels-Systeme haben in ihren Standards als Minimum definiert, dass die gesetzlichen Mindestlöhne gezahlt werden müssen (wenn es keine Tarifabschlüsse gibt, die höher sind). Bei der Definition der Kriterien für den Fairen Handel wurde davon ausgegangen, dass ein gesetzlicher Mindestlohn dem Anspruch der Existenzsicherung – zumindest auf niedrigem Niveau – entspräche. Das trifft für einige Länder zu, für andere leider nicht. 

Mehr Informationen zum Thema "existenzsichernde Löhne" erhalten Sie in der Broschüre "Living Wages im Fairen Handel"

Standards und Kriterien

Wie wird sichergestellt, dass die Kriterien im Fairen Handel eingehalten werden?

"Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser", sagt der Volksmund. Im Fairen Handel wird Vertrauen sehr groß geschrieben. Wer Fairness und Transparenz verspricht, muss nachweisen, dass er sie auch einhält. Im Laufe der Jahre haben die Fair-Handels- Organisationen daher verschiedene Kontrollsysteme entwickelt. 

Das System der World Fair Trade Organization (WFTO) erstreckt sich über die gesamte Lieferkette von den Produzent/innen bis zum Geschäft, in dem die fair gehandelten Waren an die Endkund/innen verkauft werden. Wer seine Handelstätigkeit vollständig nach den Prinzipien des Fairen Handels ausrichtet, kann das Label sowohl für sein Unternehmen nutzen als auch seine Produkte damit kennzeichnen. Die Einhaltung der Standards überprüft die WFTO mit ihrem Garantie-System in einem mehrstufigen Verfahren. Dazu zählen für die Mitglieder u.a. die regelmäßige Selbstüberprüfung mit umfangreichen Dokumentationspflichten sowie Kontrollen durch externe Gutachter/innen.

Bei Fairtrade stehen die Produzent/innen und ihre Erzeugnisse im Fokus. Das Fairtrade-Siegel ist ein Produktsiegel, das keine Aussage über das gesamte Geschäftsgebaren der beteiligten Organisationen zulässt. Ein unabhängiges, transparentes und weltweit einheitliches Zertifizierungssystem garantiert den Verbraucher/innen die Einhaltung der Fairtrade-Standards. Es erfüllt die Anforderung der ISO-Norm 17065 – eine weltweit anerkannte Norm für Zertifizierungsorganisationen. Die unabhängige Zertifizierungsgesellschaft FLO-CERT GmbH prüft bei regelmäßigen Inspektionen die Einhaltung der Standards bei den Produzent/innen und bei allen an der Handelskette beteiligten Organisationen.

Naturland arbeitet ebenfalls mit einem Produktsiegel. Dieses kann bei Einhaltung bestimmter Kriterien um eine Unternehmensauszeichnung erweitert werden. Die Naturland Fair-Zertifizierung steht allerdings nur Naturland-Mitgliedsbetrieben offen, d.h. die Einhaltung der Bio-Kriterien ist Voraussetzung für die Fair-Zertifizierung. Durch die gemeinsame Überprüfung von Bio- und Fair-Kriterien reduziert sich für die überprüften Betriebe der Aufwand. Ein transparenter, vertrauensvoller Umgang unter allen Partnern sowie jährliche Überprüfungen durch unabhängige Kontrollstellen gewährleisten die Einhaltung der strengen Kriterien

Der Weltladen-Dachverband schließlich prüft die Handelsunternehmen, die ihre Produkte über Weltläden vertreiben möchten und stellt diese im Katalog der anerkannten Lieferanten zusammen. Auf der Basis der "Konvention der Weltläden – Kriterien für den Fairen Handel der Weltläden" – überprüft der Weltladen-Dachverband bei Anbietern von Produkten, ob ihre Waren und ihre Arbeit diesen Kriterien entsprechen. Die Überprüfung besteht aus einer Selbstauskunft des Lieferanten mittels Fragebogen, die anschließend von einem externen Auditor am Sitz des Lieferanten überprüft wird. Bei Bedarf werden Handelspartner/innen des Lieferanten kontaktiert, um die gemachten Angaben zu verifizieren. Entsprechen die Anbieter den Kriterien der Konvention der Weltläden, werden sie in den Lieferantenkatalog aufgenommen. Die Mitglieder des Weltladen-Dachverbands haben sich verpflichtet, nur bei anerkannten Lieferanten einzukaufen. Anfang 2016 waren 69 Fair-Handels-Organisationen im Lieferantenkatalog gelistet, darunter auch einige aus dem Ausland. 

Mehr zum Thema Monitoring und Zertifizierung im Fairen Handel erfahren Sie in der gleichnamigen Publikation des Forum Fairer Handel

Vier vom Forum Fairer Handel anerkannte Siegel stehen für den Fairen Handel. Das sind Fairtrade, Naturland Fair, IMO Fair for Life und ECOCERT Fairtrade. Das Forum Fairer Handel hat 2012 untersucht, inwiefern die Prüfsysteme sicherstellen, dass die eigenen Standards umgesetzt und die eigenen Zielsetzungen erreicht werden. Die Untersuchung sowie ein Positionspapier zur Einordnung können Sie hier einsehen. Zur Kennzeichnung fair gehandelter Lebensmittel und Kunsthandwerk hat die World Fair Trade Organization das WFTO-Label eingeführt. 

Nachhaltig und fair sind heute doch viele, oder?

In den letzten Jahren sind immer mehr Siegel und Zeichen entstanden, die mit dem Begriff „Nachhaltigkeit“ um die Gunst der Konsument/innen werben. Viele davon leisten eine gute Arbeit, haben jedoch verschiedene Akzente und Schwerpunkte, wie z.B. Umweltschutz oder Biodiversität. Allerdings berücksichtigen nur wenige die Grundsätze des Fairen Handels. Beim Fairen Handel steht eindeutig der Mensch im Mittelpunkt. Darüber hinaus spielen auch die anderen Dimensionen nachhaltiger Entwicklung eine wichtige Rolle. Was den Fairen Handel von vielen anderen Ansätzen unterscheidet, sind die weitreichenden Kriterien, wie die Zahlung eines fairen Preises, die Möglichkeit der Vorfinanzierung der Produktion sowie die langfristigen Handelsbeziehungen. Außerdem zeichnet sich der Faire Handel durch seinen entwicklungsorientierten Ansatz aus. Er setzt auf das Empowerment der Produzent/innen, unterstützt deren Selbstorganisation und den Aufbau von Weiterverarbeitungsmöglichkeiten vor Ort. Nachhaltigkeitsansätze wie etwa Rainforest Alliance oder UTZ Certified haben ihre Schwerpunkte eher im ökologischen Bereich.

Warum gibt es kein einheitliches Zeichen für Fairen Handel?

Im Gegensatz zu "bio" ist der Begriff "fair" rechtlich nicht geschützt. Jedes Unternehmen kann ihn nach eigenen Vorstellungen in seiner Kommunikation verwenden.

Es gibt aber international definierte Fair-Handels-Prinzipien, die die Grundlage unserer Arbeit darstellen. Innerhalb des Fairen Handels haben sich in über 40 Jahren unterschiedliche, sich ergänzende Ansätze entwickelt. Ausdruck davon sind eine Vielzahl an Produktsiegeln und Zeichen, die von anerkannten Fair-Handels-Organisationen genutzt werden.

Für welche Schwerpunkte diese Zeichen stehen, können Sie hier nachlesen. Alle anerkannten Siegel und Zeichen arbeiten nach den international definierten Fair-Handels-Prinzipien. Und sie wollen den Handel für die Produzent/innen fairer machen. Die Verbraucher/innen können selbst entscheiden, wie sie mit dieser Vielfalt umgehen. Das Forum Fairer Handel unterstützt Sie dabei und informiert über die unterschiedlichen Ansätze im Fairen Handel – und darüber, worin der Faire Handel sich von Nachhaltigkeitszeichen unterscheidet.

Fair und bio: Ist das dasselbe?

Bio-Produkte sind nicht unbedingt fair gehandelt. Auch nicht alle fair gehandelten Produkte stammen aus kontrolliert biologischem Anbau. Allerdings nimmt der Anteil an biologisch hergestellten Lebensmitteln im Fairen Handel weiter zu. 2015 waren 80 Prozent der in Deutschland verkauften fairen Lebensmittel auch bio-zertifiziert – Tendenz steigend. 

Bei Bio-Produkten werden in erster Linie ökologische Standards überprüft und umgesetzt. Entsprechend sind Sozialstandards und die Einhaltung der ILO Kernarbeitsnormen in der Regel keine Voraussetzung für eine Bio-Zertifizierung. Obwohl der Fokus des Fairen Handels auf der Einhaltung von sozialen und Menschenrechtsstandards liegt, gehört der Schutz der Umwelt untrennbar zu einer fairen Wirtschaftsweise dazu. Denn fair zu handeln bedeutet auch, nachhaltig zu handeln – für Mensch und Natur. Dieser Gedanke findet sich bereits in den Grundsatzpapieren des Fairen Handels wieder. Nähere Informationen dazu erhalten Sie hier.

Die Umstellung auf biologische Landwirtschaft wird im Fairen Handel grundsätzlich gefördert, nicht zuletzt durch den Fair-Handels-Zuschlag. Oftmals erlauben erst die höheren Einnahmen aus dem Fairen Handel die kostspielige Umstellung. Ist auf Bio-Anbau umgestellt, gibt es dann im Fairen Handel einen Bonus für die Herstellung ökologischer Produkte.

Was bedeutet Transparenz im Fairen Handel?

Transparenz ist ein Grundprinzip des Fairen Handels. Direkt im ersten Satz definiert das FINE-Grundlagenpapier: Der Faire Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt." Diese Leitlinie schlägt sich in der Unternehmenskultur jeder Fair-Handels-Organisation nieder. Bezüglich der Transparenz legt das FINE-Grundlagenpapier außerdem fest: "Die Partner begegnen einander mit Respekt und berücksichtigen unterschiedliche Kulturen und Rollen. In der Darstellung der Organisation, ihrer Finanzen und Struktur wird transparent und verantwortlich gehandelt, sowohl gemäß der jeweiligen Rechtsprechung als auch gemäß den Vereinbarungen des Fairen Handels. Die Kommunikation ist offen und konstruktiv." Alle Fair-Handels-Akteure arbeiten auf dieser Grundlage und machen damit auch für Außenstehende ersichtlich, wie sie agieren. 

Ein offener partnerschaftlicher Umgang zwischen allen Akteuren entlang der Lieferkette ist die Basis des Fairen Handels. Durch diesen engen Kontakt mit den Handelspartner/innen im Herkunftsland können die Rohstoffe meist direkt bis zum/ zur Produzent/in zurückverfolgt werden. Die Fair-Handels-Importeure veröffentlichen, u.a. auf ihren Webseiten, umfassende Hintergrundinformationen zu ihren Handelspartnern. Exemplarisch legen sie Muster-Preiskalkulationen einzelner Produkte inkl. der eigenen Margen offen. Auch diese veröffentlichen sie auf ihren Webseiten oder geben sie auf Nachfrage heraus. Muster-Preiskalkulationen ermöglichen einen Einblick, aus welchen Einzelposten sich der Preis eines fair gehandelten Produktes zusammensetzt: z.B. welchen Anteil die Handelspartner/innen am Anfang der Lieferkette erhalten, wie viel der Importeur und der Einzelhandel verdienen und welcher Betrag für Zertifizierung, Transport, Verpackung, Steuer etc. aufgewendet werden muss. 

Wie auch Anbieter konventioneller Lebensmittel unterliegen Fair-Handels-Organisationen gesetzlichen Anforderungen, was die Kennzeichnung ihrer Produkte angeht. Oft gehen die Kennzeichnungen fair gehandelter Produkte über diese Mindestanforderungen hinaus und enthalten außerdem Hinweise auf die regionale Herkunft der Zutaten, den Anteil fair gehandelter Zutaten sowie die Art der Verarbeitung. 

Ob und wie die Kriterien des Fairen Handels in der Praxis umgesetzt werden, überprüfen externe Organisationen anhand konkreter Umwelt- und Sozialkriterien mit Hilfe verschiedener Verfahren. Bei einer Zertifizierung handelt es sich um eine externe Kontrolle, bei der zu einem bestimmten Datum die Einhaltung festgelegter Kriterien überprüft wird. Nur wenn die Kriterien eingehalten wurden, wird durch die Zertifizierung die Erlaubnis erteilt, am Fairen Handel teilzunehmen. Ob die Standards eingehalten werden, wird regelmäßig von unabhängigen Kontrolleuren geprüft. Monitoring wiederum ist ein fortlaufender Prozess. Im Dialog zwischen allen beteiligten Akteuren werden Schwachstellen gefunden und analysiert und daraufhin Verbesserungsschritte festgelegt. Diese beiden Arten von Überprüfungsverfahren sind ein essenzieller Beitrag zur Transparenz im Fairen Handel. 

Ausführliche Informationen zum Thema enthält die Hintergrundbroschüre "Transparenz in internationalen Lieferketten" sowie die Factsheets "Transparente Lieferketten im Fairen Handel" zur Fairen Woche 2015.

Handelspartner

Wie viel kommt tatsächlich bei den Produzent/innen an?

Der Faire Handel hat den Anspruch, den Produzent/innen einen Preis zu zahlen, der sowohl die durchschnittlichen Produktionskosten deckt als auch zum Bestreiten der Lebenshaltungskosten ausreicht. So gibt es im Fairen Handel – anders als im konventionellen Handel – für Produkte wie Kaffee kostendeckende Mindestpreise. Fällt der Weltmarktpreis unter den Mindestpreis, wird dieser gezahlt, zuzüglich einer Fair-Handels- und ggf. einer Bioprämie. Steigt der Weltmarktpreis über den garantierten Mindestpreis, wird der Weltmarktpreis plus Prämien gezahlt. So liegt der faire Gesamtpreis auch in Zeiten hoher Weltmarktpreise über diesen.

Eine allgemeingültige Antwort auf die Frage, wie viel letztendlich der/die einzelne Produzent/in vom Verkaufspreis erhält, gibt es nicht. Die Preisbildung der einzelnen Produkte hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Dazu gehören die aktuell erzielten Einkaufspreise, die Verarbeitungs- und Vermarktungskosten, die Höhe des Betrages, den die Mitglieder für laufende Kosten der Kooperative abgeben müssen, und der Anteil, den die Kooperative für gemeinschaftliche Projekte einsetzt. Über die letzten beiden Punkte entscheiden die Mitglieder der Organisation gemeinsam.

Was bedeutet die langfristige Partnerschaft im Fairen Handel?

Der Faire Handel zielt darauf ab, Produzent/innen und ihre Organisationen zu stärken. Die Basis dafür ist eine verantwortungsvolle, transparente und partnerschaftliche Handelsbeziehung. Damit sich eine solche Handelsbeziehung entwickeln kann, benötigt es vor allem Zeit und Verlässlichkeit auf beiden Seiten. Daher ist die langfristige Zusammenarbeit mit verbindlichen Lieferverträgen und einer kontinuierlichen Auftragslage seit jeher Kernanliegen des Fairen Handels. Sie gibt den Produzentenorganisationen Planungssicherheit, was für Erzeuger/innen landwirtschaftlicher Produkte besonders wichtig ist. Denn deren Alltag ist häufig von schwankenden Marktpreisen, unsicheren Abnahmen sowie Ernteausfällen aufgrund klimatischer Veränderungen bestimmt. 

Zu einer langfristigen Handelsbeziehung im Fairen Handel gehören u.a. die Beratung zur gemeinsamen Produktentwicklung sowie die Unterstützung bei der Anpassung an die lokalen strukturellen und klimatischen Veränderungen. So bedeutet Langfristigkeit im Fairen Handel auch, gemeinsam Krisenzeiten zu bewältigen. 

Produkte

Woran erkenne ich fair gehandelte Produkte?

Es gibt eine Faustregel, die Ihnen dabei helfen kann: Produkte aus Fairem Handel erkennen Sie am Verkauf in Weltläden, an den Marken anerkannter Fair-Handels-Importeure, an dem Label der World Fair Trade Organization (WFTO) und an den anerkannten Produktsiegeln des Fairen Handels (Fairtrade, Naturland Fair, IMO Fair for Life und Ecocert). Ausführlichere Informationen dazu erhalten Sie hier.

Wo kann ich fair gehandelte Produkte kaufen?

Insgesamt werden fair gehandelte Produkte an mehr als 60.000 unterschiedlichen Orten in Deutschland angeboten – darunter Weltläden, Bioläden, Supermärkte, Naturkostläden, aber auch Kantinen, Mensen, Bäckereien, Cafés, Restaurants, Drogerien, Kioske, Schulen, Büropraxen, Geschenkläden, Messen und Märkte. 

Die meisten fair gehandelten Produkte werden in Deutschland in Supermärkten, Discountern, und Bioläden vermarktet. Auch der Gastronomiebereich ist mit mehr als 20.000 Betrieben ein wachsender Vertriebskanal. Cafés, Restaurants, Bäckereien, Kantinen und Mensen bieten in den letzten Jahren immer mehr fair gehandelte Getränke oder Snacks an. Als Fachgeschäfte des Fairen Handels bieten die rund 800 Weltläden in Deutschland die größte Auswahl an fair gehandelten Produkten. Neben dem Verkauf leisten sie auch lokale Informations- und Bildungsarbeit und beteiligen sich an politischen Kampagnen zum Fairen Handel. Weitere Informationen zu den Vertriebskanälen für fair gehandelte Produkte erhalten Sie hier.

Auf manchen fair gehandelten Produkten steht, dass sie gar nicht zu 100 % aus fairen Zutaten bestehen. Wie kann das sein?

Im Fairen Handel gibt es die Regel: Besteht ein Produkt nur aus einem Rohstoff, muss dieser immer zu 100 % fair gehandelt sein. Anders ist es bei Lebensmitteln, die aus verschiedenen Zutaten bestehen, wie etwa Schokolade oder Kekse. Diese werden Mischprodukte genannt.

Da nicht alle Rohstoffe, die für Mischprodukte benötigt werden, über den Fairen Handel verfügbar sind, gilt bei solchen Produkten: Alle Bestandteile des Produktes, die fair gehandelt erhältlich sind, müssen aus Fairem Handel stammen ("All that can be must be Fair Trade"-Regel). Dabei wird ein möglichst hoher Fair-Handels-Anteil angestrebt. In der Regel liegt der Anteil bei über 50 %, teilweise bei 100 %. Nach den Fairtrade-Standards muss dieser mindestens 20 % betragen.

Wie viel geben deutsche Verbraucher/innen für fair gehandelte Produkte aus?

Im Geschäftsjahr 2015 erreichte der Faire Handel in Deutschland mit 1,139 Milliarden Euro Umsatz zu Endverbraucherpreisen eine neue Rekordhöhe und verzeichnete eine Steigerung von 11 % im Vergleich zum Vorjahr. Gegenüber 2010 verdreifachte sich der Umsatz annähernd. Insgesamt gaben die deutschen Verbraucher/innen gut 14 Euro pro Kopf für Produkte aus Fairem Handel aus. Ausführlichere Informationen zu Umsatz- und Absatzentwicklungen im Fairen Handel erhalten Sie hier